Erntezeit in Nordfriesland : Getreidebauern in den Startlöchern

An der Westküste beginnt bald die Getreideernte: Davor müssen Heinz-Josef Jockram und sein Sohn Jonas die Maschinen auf Vordermann gebracht haben.
An der Westküste beginnt bald die Getreideernte: Davor müssen Heinz-Josef Jockram und sein Sohn Jonas die Maschinen auf Vordermann gebracht haben.

Bald rollen wieder die Traktoren: Die Landwirte an der Westküste machen sich bereit für die Getreideernte. Nun muss nur noch das Wetter mitspielen.

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23. Juli 2015, 15:30 Uhr

Entspannt sitzt Heinz-Josef Jockram (53) auf der sonnigen Terrasse seines Hofes Lüderitzbucht im Sönke-Nissen-Koog. Noch kann er die ruhige Zeit genießen, denn in ein paar Tagen ist es mit dem Müßiggang vorbei. Dann beginnt auch hier an der Westküste die Getreideernte. Aber ganz ohne Vorbereitung geht es doch nicht. Bevor der Mähdrescher auf das Feld fährt, heißt es Zahnräder und Ketten abschmieren, letzte Reparaturen erledigen, Öl und Kühlwasser auffüllen. Während der Erntezeit darf keine Maschine ausfallen, alles muss klappen. Mit kleineren Ersatzteilen hat Jockram sich schon bevorratet. Die Siloanlage ist durchgecheckt, die Lager der Elevatoren geschmiert und das Getreidelager gereinigt, damit Vorratsschädlinge keine Chance haben.

30 Hektar Wintergerste stehen auf dem Halm und werden täglich von Sohn Jonas (14) auf den Feuchtigkeitsgehalt kontrolliert. Der Schüler kann es kaum erwarten, dass es endlich los geht. Er hat nun Ferien, doch faulenzen gilt nicht für den Landwirtssohn, er wird kräftig mit anpacken, und das gerne. 14 Prozent Feuchtigkeit darf die Gerste beim Ernten haben, damit es keine Preisabzüge gibt. Vor wenigen Tagen hatte das Getreide noch 23 Prozent – Vater und Sohn müssen noch etwas warten.

Dann wird das große 4,80 Meter breite Schneidwerk angebaut, der Kornwagen angehängt und bei guter Witterung zwölf bis 15 Stunden täglich gedroschen. 1,5 bis zwei Hektar schafft der Mähdrescher in einer Stunde. Oft wird noch während der Weiterfahrt abgetankt, um zügig zu ernten, denn das nordfriesische Wetter ist wechselhaft. Zwei Aushilfskräfte stehen Heinz-Josef Jockram während der Ernte zur Seite. Einen wichtigen Part übernimmt Ehefrau Silke (52). Sie sorgt für das leibliche Wohl der Mannschaft und bringt das Essen pünktlich aufs Feld. Die halbtags berufstätige Mutter hat sich extra zwei Wochen Urlaub genommen, damit alles reibungslos klappen kann.

Danach müssen Arbeit und Ernte zusammen funktionieren, denn in zwei bis drei Wochen ist auch der Raps erntereif. Im Zuge der Fruchtfolge warten ab Mitte bis Ende August noch einmal 90 Hektar Weizen darauf, abgeerntet zu werden, bevor Ende September dann die Zuckerrüben aus der Erde genommen werden. Und immer ist das Wetter der Taktgeber, bei Regen geht nichts mehr. Feuchtes Getreide lässt Jockram durch die Trocknungsanlage laufen, bevor es in das Lager kommt. 50 bis 70 Prozent seiner Erntemenge lagert er auf seinem Hof ein, um beim späteren Verkauf trotz der schwankenden Weltmarktpreise einen besseren Erlös dafür erzielen zu können. Der Rest geht dann an den Landhandel.

Mit 80 bis 100 Doppelzentnern Ertrag pro Hektar rechnet der Landwirt bei der Gerste. Bei Weizen können es noch einmal 20 Doppelzentner mehr werden. Doch erst wenn der letzte Weizen geerntet ist, wird abgerechnet. Zu vieles könnte den Ertrag noch schmälern. Bis dahin rollen die Traktoren und Erntefahrzeuge über die Straßen Nordfrieslands, oft zum Leidwesen eiliger Mitbürger. Heinz-Josef und seine Berufskollegen bitten um Verständnis, auch wenn es nachts einmal länger wird. Das Zeitfenster sei kurz und die Belästigung gäbe es nur über eine begrenzte Zeit, so Jockram.

Doch dann, wenn der Mähdrescher wieder in der Halle steht und die Felder neu bestellt sind, dann kann Josef Jockram wieder Luft holen. In den Herbstferien ist Familienurlaub angesagt. Dann fliegt die fünfköpfige Familie in den Süden, um die Sonne zu genießen und zu baden, wozu während der Ernte und Bestellung einfach zu wenig Zeit ist.

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