Streit um Klinikum Nordfriesland : Geschäftsführer: Keine Verunsicherung schüren

Der Eingang zum Klinikum in Husum.
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Der Eingang zum Klinikum in Husum.

Der Kreistag berät heute (24. März) über den Bürgerentscheid zur künftigen Struktur des Klinikums Nordfriesland. Derweil muss sich die Bürgerbegehrens-Initiative zur medizinischen Grundversorgung Kritik gefallen lassen.

shz.de von
24. März 2017, 07:30 Uhr

„Unser Konzept sieht den Erhalt des Standortes Niebüll vor. Es gibt keine Abwicklung in Raten. Man darf sich von solchen Behauptungen nicht verunsichern lassen.“ Das bekräftigen die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD, Grünen, WG-NF, FDP und SSW in einer gemeinsamen Erklärung, in der sie die Initiative „Zukunft. Grundversorgung Nordfriesland“ hart angehen. Deren Darstellungen zum Klinikum Nordfriesland seien „nachweislich falsch“, hier würden lediglich Ängste geschürt. Die Fraktions-Chefs weisen darauf hin, dass die überragende Mehrheit des Kreistages gemeinsam an der Modernisierung der Krankenhaus-Gesellschaft und der Sicherung der Gesundheitsversorgung arbeitete – und es sei „Substanz hinter dem, was wir machen“. Das Vorwig-Gutachten von 2015 sei dagegen überholt, der Kreistag in der Weiterentwicklung des Klinikums längst weiter: „Das Vorwig-Gutachten taugt daher nicht mehr als Schreckensgemälde zur Täuschung der Öffentlichkeit.“ „Wir haben fraktionsübergreifend ein Konzept zur Gesamtlösung zum Klinikum Nordfriesland vorgestellt“, betonen die sechs Fraktionen. Es umfasse mehr als die Standorte Niebüll und Husum und decke das gesamte Kreisgebiet ab. „Die Klinik auf Föhr steht nicht zur Disposition. Die sechs Fraktionen setzen sich klar für die Standorterhaltung in Wyk ein. Wer anderes behauptet, redet die Unwahrheit“, betonen die Fraktions-Chefs. Und klipp und klar: „Auch Niebüll steht für uns nicht zur Diskussion.“

Initiative droht mit rechtlichen Schritten



Die Initiatoren des Bürgerbegehrens „Zukunft. Grundversorgung Nordfriesland“, Lasse Lorenzen, Markus Herpich und Lars Schmidt, haben in einer E-Mail an alle Abgeordneten des Kreistages appelliert, einer gütlichen Lösung zuzustimmen. So solle der Kreistag nicht nur seine eigene Fragestellung für den Bürgerentscheid auf den Weg bringen, sondern gleichwertig auch die aktuelle Version der Initiative. „Dann haben wir alle am Abend des 7. Mai Gewissheit darüber, was die Menschen wirklich wollen.“ Als zweite Variante schlagen sie vor, mit dem Bürgerentscheid des Kreistages zu warten, bis ausreichend Unterschriften für das Bürgerbegehren gesammelt sind und dessen Zulässigkeit geprüft ist. Die drei Insulaner betonen, „dass wir nicht generell gegen die vom Kreistag geplanten Investitionen in die Standorte Husum und Niebüll sind, aber zusätzlich eben auch die von uns geforderten Ergänzungen des Leistungsangebots wünschen“. Aber auch: „Sollte es nicht zu einer gemeinsamen Abstimmung beider Fragestellungen am selben Tag kommen, sind wir gezwungen, alle Punkte zur Wahrung der Interessen der Bürgerinnen und Bürger von Nordfriesland gerichtlich überprüfen zu lassen.“

„Das Klinikum steht zu seinem Niebüller Standort“



„Die von der Initiative Zukunft. Grundversorgung Nordfriesland immer wieder angeheizte Diskussion um das Klinikum Nordfriesland kann nicht länger unkommentiert bleiben. Sie bedarf der Korrektur und einer Mäßigung in den Aussagen.“ So kommentiert Klinikums-Geschäftsführer Christian von der Becke die jüngsten Äußerungen der Initiative. Dabei sei der wichtigste Punkt, keine weitere Verunsicherung über die Zukunft des Standortes Niebüll zu schüren. „Alle derzeitigen Planungen und Entscheidungen der Gremien des Klinikums und des Kreises gehen auf dem Festland von zwei Standorten aus: Husum und Niebüll“, so von der Becke.

Zuletzt sei die chirurgische Abteilung der Klinik Niebüll durch zwei sehr erfahrene und sehr versierte Ärzte personell verstärkt worden. Derzeit suche das Klinikum einen weiteren Facharzt für die Abteilung, um das Operations-Spektrum ausbauen zu können. Ebenso seien Umbauten geplant, darunter die vollständige Modernisierung des OP-Bereiches.

„Das Klinikum NF steht eindeutig zu seinem Niebüller Standort“, stellt von der Becke unmissverständlich klar. Alle Gespräche mit der Landesregierung, den Kassen und mit dem Amt Südtondern würden unter dieser Prämisse geführt.

Als „olle Kamelle“ bezeichnet der Klinikums-Geschäftsführer die von den Initiatoren zitierten Vorschläge des sogenannten Vorwig-Gutachtens. „Dieses Papier aus 2015 ist danach um ein sehr umfangreiches Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO ergänzt und zum Teil revidiert worden.“ Alle Entscheidungen würden entgegen der Darstellung der Initiative „selbstverständlich auf gesicherten Zahlen, seriösen und nachvollziehbaren Daten und Fakten gefällt. Nur so können wir zu vernünftigen Entscheidungen für die Zukunft kommen.“ Auch im Hinblick auf den Sicherstellungszuschlag seien die Initiatoren nicht auf der Höhe der Zeit: Denn die vom Bundesgesundheitsministerium beauftragten Gremien hätten inzwischen Regelungen für die Gewährung der Zuschläge erlassen. „Nach den dort fixierten Kriterien können sowohl die Klinik Niebüll als auch die Inselklinik Föhr-Amrum Sicherstellungszuschläge erhalten“, ist sich der Geschäftsführer sicher. Derzeit seien nur noch Detailfragen und Formalien zu klären.

Grundsätzlich äußert von der Becke Verständnis für Sorgen in der Bevölkerung, wenn es um die Ausdünnung der Infrastruktur in ländlichen Räumen gehe. „Allerdings müssen sich die drei Initiatoren des Bürgerbegehrens fragen lassen, welchen Zweck sie verfolgen, wenn sie mit sachlich falschen oder veralteten Informationen und mit unrealistischen Wunschvorstellungen öffentlich agieren“, so von der Becke. Die geschürte Verunsicherung helfe weder dem Klinikum noch der medizinischen Grundversorgung in der Region. Im Gegenteil: Vorbehalte mit Blick auf die Entwicklung in NF könnten besonders bei der Einhaltung von Verfahren, die Fristen unterliegen – wie die Beantragung von Geldern aus dem Strukturfonds –, fatale Folgen haben.

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