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Husumer Nachrichten

22. Oktober 2017 | 23:26 Uhr

Fusionspläne : Gemeinsamer Weg in die Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vollerwiek und Welt denken über eine Zusammenlegung der beiden Gemeinden nach. Erste Reaktionen der Bürger sind tendenziell positiv.

Lediglich die Ortsschilder trennen die beiden Gemeinden voneinander. Auf der einen Seite der Straße gehören die Wohnhäuser zu Welt, und nur einen Kilometer weiter beginnt die mit fast 190 Einwohnern zählende Gemeinde Vollerwiek. „Bis auf die Politik arbeiten wir schon seit vielen Jahren gemeinsam“, so Dirk Lautenschläger, Bürgermeister von Welt auf der am Mittwochabend einberufenen Einwohnerversammlung im Kirchspielskrug. Zeitgleich kamen auch die Bewohner des Nachbarortes Vollerwiek in der Gaststätte „Op de Burg“ zusammen. Anlass war die Überlegung, beide Gemeinden zusammenzulegen.

Mögliche Gründe dafür gibt es viele. „Es wird immer schwieriger in der Gemeindevertretung Personen zu finden, die sich aufstellen lassen“, erklärte Vollerwieks Bürgermeister Volker Holdack. Es würden sich immer weniger Personen aus beruflichen oder familiären Gründen ehrenamtlich für eine Mitarbeit im Gemeinderat gewinnen lassen. „Auf dieses Problem werden wir bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr auf jeden Fall stoßen“, prognostizierte auch Lautenschläger. Derzeit seien beide Gemeinderäte mit jeweils neun Vertretern besetzt. Ein gemeinsamer Gemeinderat hätte zusammen neun Vertreter.

Insbesondere der Posten des Bürgermeisters sei schwierig zu besetzen, waren sich die Gemeinden einig. Dieser müsse etwa 80 Termine im Jahr wahrnehmen. Könne man den Bürgermeister nicht durch Vertreter entlasten, kam die Frage auf. „Bei repräsentativen Aufgaben kann ein Vertreter geschickt werden, auch bei bestimmten Projekten beispielsweise vom Bauausschuss. Die rechtliche Verantwortung für die Gemeinde trägt allerdings der Bürgermeister“, erklärte Herbert Lorenzen vom Amt. Dieser dürfe bei Amtsausschüssen nur bei beruflicher oder krankheitsbedingter Veränderung fehlen. Ein Vertreter habe ansonsten kein Stimmrecht.

Bei einer Fusion könnten Ausschüsse gebildet werden wie ein Sozial-, Finanz- oder Bauausschuss. „Dann wäre die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt“, so Holdack.

Der Arbeitsaufwand für den Bürgermeister würde auch bei einer Fusion nicht weniger. Den Posten müsste jedoch nur eine Person aus 407 Einwohnern übernehmen. Dann habe man aber auch nur noch einen Sitz im Amtsausschuss anstelle von zwei Bürgermeistern, die sich immer sehr einig waren, wurde angemerkt. So würden die Gemeinden auf Einfluss verzichten.

Welts Bürgermeister Lautenschläger sorgte für einen Paukenschlag: „Ich werde bei den Kommunalwahlen nicht mehr als Bürgermeister zur Verfügung stehen.“ Dies löste bei den Zuhörern Betroffenheit und eine Welle von Fragen auf. Bisher sei noch kein Nachfolger in Sicht.

Herbert Lorenzen vom Amt Eiderstedt erklärte, was passiert, wenn sich kein Nachfolger findet: „Dann bleibt der vorherige Bürgermeister erstmal im Amt und beruft eine zweite Sitzung ein.“ Falls auch nach einer dritten Sitzung niemand gefunden werde, setze der Landrat jemanden ein. Dann werde die Gemeinde fremdverwaltet. Die Chance, einen Freiwilligen aus einer fusionierten 407-Seelen-Gemeinde zu finden, sei größer, als bisher.

Was ist eigentlich mit der Gemeinde Grothusenkoog mit seinen 21 Einwohnern? Welts Bürgermeister Lautenschläger erklärte: „Die Gemeinde will abwarten, wie die Stimmung in Welt und Vollerwiek ist.“

Die Mitglieder beider Gemeindevertretungen und auch die Einwohner befürworteten tendenziell eine Zusammenlegung. Das Gemeindeleben sei bereits übergreifend. Zudem könnte die Fusion das politische Geschehen wieder spannender machen.

Heftiges Gegenfeuer kam in Welt vom Gemeinderatsmitglied Klaus-Peter Hechmann (WGW). Dies sei der größte Fehler, den man machen könne. „Das ist der größte Blödsinn.“ So sehe er keine Vorteile, die für eine Zusammenlegung sprechen würde. „Dieses Thema ist ganz geschickt durch das Amt eingefädelt worden“, lautete sein Vorwurf. Das dörfliche Leben würde vollends verloren gehen. „Ich sehe großen Schaden auf die Gemeinde zukommen.“

Die Stimmen auf beiden Versammlungen waren jedoch weitestgehend positiv: „Bevor wir Ehrenamtler total verheizt werden, und da sind wir auf dem besten Weg, sollten wir diesen Schritt der Gemeindezusammenlegung so schnell wie möglich durchführen“, hieß es.

Eine mögliche Gemeindezusammenführung werde nicht aus Kostengründen angestrebt, machte Dirk Lautenschläger deutlich. Und es werde nichts entschieden ohne eine vorherige Bürgerbefragung. Dazu werde jeder Einzelne angeschrieben. „Und wir werden dem Schreiben auch einen Rückumschlag beilegen, so dass niemandem Kosten entstehen.“ Wie das Ergebnis auch ausfalle: „Es wird nichts gegen das Votum der Bürgerbefragung entschieden.“

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