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Der Körpersprache-Code : Gesten sagen mehr als 1000 Worte

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Er kam, sah und begeisterte: Thorsten Havener verblüffte im Nordsee-Congress-Centrum in Husum 600 Zuschauer mit seiner Kunst, die Körpersprache zu entschlüsseln.

Will man mit diesem Mann länger als nötig allein in einem Raum sein? In ständiger Furcht, der Typ könnte jeden Gedanken erraten? Die winzigste Regung richtig deuten und all die kleinen und großen Geheimnisse dem Schutz der Intimität entreißen? Thorsten Havener kann einem schon Angst machen. Von der Statur eher unscheinbar, weil ziemlich durchschnittlich – aber adrett gekleidet, eloquent. Die Frauen im Publikum schauen schon mal genauer hin – und die Männer daneben leicht irritiert auf ihre weibliche Begleitung, die da so schnell in den Bann des charmanten Entertainers gerät.

Doch jeglicher Anflug von Eifersucht verschwindet genau so fix wieder wie er gekommen ist. Die Geschlechter-übergreifende Faszination obsiegt schnell an diesem Abend in Husum. Dort, im Nordsee-Congress-Centrum, hat ein Phänomen seinen einzigen Auftritt in Schleswig-Holstein in diesem Jahr. Und der ist groß. 600 Zuschauer, die sich oft genug mehr oder weniger bereitwillig als eigentliche Stars des Abends in das Programm einbinden lassen, sind Zeugen. Die doppelte Anzahl an Eintrittskarten hätte die Bredstedter Veranstaltungsagentur Gofi verkaufen können.

Als Mentalist und Zauberkünstler bezeichnet die Internet-Enzyklopädie Wikipedia Havener. Der 43-Jährige nennt sich heute selbst lieber Körperleser. Natürlich habe er auch etwas Ordentliches gelernt, lässt der Dolmetscher für Englisch und Französisch sein Publikum via Einspielfilm wissen, bevor er sich zum ersten Mal inszeniert. Voller Selbstironie zwingt der gebürtige Saarbrücker seine Jetzt-schon-Fans, ihn gleich noch einmal als Einpeitscher zu beweihräuchern. Da weiß einer genau, wie man eine Masse schnell zu Wachs in den Händen macht. Den selbst ernannten Entschlüsseler des Körpersprachen-Codes live zu erleben, heißt in ständiger Wachsamkeit auszuharren: „Der wird doch nicht etwa ausgerechnet mich auf die Bühne holen?“ Wer weiß. Havener lobt zwar besonders die ersten beiden Reihen für ihren Mut, „hier zu sein“, taucht im nächsten Moment aber auch in den Tiefen der Halle auf, um Mitspieler ohne jegliche Chance auf eine Exit-Strategie zu generieren – allein durch seine alternativlose Fragetechnik.

Apropos Technik: Für das „erste Opfer“ des Abends, Dennis, wird die Bühne zum imaginären Check-in-Bereich eines Flughafens. Waffe, Schere, Feuerzeug, Feuerlöscher und Schlange – Haveners Top-Fünf auf der Liste der Schmuggelware. Symbole, die sich das Versuchskaninchen – ein Rechtshänder – wahlweise im Unterbewusstsein verankern und unbeobachtet in die rechte Hosentasche stecken darf. Im ersten Durchgang „errät“ der Meister, dem auch nicht das kleinste Zucken einer Augenbraue entgeht, dass Dennis eine Waffe trägt – sein Pokerface wird ihm zum Verhängnis. Kein Zufall, denn die nächste Annäherung des Schmugglers fällt nicht mehr selbstbewusst aus, sondern kontrolliert: Schlange in der Hose, lautet die eindeutige Diagnose.

Auf diese Weise jagt ein Aha-Erlebnis das nächste. Havener lässt interaktiv Finger und Füße kreisen und klärt sein Publikum gleich mal ergebnisorientiert auf: Man nehme seinen Zeigefinger, male damit ein Q auf seine Stirn – zeigt der Strich vom Buchstaben zum rechten Auge, handelt es sich um einen Selbstleser, der sein Umfeld gut erkennen kann und sehr überzeugend wirkt; links bedeutet, automatisch den Blick von anderen einzunehmen, empathisch und einfühlsam zu sein – ein Teamplayer. Und auch diese Erkenntnis könnte einem durchaus mal von Nutzen sein: Liegt der rechte Daumen bei ineinander zum Gebet verschränkten Händen oben, „haben Sie besseren Sex als die anderen“. Na denn  .  .  .

Blicke, Gesten, Stimmlagen, Körperhaltungen – all das, und kommt es für Otto Normalbeobachter auch noch so unscheinbar daher, sagt Havener mehr als 1000 Worte. Er erklärt uns, warum wir bei unserer nächsten Verabredung mit dem anderen Geschlecht besser nach einem Glastisch Ausschau halten sollten („Wenn die Füße von Ihrem Date in Ihre Richtung zeigen, ist alles in Ordnung!“), und weshalb Lügen keine kurzen Beine haben, sondern warme Nasen. Seine Erkenntnisse über die nonverbalen Signale in unserer alltäglichen Kommunikation sind eine Offenbarung – die sofortige Beweisführung am lebenden Objekt buchstäblich eine sinnliche Erfahrung. Natürlich verrät ein Meister seines Fachs wie Havener dem Publikum längst nicht alles. Wie etwa Svenja zielsicher aus 70 Polaroids das Foto ihres Liebsten zu fassen kriegt, bleibt sein Geheimnis.

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erstellt am 26.Feb.2016 | 06:00 Uhr

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