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Nordfriesland : Gemeinsam das Unrecht aufarbeiten

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Gedenkstätten rufen 2017 zum Jahr „Wider das Vergessen“ aus: Neue Ausstellungen in Schwesing und Ladelund sollen mehr Interesse wecken.

von
erstellt am 22.Apr.2017 | 16:00 Uhr

„Wir sind den Opfern schuldig, dass wir sie nicht vergessen“, sagt Dr. Kay-Ulrich Bronk. Den KZ-Gedenkstätten des Kreises – den ehemaligen Außenlagern des Konzentrationslagers Neuengamme in Husum-Schwesing und Ladelund – soll dabei in Zukunft eine besondere Rolle zukommen, macht der Propst im Kirchenkreis Nordfriesland deutlich. Zusammen mit Vertretern beider Einrichtungen ist Bronk nach Schwesing gekommen, um 2017 vor diesem Hintergrund zu einem Jahr „Wider das Vergessen“ auszurufen. Man bemühe sich nach Kräften, das Thema wieder verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, fasst Maria Jepsen vom Freundeskreis der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing zusammen: „Bevor es ganz in Vergessenheit gerät, weil es keine Zeitzeugen mehr gibt.“

Entscheidend dazu beitragen möchten die Protagonisten hier wie dort, die laut Bronk künftig inhaltlich und konzeptionell enger zusammenarbeiten wollen, durch neue Ausstellungen. Alle Beteiligten vereint das Ziel, die Gewaltherrschaft des Dritten Reiches zeitgemäß aufzuarbeiten – und damit auch das in Nordfriesland geschehene Unrecht, die damit verbundenen Grausamkeiten und Hintergründe. Schwesing (getragen vom Kreis Nordfriesland) und Ladelund (verantwortlich ist der Kirchenkreis) richten dabei nicht nur den Blick in die Vergangenheit. Die Gedenkstätten fragen einerseits auch, wie Menschen zu Tätern und zu Opfern wurden – und immer noch werden. Andererseits geht es ihnen darum, Ideen und Visionen zu entwickeln, wie Krieg, Nationalismus, Rassismus und Gewalt gegen Andersdenkende und Minderheiten zu begegnen ist – all diesen schrecklichen Auswüchsen, zu denen die Gesellschaften in aller Welt in zunehmenden Maße tendieren – die Begrenzung des Blicks auf die eigene Nation inklusive. „Wir betrachten diese Entwicklung mit Sorge“, heißt es dazu bei einer Pressekonferenz in Schwesing.

Dort beinhaltet das modernisierte Konzept eine Außenausstellung mit zehn Stationen, ein Wegeleitsystem mit Audioguide (in sechs Sprachen), einen Besucherdienst, das Haus der Gegenwart sowie ein überplantes Gelände nebst Gedenkstätten-Ordnung. Die Neueröffnung mit geladenen Gästen wird am Freitag, 28. April, gefeiert (wir berichteten). Aus diesem Anlass machen die ehrenamtlichen Guides der interessierten Bevölkerung ein kostenloses Angebot: An den drei darauffolgenden Tagen, 29. April bis 1. Mai, werden jeweils von 14 bis 17 Uhr Audioguides ausgegeben (spätester Verleih: 16 Uhr). Am 30. April gibt es außerdem eine Führung über die Gedenkstätte – wie fortan an jedem Sonntag ab 15 Uhr.

Laut Burkhard Jansen, dem zuständigen Fachbereichsleiter beim Kreis, und Johanna Jürgensen, Geschäftsführerin der mit dem Projekt beauftragten Stiftung Nordfriesland, soll der Öffentlichkeit das Thema nach der Eröffnung „deutlich proaktiver“ vermittelt werden.

In Ladelund, wo sich die Bevölkerung ab 18. November ein Bild von der Neuausrichtung machen kann, herrschen laut Gedenkstätten-Leiter Raimo Alsen andere Voraussetzungen als vor den Toren Husums. „Dort haben wir seit mehr als 25 Jahren eine wissenschaftliche Dauerausstellung im Dokumentenhaus, das 1990 eröffnet und 2006 erweitert wurde.“ Seit 1995 gebe es eine hauptamtliche Leitung, die er selbst 2014 übernommen habe: „Seitdem halten wir die Einrichtung mit drei halben Stellen geöffnet – dienstags bis freitags, jeweils von 10 bis 16 Uhr.“ Das Wochenende werde ehrenamtlich abgedeckt.

Auch eine Ausstellung, die ein Vierteljahrhundert gut funktionieren mag, fällt irgendwann aus der Zeit. „Die Wahrnehmungsgewohnheiten haben sich verändert“, konstatiert Propst Bronk. Die Gedenkstätte Ladelund müsse daher ebenfalls „begreifbarer“ werden. Vier Kilometer südlich der dänischen Grenze arbeitet man denn auch seit rund zweieinhalb Jahren daran, vor allem jüngeren Besuchern das Thema Holocaust konkreter vermitteln zu können. Dazu gehört der Einsatz neuer Technik genauso wie eine bessere Vernetzung der Relikte im Außenbereich – wie Panzerabwehr-Graben, Grabstätten und das ehemalige Lagergelände, das heute eine landwirtschaftliche Nutzfläche ist.

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