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Ab 5 Uhr ist die Nacht vorbei : Genervt vom Lärm der Laster

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Anwohner der Straße Maas in Husum leiden unter dem starken Lkw-Verkehr am Schlachthof. Schon frühmorgens dröhnen die Motoren. Die Fahrer würden sich nicht an die behördlichen Auflagen halten, klagen die Betroffenen.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2014 | 16:00 Uhr

André Edler ist sauer – richtig sauer: „Der Lkw-Zulieferverkehr zum Schlachthof in der schmalen Sackgasse Maas hat Ausmaße erreicht, die wir uns nicht vorstellen konnten!“ 2007 seien seine Frau und er ins neue Einfamilienhaus gezogen, und ein Jahr später, als der Betrieb von Danish Crown erweitert wurde, habe der Ärger begonnen. Seitdem gebe es immer neue Auseinandersetzungen mit dem benachbarten Unternehmen.

Edlers besitzen das Grundstück, das gegenüber der Einfahrt zum Schlachthof liegt. „Mindestens 140 Laster fahren täglich vor unserem Haus auf das Gelände. Das ist eine Lärmbelästigung, die das Erträgliche weit übersteigt. Und im Einfahrtsbereich der Straße ist es auch schon zu einem schweren Unfall gekommen“, berichtet er. „Die Fahrer kurven ohne Rücksicht auf das Tempo-30-Schild durch die enge Sackgasse bis zum Einfahrtsbereich des Betriebes. Wir haben sogar schon ,30 km/h‘ in riesiger Schrift auf die Straße gemalt – gebracht hat es nichts.“ Am schlimmsten seien die frühen Anfahrtszeiten: „Das sitzt uns richtig in den Knochen.“ Die Lastwagen stünden nämlich häufig schon um 5 Uhr morgens mit laufendem Motor vor der Einfahrt von Danish Crown.

Das Landesamt für Landwirtschaft und ländliche Räume (LLUR) in Flensburg habe dem Schlachthof zwar zur Auflage gemacht, den Ladeverkehr auf die Zeit zwischen 6 und 22 Uhr zu beschränken, und in der morgendlichen Ruhezeit von 6 bis 7 Uhr dürften auch nur fünf Lkw in das Firmengelände hinein- und drei hinausfahren. „Doch gegen die Auflagen wird regelmäßig verstoßen“, klagt Edler. „Dazu kommt noch, dass zwei Reisebusse um kurz nach 5 Uhr die südosteuropäischen Mitarbeiter zum Schlachthof bringen.“

Irgendwann hat es dem Techniker dann gereicht: Er installierte eine Kamera an seinem Haus, mit der er die Fahrzeugbewegungen samt Uhrzeit dokumentieren konnte, und übersandte die Ergebnisse der Flensburger Behörde. Der dortige Sachbearbeiter teilte ihm daraufhin lapidar mit, dass seine Beschwerde eingegangen sei, der Schlachthof jedoch die gemeldeten Lkw-Bewegungen nicht nachvollziehen beziehungsweise bestätigen könne. Zumindest versprach er: „Wir werden die angeführten Zahlen stichpunktartig kontrollieren.“

Alle Versuche der Anwohner, sich mit der Geschäftsleitung gütlich zu einigen, seien fehlgeschlagen, sagt Edler resigniert und zählt weitere Ärgernisse auf. So säßen die meist vor dem Grundstück auf den Bus wartenden Mitarbeiter des Schlachthofes oft auf den Steinen vor dem Zaun und rauchten, wobei Kippen nebst Zigarettenschachteln und anderem Abfall im Garten der Edlers landen würde. „Nachdem mein Mann die Schlachthof-Mitarbeiter bereits direkt angesprochen hatte, habe ich noch bei der Betriebsleitung von Danish Crown angerufen“, sagt Bettina Edler. „Dort hat man mich aber nur kurz und unhöflich abgefertigt.“

Den Vorgaben des Bundes-Immissionsschutzgesetzes folgend hat Danish Crown vor geraumer Zeit ein Lärmschutzgutachten erstellen lassen. Das hätte keine Überschreitung der zulässigen Lärm-Richtwerte ergeben, teilte das LLUR in Flensburg den Edlers im vergangenen Monat mit. Eine Zusendung des Gutachtens verwehrte die Behörde jedoch mit der Begründung, dass die Firma Danish Crown nicht möchte, dass die Untersuchung weitergeleitet würde. Es könne jedoch jederzeit ein Termin zur Einsichtnahme der Unterlagen in Flensburg vereinbart werden.

Und in derselben E-Mail kündigte das LLUR Edler zu dessen Entsetzen an, dass das Unternehmen die Aufhebung der Auflagen anstrebe und – um die „Arbeitsabläufe optimieren“ zu können – eine Verschiebung der Nachtruhezeit von 22 bis 6 Uhr auf den Zeitraum 21 bis 5 Uhr beantrage. In dieser Zeit würden nach Aussagen der Pressestelle des Landesamtes in Flintbek, das der Dienststelle in Flensburg vorgesetzt ist, zwei Laster mehr einfahren. Zum Verfahren der Lärmmessung erklärte LLUR-Pressesprecher Martin Schmidt auf Anfrage, dass bei Beschwerden zuerst eine „orientierende Messung“ vorgenommen würde. „Erst danach erstellt eine Firma das Lärmschutzgutachten nach den derzeitigen Messvorschriften.“ Bei diesen Gutachten werde immer der für den Betroffenen ungünstigste Zustand der Messung zu Grunde gelegt. So müsse beispielsweise Wind auf dem Objekt stehen, um Störungen realistisch abzubilden. „Die sich ergebenden Werte werden dann über einen festgesetzten Zeitraum gemittelt“, erklärt er. Dabei gebe es keine Gefälligkeitsgutachten. „Büros, die solche Gutachten erstellen, würde rasch die Zertifizierung entzogen.“

„Ich will den Schlachthof ja gar nicht ganz von hier weghaben“, sagt André Edler. Aber: „Könnte ein Konzern, der Millionenumsätze macht, nicht über die Verlegung der Zu- und Abfahrt des Betriebshofes zur Schobüller Straße hin nachdenken und den Betroffenen vor Ort damit entgegenkommen?“

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