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Tönning : Gewerbeverein will Integration fördern

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Sitzung auf dem Mars-Skipper-Hof: Tönninger Verbund befasste sich mit dem Thema Flüchtlinge. Auch über die Zukunft des Bürgerflohmarkts wurde diskutiert. Eine Pause ist angedacht.

Mit den Projekten und Veranstaltungen für das kommende Jahr befasste sich der Verein für Handel, Handwerk und Gewerbe Tönning (HGV) in seiner Herbstversammlung. Größten Raum nahm dabei das Thema Asylbewerber auf Eiderstedt und wie man ihnen helfen kann ein. Doch zunächst nahmen die rund 25 Teilnehmer den Tagungsort unter die Lupe. Der Mars-Skipper-Hof, zwischen Tönning und Kotzenbüll gelegen, ist mit seinem Angebot einzigartig auf der Halbinsel und in Nordfriesland. Dort werden an 80 Spielstationen alle fünf Sinne angesprochen, Kindern und Erwachsenen wird ein neuer Zugang zu ihrer Wahrnehmung ermöglicht, basierend auf den Erkenntnissen des Tischlers, Künstlers und Pädagogen Hugo Kükelhaus (1900-1984). Leiterin Maren von der Heide führte die Gruppe durch den Haubarg, in dem auch Platz für Schulklassen ist, und über das Außengelände.

In der Versammlung in der Diele des Haubargs ging es dann um ein überaus ernstes Thema: die Asylbewerber, die in Tönning und auf Eiderstedt leben. Die Flüchtlingsbeauftragte des Amtes Eiderstedt, Rebecca Mansel, war zu Gast und stand Rede und Antwort. „Wie können wir als Gewerbetreibende helfen“, wollte der Vorsitzende Carl-Rüdiger Westensee wissen. Was sei mit Praktika? Das sei schwierig, erklärte die 32-jährige Diplom-Pädagogin, sie sich seit einem Jahr um die Asylbewerber auf Eiderstedt kümmert, zunächst ehrenamtlich, seit dem 1. Juli hauptamtlich. Praktika müssten bei der Ausländerbehörde beantragt werden und würden häufig abgelehnt. Generell dürften Asylbewerber in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts nicht arbeiten. Später sei es dann für sie möglich, ehrenamtlich tätig zu sein, aber das auch nur sehr begrenzt. Sie bat alle Gewerbetreibenden vor der Anstellung eines Asylbewerbers, sich erst einmal mit ihr in Verbindung zu setzen, um die Vorschriften abzuklären.

Insgesamt leben derzeit 100 Asylbewerber auf Eiderstedt, 15 davon seien inzwischen anerkannte Flüchtlinge. Ab dem 15. September werden jede Woche sechs bis acht neue erwartet. Das Amt Eiderstedt ist für ihre Unterbringung zuständig. Die Zahlen können sich aber auch kurzfristig ändern. Mittlerweile werden in Tönning, Tating und Garding ehrenamtlich Deutsch-Kurse angeboten, bald wahrscheinlich auch in Oldenswort. 40 ehrenamtliche Helfer gebe es auf Eiderstedt. Sie fahren die Asylbewerber, überwiegend junge Männer aus Syrien und Afghanistan, zu Behörden, auch nach Neumünster, und zum Arzt, einige unterrichteten Deutsch. Wichtig sei es, die Menschen aus fernen Ländern in Vereine aufzunehmen oder sie auch einmal auf einen Kaffee einzuladen, damit sie sich integrieren können. Ein großer Wunsch ist ein Begegnungsraum in Tönning, wo sich Einheimische und Asylbewerber zwanglos treffen können. „Ich sehe unsere Aufgabe darin, herauszufiltern, wie wir den Integrationsprozess unterstützen können“, appellierte Westensee an die Mitglieder.

Aber es ging auch um die ureigenen Projekte des HGV. Zur Debatte stand der Bürgerflohmarkt, der seit fünf Jahren immer im Juni stattfindet. Das jetzige Organisationsteam plädiert für eine ein- oder mehrjährige Pause. Es seien im Laufe der Zeit immer weniger Stände angemeldet worden, erläuterte Holger Tammen. Zudem sei die Organisation sehr anstrengend und das Team geschrumpft. HGV-Mitglied Torsten Beetz bot an, den Bürgerflohmarkt zu übernehmen. Ein weiterer Vorschlag aus der Runde war, den Floh- mit dem Peermarkt zusammenzulegen. Denn in der jetzigen Form sei diese Traditionsveranstaltung mit Jahrmarkt im August nicht überlebensfähig, wie Westensee sagte. Zufrieden äußerte er sich über die Resonanz auf das Packhaus-Festival und das Mondschein-Kino, das der HGV unterstützt. Die Mehrheit sprach sich für die Fortsetzung des Festivals aus. Ferner kündigte Westensee an, dass das Leitbild für die Stadt Tönning im Oktober vorgestellt werden soll, auch der HGV beteiligt sich daran.

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erstellt am 10.Sep.2015 | 09:30 Uhr

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