25 Jahre Frauenforum in Husum : Gemeinsam wollen sie stark sein

Freuen sich auf die Geburtstagsfeier des Frauenforums: (von   links) Perke Heldt, Britta Rudolph und Ellen Schwitters.
Freuen sich auf die Geburtstagsfeier des Frauenforums: (von links) Perke Heldt, Britta Rudolph und Ellen Schwitters.

Das Husumer Frauenforum feiert seinen 25. Geburtstag und muss in Sachen Gleichberechtigung immer wieder Dauerbrenner anpacken.

shz.de von
20. Juni 2017, 13:00 Uhr

Der Dienstag ist ein Frauentag im Rathaus: genau sechsmal im Jahr, immer von 14.30 bis 16 Uhr. Dann kommen engagierte Nordfriesinnen zusammen, um weibliche Themen voranzubringen. Und das bereits seit 25 Jahren. Dauerbrenner im Forum sind die eigenständige Existenzsicherung von Frauen, besonders von Alleinerziehenden, um deren Altersarmut zu verhindern, Gewalt gegen Frauen und – trotz der Fortschritte – die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dazu gilt es, immer wieder Streichungen und Kürzungen von Zuschüssen für Angebote für Mädchen und Frauen abzuwenden.

Liegt etwas obenauf, wird es in Arbeitsgruppen vertieft, um öffentlich informieren oder Stellungnahmen verfassen zu können. Ob Gesetzesänderungen, städtische Planungen und Beschlüsse – ein fester Tagesordnungspunkt ist ein Bericht aus der Kommunalpolitik: Dem Frauenforum entgeht nichts.

Fortbildungen hat es unter anderem zum Qualitätsmanagement, zu Interkultureller Kompetenz und zu Sozialen Netzwerken gegeben. „Das Forum ist ein kreativer Pool und hält uns immer auf dem neuesten Stand. Wir können gegenseitig voneinander lernen“, betont Ellen Schwitters von der Lesbengruppe Husum.

Britta Rudolph, die als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Husum das Frauenforum leitet, macht im Gespräch mit unserer Zeitung auf das „nächste große Thema“ aufmerksam: die „Sorgearbeit“: Neben der Kinderbetreuung geht es um die Pflege von Angehörigen. Nach Rudolphs Worten sind diese Aufgaben eine Herausforderung für Paare, da immer öfter beide für ein ausreichendes Familieneinkommen in Vollzeit arbeiten müssen.

Das Frauenforum wurde 1992 von der ersten Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Inga Groth-Albrecht, gegründet. Sie war damals gerade ein Jahr im Amt. Das Forum kann durch mehr als 40 Unterstützerinnen auf Vielfalt setzen: Sie vertreten Institutionen, Organisationen, Vereine, Verbände und Projektgruppen aus Husum und Umgebung, die nur aus Frauen bestehen oder für und mit Frauen arbeiten – auch Stadtvertreterinnen und interessierte Bürgerinnen sitzen mit im Boot. Die Altersspanne reicht von Mitte 30 bis zu 70 Jahren. Vertreten sind unter anderem: Frau & Beruf, die Frauenasyl-Gruppe, der Mädchentreff, die Landfrauen, der Lions-Club Husum-Uthlande, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Kirchengemeinde St. Marien und das Referat Frauenarbeit im Evangelischen Regionalzentrum Westküste.

An der Spitze des Gremiums steht die jeweilige Husumer Gleichstellungsbeauftragte – nach Inga Groth-Albrecht und Daniela Jeksties ist dies seit 1996 Britta Rudolph. Sie sieht sich als Lotsin in Sachen Gleichstellung und Gleichberechtigung und erhält von Perke Heldt, Regionssekretärin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für Schleswig-Holstein Nordwest, ein großes Lob. „Britta Rudolph ist parteiisch für die Frauen, aber unparteiisch, was die Mitglieder des Forums angeht.“

Im Frauenforum gibt es das große Ziel, das die Frauen eint: die Verwirklichung des in Artikel 3 des Grundgesetzes verankerten Gleichstellungs- und Gleichberechtigungsgebotes, um die Situation von Mädchen und Frauen in Familie, Beruf und Gesellschaft zu verbessern.

Dafür ist es wichtig, immer mehr Frauen an die politischen Hebel der Macht zu bringen. Die schleswig-holsteinischen Gleichstellungsbeauftragten haben dazu im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Landesfrauenrat und dem zuständigen Ministerium die Kampagne „Frauen in die Kommunalpolitik“ gestartet. Britta Rudolph bietet den begleiteten Besuch von Ausschuss-Sitzungen und Informationstreffen für interessierte Husumerinnen an. Immerhin: „Wir hatten in Husum schon eine Bürgermeisterin und eine Bürgervorsteherin – und jetzt pfeift in der Bundesliga die erste Schiedsrichterin“, freut sich Britta Rudolph über diesen sportlichen Erfolg. Fehlt nur noch ein Krokuskönig für Husum, den sich das Frauenforum ausdrücklich wünscht – denn auch das wäre Gleichberechtigung.

Eigene Veranstaltungen und Aktionen gibt es in jedem Jahr zum Internationalen Frauentag (8. März) und dem Equal Pay Day: „Wir haben immer noch dicke Bretter zu bohren – die Gehaltsgeschichte gehört dazu und ist das letzte Tabu in unserer Gesellschaft“, meint Perke Heldt. „Genau anschauen wollen wir uns bald das neue Entgelt-Transparenz-Gesetz der Bundesregierung.“ Sie spricht im Namen ihrer Mitstreiterinnen, als sie unterstreicht: „Wir müssen gut aufpassen, dass es keine Rückschritte gibt.“

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