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Kunst an Pellwormer Schule : Gemeinsames Erleben steht im Vordergrund

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Bildhauerin Chili M. Seitz war im Rahmen von „Kunst hoch Schule“ auf der Insel.

von
erstellt am 13.Jul.2017 | 06:00 Uhr

„Landart bedeutet, man muss flexibel sein“, sagt Ursel Bell-Van de Pol. Das gilt auch beim Wetter. Seit acht Uhr in der Frühe ist die Kunstlehrerin – zunächst bei dunklen Wolken und Regen, später bei herrlichem Sonnenschein – mit zehn Schülern der Jahrgänge drei und vier der Hermann-Neuton-Paulsen-Schule am Strand. Bei auflaufendem Wasser wollen sie noch rechtzeitig geeignete, natürliche Baumaterialien zusammenzutragen. Seetang, Muscheln, Holz, Reetgras, Steine – alles wird gebraucht. Hilfe bekommen sie von der Kieler Künstlerin Chili M. Seitz. Zwei Tage lang ist sie auf Pellworm zu Gast, um mit den Kindern und Jugendlichen zu gestalten.

Der besondere Unterricht unter dem Oberbegriff „Kunst hoch Schule“ wird vom Landesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur gefördert. Für das Projekt mussten sich die Pellwormer bei der Muthesius Kunsthochschule in Kiel bewerben, die ihrerseits den Kontakt zu Künstlern herstellte. Diese hatten sich zuvor mit ihren Workshop-Ideen in Kiel beworben. Eine Jury, bestehend aus dem Präsidium sowie Professorinnen und Professoren der Kunsthochschule, dem Vorsitz des BDK Landesverbands Schleswig-Holstein und der Landesfachberatung Kunst am IQSH, entscheidet, welche Workshops umgesetzt werden. Pellworm hatte Glück, erhielt den Zuschlag für den zweitägigen Workshop „Bits an Peaces“.

„Darüber freuen wir uns sehr“, bekennt Rektor Walter Herrig. Und darüber, dass seine Schüler am Wasser so aktiv mitarbeiten und ihren Spaß haben. „Die Kinder haben sich für Fische und einen Seestern entschieden“, berichtet Ursel Bell-Van de Pol. Chili Seitz dokumentiert den Prozess des Schaffens mit ihrer Kamera, denn alles, was hier in mühevoller Arbeit entsteht, ist vergänglich, bei der nächsten Flut schon wieder verschwunden.

Einen Tag zuvor haben die Pellwormer an ihrer Schule eine schmucklose, runde Betonplatte zwischen Bäumen freigelegt, mit Gräsern, verschiedenfarbigen Blättern – sie bilden einen beeindruckenden Kontrast – und Pflanzen, die sie in der Nähe fanden, verwandelt. „Es erinnert an eine Art Mandala, an eine große Tischdecke“, schwärmt Chili M. Seitz über das Ergebnis. Die gebürtige Süddeutsche lebt seit elf Jahren in Kiel, studierte Bildhauerei und Medienkunst und arbeitet nun freischaffend. Ihr aktuelles Projekt führt sie auf die Insel Sylt.

Inzwischen nimmt auf Pellworm das große Bild am Wasser Form an. Eine Welle aus Gräsern symbolisiert das Meer, darunter haben die Schüler aus Tang und Steinen zwei große Fische gestaltet, Muscheln bilden die Mäuler. Einer selbst gestalteten Qualle haben sie unter Anleitung der Künstlerin mit Sand so wie eine Dreidimensionalität gegeben. Blickfang auch der Seestern, dessen Arme aus unterschiedlichsten Materialien zusammengelegt sind. Eine aus dem Boden ragende rostige Eisen-Halterung wird mit Hilfe einer aus Gräsern geflochtenen Kette und viel Sand zum Anker umfunktioniert.

„Nils, steig mal auf einen Stein und guck Dir das Bild von oben an“, rät Ursel Bell-Van de Pol. „Wenn ihr von oben schaut, seht ihr die Dinge besser und wisst, was noch zu tun ist.“ Alle sind mit Begeisterung dabei. Die Kunstlehrerin: „Wichtig ist das gemeinsame Erlebnis. Die Kinder helfen einander, führen strategische Gespräche in Gruppen. Das bekommen manche Erwachsene nicht hin.“ Von den Erfolgserlebnissen des Workshops zehren alle gemeinsam, ist sie überzeugt und fügt begeistert hinzu: „Das hat Qualität, erweitert den Blickwinkel, und es hat eine nachhaltige Wirkung. Auch wir Erwachsene sehen die Kinder mit anderen Augen, andere Qualitäten kommen zum Vorschein. Hier bringen sich Kinder ein, die ansonsten eher unscheinbar sind.“

Für Chili M. Seitz war es der erste Aufenthalt auf der Insel. Auf die Frage, was sie von ihrem Aufenthalt auf Pellworm mitnimmt, antwortet sie später auf der Fähre mit einem Wort: „Ruhe.“

www.kunst-hoch-schule.de

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