Schwabstedter ZimmerChor : Geprobt wird im Wohnzimmer

17 Jahre nach Gründung probt der Zimmerchor immer noch bei Wolfgang Veigel (hi. r.) und Ehefrau Hanne (hi. 3.v.l.). Auch Anneliese Telm (vorne l.) ist seit der ersten Stunde mit von der Partie.
17 Jahre nach Gründung probt der Zimmerchor immer noch bei Wolfgang Veigel (hi. r.) und Ehefrau Hanne (hi. 3.v.l.). Auch Anneliese Telm (vorne l.) ist seit der ersten Stunde mit von der Partie.

Am 17. Juni gibt der Zimmerchor Schwabstedt in Friedrichstadt ein Konzert.

shz.de von
12. Juni 2018, 09:00 Uhr

Seit mittlerweile 17 Jahren füllt sich das Wohnzimmer der Familie Veigel an jedem Dienstagabend Punkt 20 Uhr mit mehr als 20 gut gelaunten Menschen. Nach einer kurzen, aber herzlichen Begrüßung nehmen die Frauen und Männer im Halbkreis Aufstellung und beginnen fröhlich zu singen. Unter Anleitung von Lena Wulff, einer jungen, engagierten Musikpädagogin, schmettern sie vornehmlich heitere und freche Weisen, aber auch ernste Kompositionen, Werke alter und neuer Meister, internationale Musik aus mehreren Jahrhunderten, Gospels, Hits und Evergreens. Gerade proben sie das „Hallelujah“ von Leonhard Cohen, denn das soll am Sonntag (17.), 17 Uhr, in der Ehemaligen Synagoge in Friedrichstadt erklingen, in einem gemeinsamen Konzert mit dem befreundeten Gospelchor aus Nordhackstedt. Bei der Gelegenheit werden auch Lieder von Annett Louisan, Coldplay oder Ray Charles zu hören sein. Der Eintritt ist frei und alle Musikfreunde sind willkommen.

Doch so sehr sich die Akteure jetzt auch auf dieses Konzert freuen – öffentliche Auftritte sind nicht das vorrangige Ziel des Zimmerchores. „Wir singen in erster Linie aus Spaß an der Freude“, sagen Wolfgang und Hanne Veigel, die ebenso wie Anneliese Telm und Monika Baum zu den Gründungsmitgliedern zählen. Ihre Mitstreiter kommen aus Husum, Bohmstedt, Nordstrand, Ostenfeld, Winnert oder Wohlde, zum Teil also von recht weit her. „Wir verstehen uns daher auch als Regionalchor“, sagt Hanne Veigel und erzählt, wie sehr sie sich immer darüber freut, wenn nach den Proben der eine oder andere noch ein wenig zum Klönschnack bleibt.

Neuzugänge sind jederzeit herzlich willkommen. „Wir sind in den verschiedensten Berufen tätig und haben eine sehr gemischte Altersstruktur. Die jüngsten sind so um die 30, die ältesten jenseits der 70“, sagt Wolfgang Veigel. Insgeheim hofft er auf Neuzugänge vor allem in den Stimmlagen Tenor und Bass, denn Männer sind im Chor eher unterrepräsentiert. So war es auch, als einige noch dem Männergesangsverein zu Schwabstedt angehörten. Als dort Ende 2000 die Frauen deutlich in der Überzahl waren, kamen Überlegungen auf, den Vereinsnamen anzupassen, die Chorstrukturen zu verändern und eingetragener Verein zu werden. Doch das stieß bei einigen „Altvorderen“ auf wenig Gegenliebe. Deshalb löste sich schließlich eine kleine Gruppe Reformwilliger aus dem Verbund und traf sich erstmals am 13. Januar 2001 zum Singen bei den Veigels, Am Mühlenberg 7, in Schwabstedt. „Mit Kindern waren wir aus dem Stehgreif zwölf Personen“, erinnert sich der Hausherr, dessen gute Stube dann auch für den Namen Pate stand: Zimmerchor Schwabstedt (in akustischer Anlehnung an den Begriff Kammerchor).

Da der Chor schnell wuchs und zeitweise mehr als 40 Mitglieder hatte, dachte man kurzzeitig mal darüber nach, sich nach anderen Räumlichkeiten umzuschauen – doch es blieb alles beim Alten. Bis heute kommt der Zimmerchor ohne Satzung und Vorstand aus und ist – da die ungezügelte Freude am Singen im Mittelpunkt steht – auch in seiner Literatur ungebunden. Veigel formuliert es so: „Wir sind ein Team mit guter sozialer Bindung untereinander, und wer zum Übungsabend müde von der Tagesarbeit kommt, geht froh gelaunt mit aufgeladenem Akku wieder nach Hause.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen