Gieselau-Schleuse : Gemeinsamer Protest reicht nicht

Noch geöffnet: Ein Konzept für den Wasserstraßen-Tourismus soll die Schleusen-Schließung verhindern.
Noch geöffnet: Ein Konzept für den Wasserstraßen-Tourismus soll die Schleusen-Schließung verhindern.

Sorge um die Gieselau-Schleuse: Verkehrsminister Buchholz rät zu zweigleisigem Rettungsplan mit Konzept für einen Wasserstraßen-Tourismus.

shz.de von
08. August 2018, 08:00 Uhr

Friedrichstadt | „Ich habe gesehen, wie ein Segler und ein Motorboot geschleust wurden, und ich habe gehört, wie es geknarzt und geknirscht hat“, sagte Minister Bernd Buchholz (FDP) nach dem Vor-Ort-Termin an der Gieselau-Schleuse. Konkrete Zusagen zur Rettung hatte Buchholz aus Kiel nicht mitgebracht, dafür aber Informationen über den derzeitigen Stand der Dinge und Anregungen, wie die dringend sanierungsbedürftige Schleuse vor der Schließung bewahrt werden kann. Von einer Schließung betroffen wäre neben den Kreisen Dithmarschen, Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde auch der Kreis Nordfriesland – insbesondere die Städte Friedrichstadt und Tönning – da über die Schleuse der Freizeitschifffahrtsverkehr zwischen Nord- und Ostsee geregelt wird.

Günter Mozarski, vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Brunsbüttel, erläuterte dem Minister an der Schleusenkammer die Besonderheiten des Bauwerks, das neben Ausflugsschiffen vor allem von Sportbooten genutzt wird. Die gesamte Konstruktion schwimme quasi auf einer Torfschicht, was zu einer geringen Stabilität des Untergrunds führe. „Eine Sanierung ist immer wie eine Operation am offenen Herzen“, so Mozarski – und das bedeute hohe Kosten. Dass Bedarf bestehe, zeige sich unter anderem an den Spundwänden, die unterhalb der Wasserlinie durch Korrosion bereits die Hälfte ihrer Stärke eingebüßt hätten.

Im Namen der „G10“-Gruppe, die sich für den Erhalt des Bauwerks stark macht, unterstrich Erfdes Bürgermeister Thomas Klömmer, welche schwerwiegenden Folgen das Aus der Schleuse hätte: „Das würde bedeuten, dass man die ganze Eider dicht macht.“ Ein Szenario, dass von keiner Seite gewünscht wird.

Doch sieht der Bund sich aufgrund der gesunkenen wirtschaftlichen Bedeutung nicht mehr in der Pflicht zur Instandsetzung und würde die Bundeswasserstraße gerne in die Hände des Landes geben. „Eine solche Nutzungsänderung kann nach unserer Auffassung aber nur mit der Zustimmung des Landes geschehen“, erklärte Buchholz. Ein Rechtsgutachten sei in Auftrag gegeben, mit den Ergebnissen werde allerdings erst im Oktober/November gerechnet. Nachfolgend rechnet der Minister mit langwierigen juristischen Scharmützeln mit dem Bundesverkehrministerium.

Eine Problematik, die auch Mark Helfrich (CDU), Bundestagsabgeordneter für Steinburg und Dithmarschen Süd, sieht. Für ihn geht es nicht nur um den konkreten Fall, sondern um eine generelle Klärung der Frage, wie in Zukunft verfahren werden soll, wenn Kanäle nur noch eine geringe wirtschaftliche Bedeutung haben. Helfrich forderte: „Hier muss das Bundeswasserstraßengesetz angefasst werden.“ Positiv sei es immerhin, dass die Schleuse noch nicht geschlossen ist und dass alle drei Ebenen (Kommunen, Land und Bund) beteiligt sind.

Nicht nur aufgrund der unsicheren Lage appellierte Buchholz an die „G10“, zweigleisig zu fahren. Die gesunkene Anzahl der Schleusungen sei nicht wegzudiskutieren. „Nicht nur im Protest vereint sein“, hieß der Ratschlag, „diese Idylle muss besser touristisch nutzbar gemacht werden.“. Als Beispiel für die Entwicklung eines Konzepts für einen Wasserstraßen-Tourismus könne der Müritz-Nationalpark dienen. Solcher Urlaub habe Konjunktur und könne der Gieselau-Schleuse eine Perspektive bieten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen