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Kinder mit Star-Koch am herd : Gemeinschaftserlebnis und Kommunikation pur

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Am Rande der Einweihung der neuen Küche in der Husumer Klaus-Groth-Schule sprach Star-Koch Tim Mälzer über ausgewogene Ernährung, Fast Food und sein persönliches Verhältnis zum Essen.

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erstellt am 12.Dez.2013 | 07:00 Uhr

Tim Mälzer kam selbst, um die neue Schulküche der Husumer Klaus-Groth-Schule einzuweihen. Diese hatte die Grundschule beim Wettbewerb „Klasse, Kochen!“, einer Initiative des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz in Zusammenarbeit mit Mälzer, der Bertelsmann-Stiftung und dem Küchenhersteller Nolte, gewonnen. Doch Mälzer kam nicht nur, er kochte mit den Schülern. Und im Interview sprach er über ausgewogene Ernährung, Fast Food und seine persönliche Beziehung zum Essen.

Herr Mälzer, was gibt es heute Mittag zu essen?

Wir machen selbst gemachte Chicken-Nuggets aus selbst ausgelösten Hühnerschlegeln mit einer fantastischen Panade und einem selbst gemachten Mango-Ketchup, den ich hier gerade abfülle. Dann gibt es eine Spaghetti Bolognese, mein Lieblings-Kinder-Essen, überhaupt mein Lieblingsessen – in vegetarischer Variante.

Prominente sind als Sympathie- und Werbeträger für alle möglichen Aktionen unterwegs. Was hat Sie bewogen, sich gerade für „Klasse, Kochen!“ zu engagieren?

Viele Leute beschweren sich, dass Kinder und Jugendliche sich angeblich so ungesund ernähren und keine Ahnung von gutem Essen mehr haben. Viele sollen eine Zucchini ja nicht mehr von einer Gurke unterscheiden können. Da habe ich mir gedacht: Wenn wir etwas verändern wollen, dann müssen wir Unterrichtsräume schaffen, wo wir das auch vermitteln können. Die Familie, wie wir sie noch kannten, gibt es ja heute oft so nicht mehr in der Form. Deshalb nur rumzujammern, hilft nicht. Stattdessen sollte man lieber versuchen, etwas zu verändern. Da Geld, gerade im Bildungswesen, ja immer das größte Problem ist, habe ich mich bereit erklärt, mit meinen Partnern Schulräume zu Küchen auszubauen, damit Kochen in Schulen überhaupt stattfinden kann.

Es gibt sprachliche und musikalische Früherziehung. Wäre so etwas auch beim Thema Ernährung wünschenswert?

Mein Restaurant wurde einmal zum Kinder-unfreundlichsten Hamburgs gewählt, weil ich mich weigere, Kinderkarten anzubieten. Ich will kein Mickey-Maus-Schnitzel oder Pumuckl-Salami oder so etwas auf der Karte. Aus meiner Küche sollen Kinder ganz normales Essen erhalten. Sie können sogar reinkommen und selbst entscheiden, worauf sie Lust haben. In den mediterranen Ländern ist die Bereitschaft, sich anderen Genüssen aufzutun, wesentlich größer. Grund ist das größere Angebot. Das hat was mit Früherziehung zu tun. Erziehung klingt aber immer so von oben herab. Ich sag’ mir einfach, biete Alternativen an, und dann wird man schon feststellen, dass die Bereitschaft wächst, diese Alternativen auch anzunehmen.

Ihre Kollegin Sarah Wiener hat mächtig Kritik einstecken müssen, weil sie beim Kochen mit Kindern nicht nur wohl portionierte Fleischstücke in die Pfanne getan, sondern die Kinder beim Häuten eines Kaninchens hat helfen lassen. Wie stehen Sie dazu?

Na, generell sollte das schon gehen. Klar, ich habe auch manchmal Gäste, die ihr Hühnchen so haben wollen, dass es nicht mehr wie ein Huhn aussieht. Aber da wird es dann irgendwann pervers. Ob man jetzt Kaninchen unbedingt häuten muss, weiß ich nicht . . . Andererseits ist das nun mal der Verlauf der Nahrungskette. Diese Information gehört mit dazu, und ich glaube, dass Kinder da sehr viel entspannter mit umgehen, als wir denken.

Nur wenn es als Schock-Element eingesetzt würde – das fände ich doof, aber als Teil der Esskultur, absolut in Ordnung.

Wird nicht immer mehr Fast-Food gegessen, obwohl Kochsendungen etwas anderes propagieren?

Na ja, das liegt daran, dass wir noch nicht so weit sind. Tendenziell ist es so, dass in privaten Haushalten einfach ein anderes Zeitmanagement herrscht als vor 20 Jahren. Freizeit ist wichtiger geworden, es gibt da auch erheblich mehr Möglichkeiten. Wir denken globaler, sind anders vernetzt, anders informiert, und dadurch hat sich natürlich alles ein bisschen verschoben. Heutzutage kannst Du um 17 Uhr an einem Sonntag eigentlich fast überall in der Republik alles bekommen, was du willst. Wenn du früher um 12 Uhr am Sonnabend deine Einkäufe nicht erledigt hattest, dann war’s das. Der Rhythmus ist heute ein anderer.

Und es gibt weniger Freizeit. Dadurch nehmen sich viele nicht mehr die Zeit zum Kochen. Das ist wohl die Konsequenz aus der schnelleren Welt, in der wir leben. Da müssen wir noch für Alternativen sorgen, sodass die Leute trotz Zeitmangels anständig kochen können.

Welche Bedeutung hat Essen für Sie persönlich?

Ich finde es das beste Mittel, um Leute an einen Tisch zu bringen. Für mich ist es Kommunikation pur, die gemeinsame Mahlzeit, das gemeinsame Zubereiten, das gemeinsame Sitzen. Das sind für mich eigentlich die ausschlaggebenden Kriterien. Ich persönlich habe zudem noch eine Leidenschaft für Produkte. Aber wenn ich Leute dafür begeistern will, geht das wohl am besten über die Gemeinschaft.

 

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