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Besuch aus dem Ministerium : Gemeinschaftsschule Bredstedt: „Beispielhaft in Schleswig-Holstein“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Landeskoordinatorin für das Handlungskonzept Schule und Arbeitswelt besuchte die Flex-Klasse der Bredstedter Gemeinschaftsschule – und zeigte sich begeistert vom Konzept des offenen Unterrichts.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Konzentriert sitzt Hauke vor seinem Mathematikheft und rechnet kombinierte Flächen durch. Von einem Rechteck sollen ein Kreis und ein Dreieck abgezogen werden. Neben ihm sitzt sein Mitschüler Finn – der sich in seinem Deutschheft mit Haupt- und Nebensätzen auseinandersetzt. Die beiden besuchen zwar dieselbe Klasse, arbeiten aber gerade an unterschiedlichen Themen. Sie selbst entscheiden, wann und was sie lernen – und legen auch selbst die Termine für ihre Prüfungen. Herkömmlichen Unterricht gibt es in der Flex-Klasse der Bredstedter Gemeinschaftsschule nicht. „Wir führen unsere Klasse wie ein Unternehmen“, sagt Förderschul-Lehrer Henning Tiedemann. „Der Fokus liegt auf der Selbstständigkeit.“ Zusammen mit der Gemeinschaftsschul-Lehrerin Stephanie Spies betreut er die 24 Jugendlichen im offenen Unterricht.

Als Flex-Klasse wird die flexible Ausgangsphase an der Bredstedter Gemeinschaftsschule bezeichnet. Lernschwächere Gemeinschafts- und leistungsstarke Förderschüler können dort für den ersten Allgemeinbildenden Abschluss die Klassenstufen acht und neun auf drei Jahre ausdehnen. Schwerpunkt des Konzeptes ist ein umfangreicher Praxisbezug – rund 100 Tage innerhalb der drei Jahre machen die Schüler Praktika in Betrieben.

Unterstützt werden sie dabei von der Bildungs- und Arbeitswerkstatt Südtondern (BAW) aus Niebüll. Jeden Tag kommt der Bildungscoach Jan Andresen nach Bredstedt, um die Schüler bei ihrer Suche nach Praktikumsplätzen zu unterstützen und die berufliche Orientierung zu fördern.

Auch in Husum, Niebüll und Leck gibt es zwar Flex-Klassen – aber „in dieser Form gibt es das in ganz Schleswig-Holstein nicht“, ist sich Hauke Brückner, Geschäftsführer der BAG, sicher. Nur in Bredstedt wird bislang mit der Methode des offenen Unterrichts gearbeitet. Auch Martina Fey, Landeskoordinatorin für das Handlungskonzept Schule und Arbeitswelt im Bildungsministerium, stimmt Brückner zu: „Dieser Standort ist beispielhaft in Schleswig-Holstein.“

Erst in den Sommerferien waren die Schüler aus ihren ehemaligen Räumen im Gebäude der Grundschule an die Süderstraße gezogen. Sie haben die Klassenräume selbst gestrichen und eingerichtet. Drei Klassenzimmer, eine Küchenecke und ein Werkraum stehen ihnen nun in einem Trakt der ehemaligen Hauke-Haien-Schule zur Verfügung, zusätzlich haben Tiedemann und Spies dort ein Büro. „Das war uns wichtig“, sagt der Förderschul-Lehrer Tiedemann. „Da wir nur zwei Lehrer sind und drei Klassenräume haben, stehen die Schüler nicht unter ständiger Beobachtung.“ Gearbeitet wird von 7.30 bis 12.30 Uhr, zwischendurch gibt es – wie in anderen Unternehmen auch – eine Mittagspause. Für den Besuch aus dem Ministerium haben Schüler einen Kuchen gebacken.

„Die Stadt Bredstedt hat die Flex-Klasse von Beginn an sehr gefördert und erkannt, wie wichtig sie ist“, sagt Schulleiterin Carmen Alsen. Das Projekt selbst wird durch das Handlungskonzept Plus der Landesregierung gefördert, das die Ausbildungs- und Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen sowie den direkten Übergangs von der Schule in den Beruf fördern will. Bis Ende Juli 2020 stehen dafür rund 40 Millionen Euro in Schleswig-Holstein zur Verfügung.

In Bredstedt gibt es die Flex-Klasse seit 2005. Fast alle der Schüler schaffen dort inzwischen ihren Abschluss und auch die Quote derer, die anschließend einen Ausbildungsplatz finden, ist groß. Und durch die individuelle Betreuung bleibt der Kontakt auch danach noch lange erhalten. Eine ehemalige Schülerin habe nach der Flex-Klasse noch den Realschulabschluss und das Abitur nachgeholt, erzählt Tiedemann. „Und selbst dann ist sie noch zu uns gekommen und hat nach Hilfestellung für ihre Bewerbungen gebeten.“ Und Martina Fey ist sich sicher, warum das so ist: „Die Schüler fühlen sich hier ernst genommen.“

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