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Schwerverletzter in Nordfriesland : Geplanter Auftragsmord in Rantrum: Prozess muss neu beginnen

vom

Ein Mann wird niedergeschossen, überlebt schwer verletzt. Er soll Opfer eines Mordkomplotts sein, geschmiedet von seiner Frau und zwei Männern.

shz.de von
erstellt am 19.Jun.2015 | 10:55 Uhr

Flensburg | Der Prozess um einen geplanten Auftragsmord in Rantrum in Nordfriesland muss wieder von vorne beginnen. Ein Richter sei erkrankt, sagte eine Sprecherin des Landgerichts Flensburg am Freitag. Wann der Prozess neu eröffnet werden kann, steht noch nicht fest.

Zwei Männer im Alter von 25 und 36 Jahren hatten vor dem Landgericht Flensburg Ende Mai gestanden, an dem geplanten Auftragsmord beteiligt gewesen zu sein. Initiatorin der Tat sei aber die mitangeklagte Ehefrau des Opfers gewesen, hieß es in Erklärungen, die die Anwälte der beiden Männer verlasen. Die 43 Jahre alte Frau schwieg zu Prozessbeginn. Das Opfer des Mordkomplotts überlebte schwer verletzt.

Die Frau habe ihren Mann töten lassen wollen, um an dessen Vermögen zu gelangen, sagte der Staatsanwalt. Sie habe mit einem der Mitangeklagten ein Verhältnis gehabt und mit diesem zusammenleben wollen. Eine Trennung von ihrem Mann sei für die Angeklagte keine Option gewesen, sie habe befürchtet, im Fall einer Scheidung leer auszugehen. Der mitangeklagte 36 Jahre alte mutmaßliche Geliebte soll unter anderem die Tatwaffe besorgt und den 25 Jahre alten Schützen angeheuert haben. Diesem sollen 30.000 Euro für den Mord versprochen worden sein.

Der 25-jährige Angeklagte gab in seiner Erklärung zu, die Schüsse abgefeuert zu haben. Er habe im Sommer mehrere Anrufe des 36-Jährigen erhalten. Zunächst habe dieser gefragt, ob er Geld verdienen wolle. Später kam der Auftrag, er solle den tyrannischen Mann einer Frau umbringen. Da er unter chronischem Geldmangel litt, habe er zugesagt. Die Frau habe er nie kennengelernt.

Am Tattag habe er zunächst fliehen wollen, als eine Zeugin ihn vor dem Haus ansprach. Den Rat, die Tat abzubrechen, habe er telefonisch auch von dem 36-Jährigen erhalten. Dann sei aber das Auto des Maklers vorgefahren und er habe gedacht „jetzt oder nie“. Er habe ans Geld gedacht.

Er schäme sich sehr für seine Tat und sei froh, dass der Angeschossene überlebt habe. „Ich möchte mich ausdrücklich entschuldigen.“ Der 36 Jahre alte Mittelsmann gab zu, für die Frau die Waffe besorgt und den Schützen angeheuert zu haben. Geplant und initiiert habe aber sie allein die Tat. „Ich habe kein eigenes Interesse an seiner Beseitigung.“

Er bestritt, ein Verhältnis mit der Frau gehabt zu haben. Er habe das Ehepaar 2012 kennengelernt. Die Frau habe unter der Gewalttätigkeit ihre Mannes gelitten, sich ihm öfter anvertraut. „Mir ist bewusst, dass er das Opfer ist.“ Aber seine Gewalt und Verachtung gegenüber seiner Frau waren Ausgangspunkte für die Tat.

Er habe sich auf ihr Bitten umgehört, ob es jemanden gebe, der die Tat ausführen wolle. Er habe auch die Waffe besorgt. Der Tatplan und der Zeitpunkt seien aber von der Angeklagten bestimmt worden. Am Tattag habe er dem aufgeregten Schützen am Telefon gesagt, er solle abhauen und die Tat abblasen. Er bedauere die Geschehnisse zutiefst.

shz.de blickt auf die Ereignisse zurück:

18. September 2014: Die Bluttat

Die Spurensicherung am Tatort in Rantrum.
Die Spurensicherung am Tatort in Rantrum. Foto: hjm

 

In den späten Nachmittagsstunden wird der bekannte Husumer Immobilienmakler in der Karl-Pohns-Straße in Rantrum (Kreis Nordfriesland) durch mehrere Schüsse lebensgefährlich verletzt. Das damals 58 Jahre alte Opfer war am 18. September nach Rantrum zu einem Besichtigungstermin in ein zum Verkauf stehendes Haus gelockt worden. Der 25-Jährige habe sich als Kaufinteressent ausgegeben und sei mit dem Makler ins Haus gegangen, sagte der Staatsanwalt.

Als dieser sich auf einer Treppe befand, habe der Angeklagte einen Revolver gezogen und fünf Schüsse auf den 58-Jährigen abgegeben. Er traf ihn zweimal in den Rücken.

Anschließend habe der Angeklagte das Haus fluchtartig verlassen und den Tod seines Opfers zumindest in Kauf genommen. Der 25-Jährige flüchtete auf einem Motorrad.

Die zwei herbeigerufenen Notärzte versuchen nach Angaben von Nachbarn über längere Zeit, den Mann zu reanimieren. Schließlich wurde er mit lebensgefährlichen Stichverletzungen mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert. Der 58-Jährige wurde notoperiert. Er überlebt, hat aber keine Erinnerung an die Tat.

Anfänglich bekommt die Nachbarschaft nichts von der Bluttat mit, sie hält den Rettungseinsatz wohl für einen „normalen“ Kranken-Einsatz. Erst als nach und nach Polizeifahrzeuge eintreffen und die Spurensicherung mit ihren hellen Schutzanzügen ihre Arbeit aufnimmt, wird vielen Anliegern bewusst, dass sich in dem Haus ein Verbrechen ereignet haben muss.

 

20. September 2014: Die Polizei sucht den Motorradfahrer

 

Entsetzen herrscht über die Tat in der Gemeinde Rantrum. Zum Tatmotiv gibt es noch keinerlei Hinweise. Laut Polizeiangaben ist jedes Motiv möglich, von Eifersucht bis hin zu Geldangelegenheiten. Allerdings hat die Polizei mittlerweile einige Details zum Täter ermitteln können.

Anfang Dezember 2014: Die Festnahmen

Der 25 Jahre alte Tatverdächtige wird am 2. Dezember festgenommen. Ein weiterer Mann, der den Schützen angeworben haben soll, wird drei Tage später geschnappt. Am 6. Dezember wird auch die Ehefrau verhaftet. Die Fahnder greifen sie nach einem Besuch in Bulgarien am Hamburger Flughafen auf.

17. Dezember 2014 : Die Ehefrau gesteht

Endlich ist klar: Hinter den beinahe tödlichen Schüssen auf einen Immobilienmakler steckt ein versuchter Mord im Auftrag der Ehefrau des Opfers. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft bekannt. Die Ehefrau, der Todesschütze und ein der Anstiftung mitverdächtiger Mittelsmann sitzen in U-Haft. Die Ehefrau und der mutmaßliche Schütze haben den Angaben zufolge Geständnisse abgelegt.

Den Haupttäter hat die 43-jährige Ehefrau des Maklers offenbar über einen in Bremen lebenden 36 Jahre alten Mittelsmann gefunden. 30.000 Euro versprach die Auftraggeberin dem Schützen laut Staatsanwaltschaft für einen Mord.

Das Motiv der Ehefrau liege nach bisherigen Erkenntnissen in ihrer unglücklichen Ehe. „Vermutlich hatte sie die Befürchtung, im Falle einer Scheidung leer auszugehen“, sagt Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt. Auch häusliche Gewalt soll es gegeben haben - der Ehemann, der zum Tatzeitpunkt mit der 43-Jährigen in Husum wohnte, bestreite dies allerdings. Bei der Frau habe sich dann „der Entschluss gebildet, ihren Ehemann loszuwerden“.

Auf die Schliche kam eine achtköpfige, extra für diesen Fall eingerichtete Mordkommission dem Schützen durch digitale Spuren: Der 25-Jährige war in dem Rantrumer Wohngebiet von einer Videokamera aufgezeichnet worden. Zudem hatte er von dort vor der Tat mehrere Telefonate mit seinem Handy geführt. In diesen und später entstandenen Verbindungsdaten sieht der Flensburger Staatsanwalt Axel Schmidt den Schlüssel zum Fahndungserfolg. Die Polizei stimmt zu: „Ich habe kein anderes Verfahren in Erinnerung, wo so intensiv Telekommunikationsdaten ausgewertet wurden“, sagte damals Michael Raasch, Leiter der Kriminalpolizei Husum.

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