Weltnaturerbe Wattenmeer : Gemeinsame Verantwortung

In drei  Freiluft-Ausstellungen in Westerhever, auf der Hamburger Hallig und am Rathaus in Meldorf werden bis Oktober großformatige Wattenmeer-Bilder der Fotografen Adam Schnabler und Martin Stock (links) gezeigt.
In drei Freiluft-Ausstellungen in Westerhever, auf der Hamburger Hallig und am Rathaus in Meldorf werden bis Oktober großformatige Wattenmeer-Bilder der Fotografen Adam Schnabler und Martin Stock (links) gezeigt.

Das Wattenmeer ist seit fünf Jahren Unesco-Weltnaturerbe. Das kleine Jubiläum wurde jetzt mit einem Fest in Breklum gefeiert. Außerdem gibt es Freiluft-Fotoausstellungen in Westerhever, auf der Hamburger Hallig und in Meldorf.

shz.de von
30. Juni 2014, 08:00 Uhr

„Unser Wattenmeer ist ein Gesamtkunstwerk. Mit allen Sinnen nehme ich auf, wie wunderbar die Schöpfung ist. Ihr Dasein nimmt mir fast die Luft.“ Das sagte der Leiter des Christian-Jensen-Kollegs (CJK), Friedemann Magaard, zu Beginn des Festaktes und der öffentlichen Geburtstagsfeier in Breklum – vor fünf Jahren hatte die Unesco dem Wattenmeer das Welterbe-Prädikat zuerkannt.

Nationalparkleiter Dr. Detlef Hansen ist mit seinem Team stolz auf die Anerkennung. „Nach zehn Jahren Arbeit durften wir die Früchte unserer Arbeit einfahren. Wenn die Unesco-Vertreter dann sagen ‚Auf Euch haben wir gewartet‘, wird man gerade im Kreuz.“ Die Auszeichnung sei eine Anerkennung für die Schutzbemühungen aller Anrainerstaaten und ein Ansporn, weiterzumachen. „Wir erben auch die Verantwortung, respektvoll mit der Natur umzugehen“, so Hansen.

Eineinhalb Millionen Hektar Fläche umfasse das Wattenmeer. Der Titel Weltnaturerbe sei aber auch eine sehr hohe Messlatte. „Der Unesco war wichtig, dass die Menschen, die hier leben, das Erbe auch als solches wahrnehmen, und sie hat uns auch Aufgaben mit auf den Weg gegeben“, betonte Hansen. Dies sei nicht immer ganz einfach, denn die Natur mache an den Ländergrenzen nicht halt und jeder Staat habe eigene Interessen.

So gebe es im Bereich Tourismus durchaus ein Konkurrenzdenken, aber es funktioniere dennoch. In den vergangenen Jahren seien alle noch mehr zusammengerückt. Seit Kurzem ist auch Dänemark Bestandteil des Abkommens: „Die Familie ist nun komplett. Das ist das beste Geschenk, das wir bekommen haben“, freute sich Detlef Hansen.

Seit Februar gebe es ein Tourismuskonzept, das auf Nachhaltigkeit setzt. Bislang sei das Prädikat „Weltnaturerbe“ häufig nur als Markenzeichen genutzt worden. „Wir wollen den Begriff aber nicht verramschen. Gäste sollen sich erholen, aber auch die Natur respektieren. Tourismus, Nationalpark und Wattenmeer sind kein Widerspruch“. Neben der Wertschätzung steige auch der Bekanntheitsgrad stetig. Man habe das Weltnaturerbe mit Leben gefüllt, aufgesattelt auf 25 Jahre Nationalpark-Arbeit.

Eine Premiere feierte die Justiz-, Kultur- und Europaministerin Anke Spoorendonk mit ihrem Gesprächspartner Bischof Gothart Magaard. Beide entspannen einen Dialog zum Weltnaturerbe mit der Frage: Wie würde wohl der 50. Geburtstag gefeiert? Optimistisch antwortete der Bischof: „Ich bin dann etwas über 100 Jahre alt.“ Aber er hoffe, da der heutige Tag ja ein „Kindergeburtstag“ sei, dass man auch beim 50. Geburtstag das Naturerbe noch lebendig feiern möge.

Anke Spoorendonk ist zuversichtlich, dass der Austausch zwischen den Ländern sich noch verstärkt. Man denke gar nicht in erster Linie daran, dass das Wattenmeer in einer Aufzählung mit dem Grand Canyon oder den Galapagos-Inseln stehe. Denn es sei wichtig, sich auf allen Ebenen dafür einsetzen, das Weltnaturerbe zu erhalten – von der Kommunalpolitik bis zur EU. „Ärmel hoch, bleiben wir am Ball und setzen wir uns ein“, forderte sie alle auf.

Der Bischof ergänzte, die Natur sei kein Gebrauchsgegenstand, den man als unbegrenzte Nahrungsquelle oder Müllhalde missbrauchen könne. Gott habe die Erde erschaffen und der Mensch sei mittendrin. „Die Schöpfung gehört dem Schöpfer und damit sind die Besitzverhältnisse eindeutig geklärt. Der Mensch kann gestalten, aber nicht missbrauchen – handeln, aber nicht ausbeuten“, mahnte er. „Gottes Schöpfung ruft uns in die Verantwortung“, so Magaard.

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