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Serie Lebensträume : Gelassen – auch wenn es heiß wird

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Ofen, Töpfe und Pfannen: Mehr braucht Klaus Thiem nicht, um höchst kreativ und glücklich zu sein. Der ehemalige Besitzer einer Anlagenbau-Firma hat auf Gastronomie umgesattelt.

„Lebensträume“ hat jeder. Aber sich zu trauen, diese auch zu verwirklichen, gelingt nicht allen Träumern. Wir stellen in unserer neuen Serie in loser Folge Menschen vor, die es geschafft haben, ihren Traum zu leben.

Wenn jemand für Veränderung steht, dann Klaus Thiem. Seine Schiebermütze ist sein Markenzeichen – und die nimmt er auch bei heißen Temperaturen nicht ab. Mit Küchentuch am Schürzenbund wirbelt er inmitten seiner Töpfe und Pfannen. „Manchmal fühle ich mich als Bretone“, sagt er und gesteht seine Liebe zu diesem französischen Landstrich.

Für viele Hausfrauen wäre es der blanke Horror, für mehr als 40 Gäste verschiedene Gerichte zu kochen – und das in einer Küche, die nicht viel größer als die eines ICE-Zuges ist. Dem Wahl-Husumer aus Hamburg dagegen macht so etwas Spaß. Ihm gehört „Hartmanns Landküche“ auf der Neustadt. Wie gelingt es, gelassen und entspannt zu sein, plaudernd von Tisch zu Tisch zu gehen, seine Gäste zu begrüßen und dabei so kreativ zu kochen? „Ich hatte immer den Lebenstraum, eine Tapas-Bar zu eröffnen. Durch meine vorherige berufliche Tätigkeit habe ich mich oft in arabischen Ländern aufgehalten. Die Kultur dort, die Kunst, fantasievolle Speisen zuzubereiten, die Verführung durch die betörenden Gerüche, durch Gewürze und Kräuter haben mich fasziniert. Aber auch meine vielen Aufenthalte in Frankreich waren für mich prägend. Ich schicke meine Fantasie auf Reisen in den Orient oder den Mittelmeerraum und komponiere ein Essen. Ich nehme dabei keine Rücksicht und verbinde mediterrane Elemente mit norddeutschen“, erklärt er. „Meine Gäste sind meine Freunde – und die sollen Urlaubsgefühle direkt auf ihrer Zunge spüren.“ Vor allem die Saucen seien es, die ein Essen erst zu dem machten, was es sei. „Bei deren Kreation musst Du im Kopf beweglich sein“, betont der Schnellsprecher. Denn das ist er. Nur allzu oft beendet er die Sätze seiner Gesprächspartner, bevor diese sie selbst zu Ende gedacht haben.

Dem jung gebliebenen Senior sieht man sein Alter nicht an. Er, der nach eigenen Worten nicht auf der Couch sitzend seinen Ruhestand verbringen möchte, hat sein Lokal erst vor wenigen Jahren eröffnet. Bereut habe er diese Entscheidung nie. „Ganz im Gegenteil. Das hätte ich schon früher machen sollen.“ Ruhig und gelassen geht er nach diesen Worten wieder zurück an seinen Herd und beginnt, kleine Köstlichkeiten in Pfännchen zu füllen. Die Ofentür befindet sich in Kopfhöhe. Mitunter hat ein Gast Sorge, Klaus Thiem flambiert gleich seine Mütze, wenn er das glühende Gerät mit neuen Töpfen befüllt. „Vorsicht, heiß!“ wird ab und zu gerufen. „Was kann mir noch passieren“, grinst Thiem. „Mit meinem Ofen stehe ich auf Du und Du. Wir mögen uns.“

Nach dem Studium der Energie- und Wärmetechnik war er 17 Jahre bei einem Großkonzern tätig, bevor sich Klaus Thiem im Bereich Anlagenbau für Raffinerien in Hamburg selbstständig machte. Mit seiner Firma arbeitete er für die Petrochemie und managte das Ingenieurwesen für Tankanlagen im Bereich Gas und Öl. Seine Aufträge führten ihn von Norwegen nach Frankreich und in den gesamten Mittelmeerraum bis in den Iran. Dann erkrankte der Unternehmer ernsthaft. So weitermachen wie bisher war keine Option mehr. Er zog konsequent die Reißleine.

Nachdem Klaus Thiem ein Ferienhaus in Nordfriesland gekauft hatte, stießen er und seine Lebenspartnerin bei einem Bummel durch Husum auf ein Verkaufsschild an einem Haus in der Unteren Neustadt. „Diese Straße ist übrigens die schönste in Husum“, findet Thiem. Als Mann schneller Entschlüsse zögerte er nicht lange, kaufte das Haus und verwirklichte seinen Traum von einer Tapas-Bar. Seine Hamburger Firma führte Thiem parallel zu seinem Restaurant noch kurze Zeit weiter, um sie dann zu verkaufen. Der Name „Hartmanns Landküche“ bot sich an, da es ein solches Lokal an dieser Adresse in früheren Zeiten gegeben hatte.

„Heute komme ich sehr gut zurecht. Ich achte mehr auf mich. Seit ich nur das mache, was mir Spaß macht, habe ich keinerlei gesundheitliche Probleme mehr“, strahlt Klaus Thiem. So kann die Erfüllung eines Lebenstraumes neben den geistigen auch körperliche Vorteile bieten.


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