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Ungeduld in Seeth und Hattstedt : Gemeinden warten auf Container

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

„Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“: Seeth und Hattstedt kritisieren das Vergabeverfahren für die Wohncontainer aus der Landesunterkunft und die mangelnde Kommunikation der Behörden.

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erstellt am 03.Apr.2017 | 15:00 Uhr

„Also langsam werde ich nervös“, sagte Peter Dirks. Tag für Tag fahren an Seeth große Transporter vorbei, beladen mit Containern. „Ich sehe, wie die aus der Stapelholmer Kaserne abtransportiert werden und das Kontingent immer kleiner wird. Langsam frage ich mich, ob wir noch damit rechnen können, welche abzubekommen“, erklärte der Bürgermeister der Gemeinde Seeth in der Sitzung des Amtsausschusses von Nordsee-Treene in Uelvesbüll stirnrunzelnd. „Wir sind alle sehr enttäuscht und auch erbost, dass die Gebäudemanagement SH so unflexibel und nicht in der Lage ist, zu entscheiden“, betonte Amtsvorsteher Ralf Heßmann. Wie viele andere Kommunen im Land hoffen auch sie, einige der Container zu ergattern, die das Land an Kommunen und Schulen verschenken will (wir berichteten).

Doch von vorn: Im Zuge der Flüchtlingsaufnahme hatte die Landesregierung im Laufe des Jahres 2015 rund 4600 Wohncontainer angemietet. Darüber hinaus wurden 4000 Wohneinheiten sowie etliche Sanitär- und Korridor-Container gekauft. Die Kontingente befinden sich in den Landesunterkünften Seeth, Leck und Boostedt. Anfang Februar wurde dann bekanntgegeben, dass 823 Container kostenlos abzugeben seien. Durch den drastischen Rückgang der Asylsuchenden im vergangenen Jahr werden sie nicht mehr benötigt. Bedarf konnten Kommunen, Schulen und gemeinnützige Körperschaften aus ganz Schleswig-Holstein anmelden. Mit der Verteilung wurde die GMSH (Gebäudemanagement Schleswig-Holstein) beauftragt.

Als er im Februar davon erfuhr, habe er sofort das Amt damit beauftragt, für seine Gemeinde fünf Container zu reservieren, sagt Dirks. Seeth könne sie zum Beispiel für den Bauhof gut gebrauchen. Auch Amtsvorsteher Heßmann, der gleichzeitig Bürgermeister der Gemeinde Hattstedt ist, hat schon Pläne für die Container, die er beim Land beantragt hat. „Sie würden uns ein ganzes Stück weiterhelfen, wenn wir sie für den Kindergarten benutzen könnten.“

Die Wochen zogen ins Land – und es passierte erstmal gar nichts. Heßmann hat sich dann vor etwa 14 Tagen an die GMSH gewandt und nachgehakt. Er solle sich gedulden, die Nachfrage sei sehr hoch. „Als ich wieder nichts hörte, habe ich der GMSH hinterhertelefoniert.“ Seine Bitte, zumindest für die Standortgemeinde Seeth Container zu reservieren, sei mit der Bemerkung „Es wird der Reihenfolge nach abgearbeitet“ abgeschmettert worden. Im zuständigen Finanzministerium habe er nie jemanden erreicht. „Ich finde es frech, dass niemand zurückruft“, macht er deutlich. Was ihm besonders übel aufstoße, ist, dass nach dem „Windhundverfahren: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ verfahren wird, so Heßmann. „Niemand fragt nach der Sinnhaftigkeit, zum Beispiel, wohin die Container gehen und wofür sie verwendet werden. Hier wird starr und unflexibel gehandelt. Ich finde das verwerflich. So etwas führt zu Frust. Und am Ende gerät das Innenministerium für etwas in Verdacht, was es nicht zu verantworten hat, sondern sozusagen ein Subunternehmen wie die GMSH.“

Tatsächlich ist die Nachfrage nach den Containern groß. So groß, dass die Mitarbeiter der GMSH seit Bekanntgabe der Aktion mehr als 5000 Telefonate und 3000 Mails bearbeiten mussten, wie der Sprecher des Finanzministeriums, Eugen Witte, auf Anfrage erklärt. Sogar die Telefonzentrale sei zwischenzeitlich zusammengebrochen. Und ja, bearbeitet werden die Anträge nach der Reihenfolge des Eingangs. Und nach dem derzeitigen Stand haben mehr als 3000 Kommunen, Schulen und gemeinnützige Körperschaften Bedarf angemeldet. Allerdings prüft Witte zufolge das Innenministerium fortlaufend, ob nicht noch weitere Kontingente freigegeben werden können. „Das kommt natürlich auf die Flüchtlingszahlen an, die aber in den vergangenen Monaten kontinuierlich abgenommen haben.“ Und fügt hinzu: „Die Finanzministerin freut sich über die große Resonanz. Es ist schön, dass wir mit den Mitteln, die wir für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt haben, jetzt auch an anderer Stelle etwas Gutes tun können.“

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