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Garding : Gewerbeverein greift Amtsdirektor an

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Harde-Huus-Konflikt: Der Gardinger Verbund fordert den Rücktritt von Herbert Lorenzen als Vorsitzender des Kooperationsraums. Sie machen ihn für den Rückzug eines Investors verantwortlich.

Heftiger Kritik sieht sich Eiderstedts Amtsdirektor Herbert Lorenzen für die Anmietung des Harde-Huus in Garding zur Unterbringung von Flüchtlingen ausgesetzt (wir berichteten). Er hatte dies gegen den Protest der Stadt getan. Nun fordert der Gardinger Gewerbeverein sogar seinen Rücktritt als Vorsitzender des Kooperationsraums Mittleres Eiderstedt, einem Zusammenschluss der Stadt Garding und acht Umlandgemeinden.

Hintergrund des Konflikts ist ein wirtschaftlicher Aspekt. Auf dem Nachbargrundstück an der B  202 wollte ein Investor ein Pflegeheim errichten, doch nach dem Bekanntwerden der Pläne des Amtes kündigte er an, sich zurückzuziehen, da das Harde-Huus, das einer Eigentümergemeinschaft gehört, nun anders als für Senioren-Wohnen genutzt werde. In dem Appartment-Gebäude hat das Amt zwölf der 22 Wohnungen gemietet. Die übrigen zehn werden von zwölf Senioren genutzt. Es ist geplant, 30 Asylbewerber dort unterzubringen. Sie sollen in den nächsten Wochen einziehen. Gardings Bürgermeisterin Andrea Kummerscheidt kritisiert diesen Schritt, da mit dem Pflegeheim zwischen 50 und 70 Arbeitsplätze hätten geschaffen werden können.

In seiner Herbstversammlung forderte der Gardinger Gewerbeverein von 1861 nun den Rücktritt von Herbert Lorenzen. „Als Vorsitzender des Kooperationsraums ist er nicht mehr tragbar“, betonte der Vorsitzende Serge Hatzenbühler. „Der Kooperationsraum hat es sich zur Aufgabe gemacht, unter anderem die stationäre Pflege zu fördern“, erklärte er vor den gut 30 anwesenden Mitgliedern. Doch mit seinem Vorgehen habe Lorenzen die Ziele des Verbunds torpediert. Für den Gewerbeverein gebe es als Antwort drei Möglichkeiten: Entweder man kehre zur Tagesordnung zurück, oder der Gewerbeverein ziehe sich aus der Zusammenarbeit zurück. „Als dritten Schritt sehe ich die Möglichkeit, bei der nächsten Sitzung der Steuerungsgruppe des Kooperationsraums, den Antrag auf Rücktritt des Vorsitzenden einzureichen.“ Auch die Vereinsmitglieder unterstützten ihren Vorsitzenden darin, ein klares Signal zu setzen. Einstimmig gab das Gremium grünes Licht, den Rücktritt zu fordern.

Auf Anfrage erklärte der Amtsdirektor dazu, dass er bedauere, dass nicht sachlich zwischen den Dingen unterschieden werde. Er komme nicht aus seiner gesetzlichen Verantwortung als Amtsdirektor heraus, für die Unterbringung der Flüchtlinge zu sorgen. Bis zum Jahresende rechnet er noch mit 90 Personen. Aktuell leben rund 160 Asylbewerber auf der Halbinsel. „Ich habe den Anspruch, die Unterbringung der 30 im Harde-Huus mit Betreuung und Integration gut zu organisieren und auch die Belange der Hausbewohner integrativ zu unterstützen.“ Sollten die Senioren alle in einem Trakt des Gebäudes untergebracht werden wollen, werde ihnen dabei geholfen. Sie müssten es nur sagen.

Der Kooperationsraum stand noch wegen eines anderen Aspekts im Zentrum des Interesses: Hatzenbühler plädierte für eine enge Zusammenarbeit mit den Betrieben in den angehörigen Gemeinden. In diesem Zusammenhang sollte der Gewerbeverein einen neuen Namen erhalten. Der Vorschlag „Gewerbeverein Garding und Mittleres Eiderstedt“ stieß sofort auf offene Ohren. Es sei ein klares Bekenntnis zur Region, war von einzelnen Mitgliedern zu hören. Ohne große Diskussion wurde dieser Namensänderung zugestimmt. Damit verbunden folgte eine Änderung in der Vereinssatzung. So dürfen die Mitglieder künftig aus allen Gemeinden des Kooperationsraums stammen.

Beim Thema Weihnachten kam es zu Diskussionen. Erstmalig sei in diesem Jahr die gesamte Durchgangsstraße mit Weihnachtsbeleuchtung geschmückt. Dies sei jedoch nur durch zusätzliche Beiträge möglich gewesen. „Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei allen bedanken, die sich spontan an den Kosten beteiligt haben.“ Doch es gebe ein großes Problem. Bisher konnte jedes Jahr ein Kinderkarussell angemietet werden. Das steht für den Weihnachtsmarkt am 28. November nun nicht mehr zur Verfügung. Hatzenbühler schlug vor, das Kinderkarussell für 5000 Euro zu kaufen. Allerdings könne der Gewerbeverein diese hohe Investition nicht so einfach stemmen. Die ersten Reaktionen fielen kritisch aus. So wurde an die regelmäßige Tüv-Überprüfung erinnert. Aber auch die Beschaffung von Ersatzteilen könnte schwierig werden, lautete ein Kritikpunkt. Matthias Trapp entfkräftete diese Einwände. Das Karussell müsse weder zum Tüv noch sei die Beschaffung von Ersatzteilen seiner Einschätzung nach ein Problem. Hatzenbühler schlug folgende Finanzierung vor: „Wir haben in unserer Weihnachtskasse noch 2000 Euro.“ Die jährliche Spende in Höhe von 3000 Euro für Kinderprojekte im Ort könnte halbiert werden. Somit müssten nur noch 1500 Euro finanziert werden. Kassierer Hans-Holger Friedrich wies daraufhin, dass der gekürzte Spendensatz über das Karussell wieder wettgemacht werde. Unter diesem Gesichtspunkt stimmte die Versammlung dem Kauf zu.

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