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Verteidigungsministerin in Husum : Geld für einen Standort mit Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen besuchte das Spezialpionierbataillon 164 in Husum und hatte gute Nachrichten im Gepäck: 60 Millionen Euro werden in den Standort investiert.

Die Verteidigungsministerin zeigte sich höchst aufgeräumt: „Das war ein ausgesprochen interessanter Vormittag hier in Husum und das Spezialpionierbataillon 164 ist ein einzigartiger Verband“, sagte Ursula von der Leyen (CDU) bei ihrem Besuch in der Julius-Leber-Kaserne. Und überbrachte zugleich „zwei gute Nachrichten für die Region“: Nämlich dass die Bundeswehr in den kommenden Jahren 60 Millionen Euro in den „ausgesprochen guten Standort Husum“ investieren werde und dass die Ausbildungswerkstatt in Leck erhalten bleibe.

Die 60 Millionen Euro, so erläuterte die Ministerin, sollen hauptsächlich in die Infrastruktur fließen, vor allem in die Modernisierung der Unterkünfte und Truppenküchen. Das gehöre zur Attraktivitäts-Offensive, die in der Storm-Stadt „vollständig aufgenommen“ werde, lobte sie. Schon zuvor habe sie entschieden, dass das Bataillon um 250 auf gut 1500 Dienstposten aufgestockt und so Anfang 2016 zum Regiment werde. „Das alles ist ein starkes Signal dafür, dass dieser Standort Zukunft hat“, unterstrich von der Leyen.

Ein Satz, den nicht nur die in der Storm-Stadt stationierten Soldaten gerne hörten, sondern auch Bürgermeister Uwe Schmitz und Bürgervorsteher Peter Empen. Die hatten wie die Ministerin der steifen Küstenbrise getrotzt und sie bei ihrer Visite begleitet, bei der sich von der Leyen ein Bild von der Arbeit der Spezialpioniere machen konnte. Und deren Fähigkeit, in kürzester Zeit überall auf der Welt Feldlager für die Truppe im Einsatz aufbauen und diese mit einer Wasser- und Kraftstoff-Versorgung ausstatten zu können, wird in der Bundeswehr nach erfolgter Auflösung des Schwester-Bataillons in Speyer tatsächlich einzigartig sein.

„Man muss sich das so vorstellen, dass diese Truppe in der Lage ist, innerhalb von sechs Wochen eine kleine Stadt auf die Beine zu stellen, deren Bewohner darin arbeiten, essen, schlafen, und duschen können, also alles, was so dazu gehört“, bilanzierte die Ministerin nach dem Rundgang. Bataillonskommandeur Oberstleutnant Björn Panzer hatte eine Leistungsschau aufbauen lassen, die der hochrangigen Besucherin einen umfassenden und kompetent erklärten Überblick vermittelte. Etwa über Container oder Einheitszelte: „Das kleine lässt sich aus der Luft abwerfen und hat Platz für vier Mann“, ließ Stabsunteroffizier Christopher Mumm von der Feldlagerbetriebskompanie die interessierte Zuhörerin wissen. „Und das große Zehn-Personen-Zelt ist von sechs Leuten in nur einer Stunde fertig aufgebaut.“

Die Soldatinnen und Soldaten zeigten ihrer Dienstherrin, wie ein mobiles Tanklager errichtet, eine Pipeline repariert oder Wasser aufbereitet wird und führten ihr Arbeitspferd, den Pionierpanzer Dachs, ebenso vor wie Maschinen zum Verlegen von Faltstraßen oder zum schnellen Füllen von Sandsäcken: „Die schafft selbst mit der Bedienung durch ungeübtes Personal 1000 Säcke pro Stunde“, erläuterte Oberleutnant Uwe Mischik, der Leiter des Stützpunktes für Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ) innerhalb des Bataillons. Vier dieser Anlagen gebe es in der Julius-Leber-Kaserne. Eine nicht unwichtige Versicherung für eine Stadt am Meer, die durch Sturmfluten und Deichbrüche bedroht ist – was auch einer der Gründe dafür war, dass sich Husum bei den Stationierungsentscheidungen gegen den Standort Speyer durchsetzen konnte. Und der Ministerin sei auch klar gemacht worden, dass für den in die Jahre gekommenen Dachs-Pionierpanzer dringend ein moderner Nachfolger gebraucht werde, konnte Mischik erfreut vermelden.

Nach knapp anderthalb Stunden hatte die Ministerin genug gesehen und stieg wieder in den Hubschrauber der Flugbereitschaft, der sie zu ihrer zweiten Station in Schleswig-Holstein nach Plön brachte. Auch für die dort beheimatete Marineunteroffizierschule hatte sie eine Finanzspritze im Gepäck, wenn auch nur halb so stark wie die für Husum: 30 Millionen Euro sollen bis 2020 investiert werden.

In der Julius-Leber-Kaserne blieb derweil ein höchst zufriedener Ingbert Liebing zurück: „Ich hatte ihren Besuch in Nordfriesland angeregt“, so der CDU-Bundestagsabgeordnete für Nordfriesland und Dithmarschen-Nord. Dass die Ministerin mit gleich zwei so guten Botschaften angereist sei, habe jedoch seine Erwartungen übertroffen. Die Millionen-Investition zeige, dass „Husum eine starke Bastion“ der Bundeswehr bleibe. Und für die zivile Ausbildungswerkstatt in Leck habe er „vier Jahre lang gekämpft“ und sei glücklich, dass die Schließung endgültig vom Tisch sei. Das hatte von der Leyen unter anderem damit begründet, dass der dort trainierte Elektroniker-Nachwuchs „von der Truppe dringend gebraucht“ würde. Derzeit sind es 56 Auszubildende, die sich auf dem Gelände des früheren Flugplatzes zum Elektroniker für Geräte und Systeme schulen lassen.

 

 

Ein Verband mit besonderen Fähigkeiten

 

Das Spezialpionierbataillon 164 mit seinen derzeit knapp 1300 Soldatinnen und Soldaten gehört zur Streitkräftebasis und untersteht dem Logistikkommando der Bundeswehr in Erfurt. Aufgestellt wurde es im Jahr 2003. Kernauftrag sind die Planung, der Bau sowie das Einrichten und Betreiben von Feldlagern, in denen zeitlich begrenzt bis zu 4000 Soldaten im Einsatz untergebracht werden. Darüber hinaus richtet das Bataillon Feldtanklager für die Bevorratung und Bereitstellung von Kraftstoff ein und betreibt stationäre Pipeline-Anlagen im Einsatzgebiet. Zu den Aufgaben gehören außerdem die Bewirtschaftung und Instandsetzung von Feldlagermaterial, Bau und Betrieb von Rohrleitungen zur Rohwasserversorgung sowie die Trinkwasseraufbereitung. Seit 2010 betreibt das Bataillon zudem mit Reservisten einen Stützpunkt für Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ). Wenn die Kräfte der zivilen Katastrophenabwehr nicht ausreichen, leistet die Bundeswehr auf Antrag Hilfe – auch in besonders schweren Unglücksfällen. Dann kommen die Soldatinnen und Soldaten des Husumer Spezialpionierbataillons mit zusätzlichem Gerät zur Unterstützung der zivilen Seite zum Einsatz.

 

 

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erstellt am 17.Apr.2015 | 07:00 Uhr

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