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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2017 | 22:32 Uhr

Hilferuf : Gesucht: Wohnraum für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Hilferuf aus dem Ordnungsamt der Stadt Husum richtet sich an Vermieter und Privatleute: Es werden dringend Quartiere für Asylsuchende benötigt. Übergangsweise sind auch Ferienunterkünfte ein gutes Angebot.

von
erstellt am 19.Aug.2015 | 16:00 Uhr

Ohne Improvisationstalent geht es nicht im Team „Asyl“. Denn ein solches arbeitet inzwischen im Ordnungsamt der Stadt Husum. Matthias Matzke und Michael Hepper sind abgestellt, um ankommenden Flüchtlingen eine Unterkunft zuzuweisen. Und diese Aufgabe wird für die Verwaltung angesichts der drastisch steigenden Flüchtlingszahlen zum Problem. Wöchentlich müssen zurzeit zwischen fünf und sieben Betroffene – in ganz Nordfriesland sind es 30 bis 35 – untergebracht werden; so viele waren es vor einem Jahr noch nicht einmal in einem Monat.

Apropos Improvisationstalent – der Vorlauf liegt oft bei noch nicht einmal einer Woche. Denn die Flüchtlinge können nicht mehr bis zu drei Monaten in den Erstaufnahme-Einrichtungen bleiben, um zu erfahren, ob ihnen das Recht auf Asyl zuerkannt wird oder nicht – so hat es der Gesetzgeber eigentlich vorgesehen. Realität sind jetzt zwei bis drei Wochen, dann werden aufgrund des Zustroms freie Plätze benötigt. Zudem kommen die Mitarbeiter im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit dem Bearbeiten der Anträge nicht hinterher – die Wartezeit liegt bei sechs Wochen, so Malte Hansen.

„Alle Wohnungen, Zimmer und Häuser, die wir angemietet haben, sind belegt. Wir leben im Moment sprichwörtlich von der Hand in den Mund und weichen als Übergangslösung sogar schon auf freie Ferienwohnungen aus“, erklären Amtsleiter Malte Hansen und die beiden Mitarbeiter. Deshalb lautet ihr dringender Appell an alle Vermieter, die Wohnungen, Zimmer oder Häuser anbieten können, sich beim Ordnungsamt (Telefon 04841/666324 oder 666321) zu melden. Gesucht sind auch Bürger, die bereit wären, privat einen Flüchtling aufzunehmen. „Wer beispielsweise ein oder zwei Zimmer frei hat, sollte sich an uns wenden. Wir freuen uns über jede freie Unterkunft, die wir bekommen können“, betont Matthias Matzke.

30 Wohnungen hat die Stadt aktuell für Flüchtlinge angemietet. Es sei schwierig, kleinere Bleiben für Einzelpersonen zu finden, so der Tenor der drei aus dem Ordnungsamt. Die Konsequenz: Es werden größere Quartiere mit drei bis vier Zimmern genommen und dann Wohngemeinschaften gebildet.

Wie lange am Ende einzelne Flüchtlinge bleiben, „können wir nicht einschätzen“, erklärt Malte Hansen. „Zurzeit leben in Husum 166 Personen, deren Verfahren läuft.“

Seit Jahresbeginn mussten bisher 94 Asylsuchende in Husum untergebracht werden: 58 Männer, 21 Frauen und 19 Kinder, überwiegend aus Syrien, dem Kosovo und Armenien. Malte Hansen: „Für Husum ist wahrscheinlich Halbzeit. Mit rund 100 weiteren Flüchtlingen bis zum Jahresende müssen wir mindestens rechnen. Und ehrlich gesagt, wissen wir gar nicht, wo wir diese unterbringen sollen. Wir haben derzeit schlichtweg keine bezahlbaren Kapazitäten.“

Denn werden überhaupt Unterkünfte gefunden, müssen diese auch finanzierbar sein. Für Flüchtlinge gilt – wie für andere Leistungsempfänger des Sozialzentrums – eine Miethöchstgrenze nach „Hartz IV“-Sätzen: Diese liegt bei 332 Euro pro Monat plus Heizkosten. „Wir gucken uns alles an – und dann sprechen wir über die Miete“, erläutert Matthias Matzke die Praxis. Leider mussten er und sein Kollege Hepper bereits die Erfahrung machen, dass einige die Notsituation ausnutzen und äußerst hohe Mieten verlangen.

Eine Bitte formuliert Michael Hepper: „Wir bekommen oft Anfragen, ob wir Möbelspenden annehmen. Ich würde gern an die Neue Arbeit Nord in Bredstedt verweisen, mit der wir eng zusammenarbeiten, wenn es darum geht, Wohnungen für Flüchtlinge zu möblieren und einzurichten. Die NAN freut sich immer über Möbelspenden – besonders in dieser Zeit.“ Interessierte erreichen die Einrichtung unter Telefon 04671/9430224.

Froh sind Hansen, Matzke und Hepper über eines: „Die Stimmung gegenüber Flüchtlingen ist positiv. Auch wir haben keine negativen Erfahrungen gemacht und erleben Menschen, die dankbar sind, hier zu sein.“

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