Keine Gefahr : Gewappnet für den Fall der Fälle

Da Ebola über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen werden kann, müssen die Schutzanzüge den gesamten Körper bedecken und gegen Flüssigkeiten abgedichtet sein.
Da Ebola über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen werden kann, müssen die Schutzanzüge den gesamten Körper bedecken und gegen Flüssigkeiten abgedichtet sein.

Der Rettungsdienst und der Fachdienst Gesundheit des Kreises Nordfriesland sind auf den Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen vorbereitet.

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12. Dezember 2014, 13:00 Uhr

„Zwar ist die Gefahr sehr gering, dass uns in Nordfriesland Ebola begegnet, aber ausschließen kann man es nicht“, erläutert Christian Wehr, der Leiter des Fachdienstes Rettungswesen in der Kreisverwaltung. Deshalb haben sich der Rettungsdienst und der Fachdienst Gesundheit des Kreises Nordfriesland auf den Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen vorbereitet. Wie alle Behörden in Deutschland orientiert sich der Kreis Nordfriesland bei seinen Maßnahmen an den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. „Werden wir zu einem Patienten gerufen, der über 38,5 Grad Fieber oder erhöhte Temperatur mit Symptomen wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen oder außergewöhnliche Blutungen aufweist, müssen wir abklären, ob ein Verdacht auf Ebola besteht“, sagt Christian Wehr.

Zu diesem Zweck wird der Patient selbst befragt – mit einem Sicherheitsabstand von einem Meter. Kann dieser Abstand nicht eingehalten werden, muss der der fragende Notarzt oder Rettungsassistent einen Schutzanzug mit Handschuhen, Mund-Nasen-Schutz und Schutzbrille tragen. Gefragt wird, ob der Erkrankte in den letzten 21 Tagen Kontakt mit Ebola-Patienten oder -Verdächtigen oder ob er beruflichen Kontakt mit Ebola-Viren, erregerhaltigem Material oder infizierten Tieren hatte. Wichtig ist zudem, ob der Patient sich in den letzten drei Wochen in Sierra Leone, Guinea, Liberia, Lagos/Nigeria oder in der Provinz Equateur der Demokratischen Republik Kongo aufgehalten hat und ob es Kontakte zu Flughunden, Fledermäusen, Primaten beziehungsweise zu den Ausscheidungen dieser Tiere gab.

„Trifft eine dieser Bedingungen zu, haben wir es mit einem begründeten Verdachtsfall zu tun, der besondere Schutzmaßnahmen erfordert“, erklärt Wehr. In solchen Fällen reichen die üblichen Infektionsschutzanzüge des Rettungsdienstes nicht mehr aus. Da Ebola über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten sowie durch Niesen übertragen werden kann, müssen die Anzüge den gesamten Körper bedecken und gegen Flüssigkeiten abgedichtet sein. Obwohl diese Anzüge zur Zeit weltweit nahezu ausverkauft sind und die Lieferfrist mehrere Monate beträgt, ist es dem Kreis gelungen, kurzfristig die benötigte Anzahl zu beschaffen.

Meldet ein Rettungswagen einen Patienten, der Ebola haben könnte, bringt der Leitungsdienst des Rettungsdienstes sofort Spezialschutzanzüge zum Einsatzort. Vor Ort wird auch abgesprochen, ob zusätzliche Einsatz- und Leitungskräfte alarmiert werden müssen. Besteht tatsächlich ein begründeter Ebola-Verdacht, ruft der Rettungsdienst einen speziellen Infektions-Krankentransportwagen der Hamburger Berufsfeuerwehr zu Hilfe. Dieser bringt den Patienten in das Bernhard-Nocht-Institut für Tropen-Medizin in Hamburg. Dort können Ebola-Kranke medizinisch versorgt werden.

Rettungsassistenten, Notärzte und alle anderen Personen, die Kontakt zu dem Patienten hatten, sowie ihre Einsatzfahrzeuge werden anschließend gründlich desinfiziert. Die Schutzanzüge werden unter Beachtung strenger Sicherheitsmaßnahmen vernichtet.

„Wir sind sicher, eine Ebola-Ausbreitung in Nordfriesland mit diesen Arbeitsabläufen verhindern zu können, wobei dann auch alle Kontaktpersonen zu erfassen sind“, sagt Christian Kluger. Er arbeitet als Arzt im Fachdienst Gesundheit des Kreises und hält den engen Kontakt zum Rettungsdienst, den Notärzten, dem Robert-Koch-Institut, dem Fachmann für Arbeitsschutz und dem Hygienemanagement des Klinikums NF. „Natürlich müssen wir sehr vorsichtig sein“, betont Kluger, „aber aufgrund unseres Personals und unserer hohen hygienischen Standards ist die Gefahr eines Ebola-Ausbruches in unserer Region sehr unwahrscheinlich.“

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