Aktion in Bredstedt : Gemeinsam gegen die Ausgrenzung

Sämtliche Tiere konnten die Kinder beim Hofrundgang in Högel bestaunen.
Sämtliche Tiere konnten die Kinder beim Hofrundgang in Högel bestaunen.

Das Sommerferienprojekt in Bredstedt für 50 Kinder mit und ohne Handicap ist ein voller Erfolg. Ein Bauernhofbesuch gehört zu den Höhepunkten.

shz.de von
13. August 2018, 10:00 Uhr

Wie lebt es sich auf einem Bauernhof mit 450 Tieren, dabei 160 Milchkühe, Bullen, Lämmer, Hund und Katze? Wie funktioniert das mit dem Melken? Wie kommt die Milch in den Supermarkt? Fragen über Fragen, auf die es aus erster Hand Antworten gab. Eike und Henning Jürgensen aus Högel blieben den 50 Kindern – mit und ohne Beeinträchtigungen – im Alter zwischen zwei und 15 Jahren sowie den Betreuern und einigen Eltern keine Antwort schuldig.

Im Rahmen der mittlerweile zehnten Sommerferienwoche in Folge waren die Akteure der gemeinsamen Aktion des Diakonischen Werkes Husum und Sozialraumes Mitte, sowie der Lebenshilfe Husum und des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD)/Jugendamt des Kreises Nordfriesland, der Einladung der Landwirtsfamilie zur Betriebsbesichtigung gefolgt. „Das passte genau zum Motto unserer Woche ‚Bi uns tohuus‘ und war eindeutig der Höhepunkt. Das hat den Kindern sehr viel Spaß gemacht‘, so das Fazit von Silke Streel (Diakonisches Werk). Ihr oblag die Projektleitung. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Kirstin Laß sowie Anke Schepermann (Lebenshilfe) zog sie die Organisationsfäden.

Beim Hofrundgang bestaunten die Kids besonders die erst wenige Tage alten Kälbchen. Die größeren durften natürlich auch gestreichelt werden. Sogar selbst Hand anlegen konnte, wer wollte, beim Saubermachen des Stalles. Ansonsten hatte die muntere Runde genügend Zeit für ein Picknick auf dem Hofgelände.

Hoch her ging es ansonsten an allen Tagen in und auf dem Außengelände der Dänischen Schule in Bredstedt, die zum zweiten Mal in Folge für das Projekt zur Verfügung stand. Mit dabei waren übrigens Kinder aus dem Bereich der Eingliederungs- und Jugendhilfe der Ämter Viöl und Mittleres Nordfriesland, mit denen kooperiert wurde. Spielen, Basteln, gemeinsames Singen und Vorlesen – alles in Platt – war angesagt. „Uns war es wichtig, dass die Kinder platt lernen und sprechen. So haben wir jeden Morgen ein plattdeutsches Lied zum Start in den Tag gesungen. Dafür war ich zuständig“, berichtet Kirstin Laß. Rasch hätten die Kinder, die noch nicht flüssig sprechen konnten, gelernt.

Psychomotorisches Turnen machte Spaß, aber vor allem die Besuche im Erlebnisbad Bredstedt oder Fußballturniere. Besuch gab es von Jugendlichen der Jugendfeuerwehr Bredstedt. Sie zeigten, was sie gelernt hatten. Natürlich waren hier Wasserspiele ein Muss. Wer Lust hatte, durfte mit den Akteuren der Tanz- und Trachtengruppe Bredstedt ein Tänzchen wagen. „Die Kinder sollten nicht nur mit der plattdeutschen Sprache in Berührung kommen, sondern auch kennenlernen, was es so alles ‚Bi uns tohuus‘ an Freizeitmöglichkeiten oder Einrichtungen gibt“, informiert Hansen. Immer waren zwischen 20 und 30 Eltern täglich mit dabei, um das Orga-Team zu unterstützen. Vier Mütter halfen Wilma Voß beim Küchendienst sowie Kochen der Mittagsmahlzeiten. „Der Renner waren Pommes oder Spaghetti.“

„Es war eine gelungene Woche. Die Teilnehmer hatten viel Spaß. Sie erhielten viele Informationen und erfuhren Anerkennung in den Gruppen. Sie waren voll in die Gemeinschaft integriert. Anfängliche Berührungsängste konnten abgebaut werden“, so das Fazit des Orga-Teams.

Um Ausgrenzungen entgegenzuwirken, sei das Sommerferienprojekt für Kinder mit und ohne Handicap entwickelt worden. Viele Eltern würden das Angebot schätzen, weil es sie in dieser Form im Kreisgebiet kaum gibt. Dank gelte allen Sponsoren, die finanziell mitgeholfen haben. „Es waren tolle Tage. Wir Betreuer haben sie auch genossen, aber jetzt sind wir doch erschöpft“, so Streel.

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