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Kreislandfrauenverband Nordfriesland : Gemeinsam statt einsam

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

300 Teilnehmer waren beim Kreislandfrauentag in den Reußenkögen dabei. Zu Gast war auch Henning Scherf, Ex-Bürgermeister von Bremen, der für generationenübergreifendes Wohnen warb.

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erstellt am 08.Okt.2015 | 07:00 Uhr

So etwas tut nur ein wahrer Gentleman. Kaum jemand würde wohl auf die Idee kommen, in einer mit rund 300 Menschen voll besetzten Koogshalle jeden einzelnen persönlich zu begrüßen. Dr. Henning Scherf schon. Bremens ehemaliger Bürgermeister geht von Tisch zu Tisch und schüttelt allen Gästen die Hand – ein paar herzliche Worte inklusive. So viel Zeit muss sein.

Scherf ist der Stargast beim diesjährigen Kreislandfrauentag in Reußenköge. In seinem Vortrag „Grau ist bunt – Wohnformen im Alter“ wirbt der 77-Jährige für gemeinsames Altwerden. Zehn Jahre lang war er Bremens Verwaltungschef – bis 2005. Nach der Politikerkarriere hat Scherf, zugleich studierter Jurist und Soziologe, alternative Wohnformen zu seinem Lebensthema gemacht. In Vorträgen und Büchern gibt er Tipps und macht Mut. Seit fast 30 Jahren lebt er zusammen mit seiner Frau Luise in einer ganz besonderen Wohngemeinschaft. Junge, Alte, Ehepaare, Singles – alle zusammen in mehreren Wohnungen im selben Haus. „Ich fühle mich auch deshalb bei den Landfrauen so wohl, weil die Geselligkeit, die gemeinsamen Aktivitäten im Mittelpunkt stehen“, sagt er und rückt seine rote Krawatte mit den aufgestickten Bremer Stadtmusikanten zurecht. „Mittendrin sein im Leben, gebraucht werden – darum geht es doch. Das gefährlichste am Altwerden ist nämlich das Alleinbleiben, das einsam werden“, ist er überzeugt – und seine Zuhörer nicken zustimmend. Er wünsche sich, dass die Art von Wohngemeinschaft, in der er mit seiner Frau und seinen Freunden lebt, nicht mehr die Ausnahme ist.

Das Thema Alter beschäftigt die Landfrauen nicht erst seit heute. „Daseinsvorsorge ist für uns ein Hauptanliegen. Besonders in Nordfriesland, wo ältere Menschen weniger mobil sind als in der Großstadt, müssen wir Alternativen ausloten. Auch auf dem Land sind Familien, die in mehreren Generationen zusammenleben, selten geworden. Henning Scherf zeigt uns, dass es eine andere Zukunft gibt als das Altenheim“, erklärt Kreisvorsitzende Magret Albrecht. Er ist beliebt bei den Landfrauen in Schleswig-Holstein. Schon fünf Mal haben sie ihn zu ihren Veranstaltungen eingeladen. Besonders freut er sich an diesem Abend darüber, dass die Mutter seiner Ko-Autorin Uta von Schrenk im Publikum sitzt. Sie kommt aus Dagebüll.

Auch wenn der Kreislandfrauenverband Nordfriesland mit seinen 26 Ortsvereinen und mehr als 6000 Mitgliedern der größte im Land ist, macht sich Albrecht Gedanken um die Zukunft. Insbesondere für die Vorstandsarbeit sei es sehr schwierig, Nachwuchs zu finden. Diese Sorge teilt sie mit Karin Hansen vom Landesverband, die in ihrer Begrüßungsrede dazu ermuntert, immer präsent zu sein und auch Zugezogene für ein Ehrenamt zu gewinnen. Jede Frau kann sich bei den Landfrauen engagieren, unabhängig davon, welchen Beruf sie ausübt. „Zusammenhalt und Netzwerken, das ist unser Motto“, sagt Albrecht. Seit 24 Jahren ist die 55-Jährige bei den Landfrauen aktiv und seit April 2014 an der Spitze des Kreisverbandes. „Es war ein ereignisreiches Jahr. Unsere Energietour durch Nordfriesland, die Teilnahme am Lauf zwischen den Meeren oder der Kabarett-Abend mit Uta Rotermund waren ein voller Erfolg“, bilanziert sie. 2016 steht vor allem der Deutsche Landfrauentag in Erfurt an. Und auch das Thema Flüchtlingshilfe wollen die engagierten Frauen in Angriff nehmen. Natürlich soll es wieder viele kulturelle Veranstaltungen geben. Kultur kommt auch an diesem Abend nicht zu kurz, der mit der Musik von den „Hale Pop Singers“ – einem Gospel-Pop-Chor aus Achtrup – abgerundet wird.

Mittlerweile haben sich die Landfrauen auch bei Facebook und mit einer eigenen Webseite (www.klfv-nf.de) in Position gebracht. Wie wichtig ihnen ihr Netzwerk ist, stellt die Liste der Ehrengäste unter Beweis. Meike Hansen und Silvia Zuppelli von der Beratungsstelle Frau und Beruf sind genauso vertreten wie Melf Melfsen vom Bauernverband Schleswig-Holstein, Ingwer Christophersen von der Kreishandwerkerschaft und Dirk Albrecht, Bürgermeister der Gemeinde Reußenköge und gleichzeitig Ehemann der Kreisvorsitzenden. So war Henning Scherf nicht der einzige Mann unter den vielen weiblichen Teilnehmern, aber unumstritten der galanteste.

 

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