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Besonderer Gottesdienst in Bredstedt : Geschichten von der Einsamkeit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Patienten der Diako NF berichten in einem besonderen Gottesdienst in Bredstedt von Zurückweisung und Ablehnung.

Das Thema Gastfreundschaft und Willkommensein, besonders zu den Festtagen, stand diesmal im Mittelpunkt des jährlich stattfindenden besonderen Gottesdienstes in der Bredstedter Kirche St. Nikolai. Ihn gestalteten Mitarbeiter und Patienten der Diako Nordfriesland gemeinsam mit Psychotherapeutin Johanna Christiansen sowie Pastor Peter Schuchardt. „Patienten werden heute ihre Gedanken schildern, und das finde ich mutig“, so der Seelsorger. Weihnachten und Gastfreundschaft, sagte Christiansen, gehörten zusammen. Aber auch darüber, nicht willkommen zu sein, lohne es sich nachzudenken. Wer zu den Feiertagen Besuch bekomme, möchte in der Regel, dass dieser sich wohlfühlt. „Bitte nehmen Sie nun Platz, es ist genügend da an unserer Tafel“, bat Christiansen die Patienten. Sie taten es vorn im Altarbereich vor der Krippe. Dort stand ein mit weihnachtlichen Leckereien gedeckter Tisch. Helen Christiansen reichte heißen Tee, und einige erzählten von ihren Erfahrungen zum Thema.

Wie die 34-jährige Jacqueline aus dem nördlichen Nordfriesland. Für sie hat niemand mehr aus ihrer Familie einen Willkommensgruß übrig, nicht einmal zu Weihnachten. Doch sie hat inzwischen gute Freunde, die zu ihr stehen und ihr Halt geben. Mit 16 Jahren riss sie von zu Hause aus, weil sie es nicht mehr aushielt, geriet in schlechte Gesellschaft, wurde drogen- und alkoholabhängig. Erst im Frühjahr dieses Jahres schaffte sie es, die Notbremse zu ziehen und begab sich freiwillig in die Obhut der Diako Nordfriesland, den ehemaligen Fachkliniken Nordfriesland. Zwei, wie sie sagt, harte Therapien-Phasen hätten sie nun stabilisiert. Dank der Unterstützung durch Mitglieder einer Selbsthilfegruppe gehe es aufwärts. Sie hofft nun mit Hilfe des Sozialzentrums, eine Ausbildungsstelle im kaufmännischen Bereich zu finden.

Kleine Kinder sind nicht überall willkommen. Diese schmerzliche Erfahrung hat Jan gemacht. Seine Tochter Maja ist sehr lebhaft, eben ein ganz aktives kleines Mädchen. „Ich kann gar nicht verstehen, dass meine eigene Mutter und ihre Oma, uns nicht einmal sehen will. Wir sind doch eine so tolle kleine Familie. Wer die Tür für uns aufmacht, dem öffnet Maja das Herz.“ Anders erging es Hauke. Beruflich sei er lange „draußen gewesen“. Arbeitssuchend war er, und mit 50 Jahren als Handwerker schien es nicht einfach. Er sei beharrlich geblieben beim Klinken putzen, das habe sich ausgezahlt. Er fand einen Arbeitgeber, der ihm eine Chance gab. In der Zwischenzeit habe ihm die Selbsthilfegruppe „Leuchtturm“ geholfen. Dort hieß man ihn willkommen und habe ihm den Rücken gestärkt. „Ich habe niemanden mehr die Tür aufgemacht, wenn es mir schlecht ging“, berichtete eine andere Patientin. Irgendwann aber sei es nicht mehr gegangen. Vor Verzweiflung habe sie dem „rettenden Engel“ geöffnet und das war höchste Zeit, um endlich von der Alkoholsucht loszukommen.

„Nicht willkommen zu sein, nicht hineingelassen zu werden, das schmerzt. Diese Erfahrung mussten selbst Maria und Josef machen. Sie fanden keinen Platz in der Herberge“, so Pastor Schuchardt in seiner Predigt. Es sei wichtig, niemand auszugrenzen, ob es Geflüchtete seien oder Menschen, die mit sich und ihren Süchten Probleme hätten. Jesus habe das vorgelebt und es ausgesprochen: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“

Bei einem Imbiss kamen viele Besucher mit Betroffenen ins Gespräch. Organisiert hatten das Freiwillige aus den Selbsthilfegruppen „Fortuna“ und „Leuchtturm“. Diese seien, so erläuterte Christiansen, für die Patienten von unverzichtbarem Wert. Dort finden Betroffene während und nach der Therapie sowie auch Familienangehörige eine Willkommenskultur. Niemand werde allein gelassen und alles werde diskret behandelt. „Das habe ich gerade in diesem Jahr erfahren“, bestätigte eine Patientin. Nach zwölf Jahren trockensein, sei sie im Sommer „abgestürzt“ und das gleich zweimal. Nun sei sie wieder auf dem richtigen Weg. Es sei kurz vor Zwölf gewesen, habe ihr der behandelnde Arzt gesagt. Daher freue sie sich nun, wieder halt gefunden zu haben.

Info: Selbsthilfegruppe „Leuchtturm“, Treffen jeweils freitags von 19 bis 21 Uhr, in der Diako NF in Breklum-Riddorf (Gebäude 4), Telefon 04671/927792 (Hauke Berkenkamp), oder Selbsthilfegruppe „Fortuna“, offen für alle Süchte, jeweils montags ab 20 Uhr im Gemeindehaus Struckum, Telefon 04672/328 (Ingmar Watter).

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