Tüftler aus Tönning : Geistes- und andere Blitze

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Eher aus der Not heraus experimentierte der Tönninger Arne Volkers vor einigen Jahren mit Hochspannungs-Elektronik. Mittlerweile sind seine Erzeugnisse weltweit gefragt.

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29. März 2014, 16:00 Uhr

Blaue Lichtblitze durchzucken den Raum, ein penetrantes Brummen dröhnt in den Ohren und ungewohnter Ozongeruch strömt in die Nase. Arne Volkers wandelt auf den Spuren Nikola Teslas, dem großem Erfinder, dem Meister der Elemente. Und auch der 33-jährige Tönninger ist voll in seinem Element – in seiner Werkstatt steht nicht er, aber die gesamte Technik um ihn herum unter Hochspannung.

Während seine Frau im vorderen Bereich des Hauses ein kleines Geschäft mit Kinderbekleidung betreibt, hat sich Arne Volkers im hinteren Teil eine kleine Werkstatt eingerichtet, um Tesla-Transformatoren und andere Hochspannungsgerätschaften zu bauen. „Sie wollte immer schon einen eigenen Laden haben, und ich musste meine Werkstatt vergrößern“, erzählt der Tüftler und schlug gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, als ein ehemaliges Radio- und Fernsehgeschäft zu mieten war.

Am Anfang stand das Interesse an Kunststoff, Metall, Holz und Elektrotechnik – und der eiserne Wille, irgendwann einmal sein eigener Chef zu sein. „Mit Physik und Mathematik hatte ich der Schule eher wenig am Hut“, erinnert sich Volkers. Gebastelt hat er aber schon immer – und auch viel. Eines Tages traute er sich an den Bau einer Influenzmaschine. Die Informationen dazu holte sich der Tönninger aus der Fachliteratur und dem Internet. In einschlägigen Foren tauschte er sich mit anderen Tüftlern aus, stellte Fragen, bekam Antworten. Irgendwann lernte er so einen 75-jährigen Schweizer kennen, der mit der Materie vertraut war und Freude daran hatte, sein Wissen an einen jungen Enthusiasten weiterzugeben.

Vor vier Jahren wagte Volkers den Sprung in die Selbstständigkeit. Mehr oder weniger aus der Not heraus, denn sein damaliger Arbeitgeber meldete Konkurs an. Es sei nicht sein „Ding“ gewesen, zum Arbeitsamt zu gehen, sagt er. Hinzu kam, dass er erkannt hatte, dass es einen Markt für seine Konstruktionen gibt.

Universitäten, Schulen, Ingenieurbüros, Science-Center und Phänomentas, die ihren Besuchern die Gesetze der Physik näherbringen wollen, gehören zu seinen Kunden. Sogar Deutschlands Zauber-Elite gibt sich bei ihm die Klinke in die Hand. Und so sind Blitze, Effekte und Sinnestäuschungen made in Tönning mittlerweile weit über die Grenzen Deutschlands hinaus gefragt. Volkers bekannteste Kundin ist Marina Abramovic. Die in New York lebende Performancekünstlerin von Weltrang setzt das physikalische Demonstrationsprojekt von Volkers in einem ihrer Projekte ein – mittels der handgefertigten Tesla-Spule aus Tönning illuminiert die Künstlerin Leuchtstoffröhren.

Seit einigen Jahren ist Arne Volkers Mitglied der „Tesla Society“ in der Schweiz, einer kleinen Gruppe, die sich bemüht, Nikola Tesla in Europa bekannter zu machen und den Spuren des großen Erfinders zu folgen. „Er hat viel Wissen mit ins Grab genommen“, sagt Volkers, der jeden Tag in seiner Werkstatt an neuen physikalischen Experimenten arbeitet. „Der Teufel steckt oftmals im Detail“, sagt der 33-Jährige inmitten von Trafos, Kondensatoren und Widerständen.

Mittlerweile ist er Tesla-Experte. Und hat er früher in Internetforen noch um Hilfe gebeten, wird er jetzt um Rat gefragt. Seine physikalischen Demonstrationsgeräte sind gefragt. „Die kompakte Bauweise macht den Unterschied. Europaweit hab ich nur wenig Konkurrenz“, sagt der junge Mann selbstbewusst. Es sei eine Sisyphusarbeit, die ihm dennoch großen Spaß bereite, erzählt er und zeigt auf eine Kupferspule mit 850 Wicklungen – den 0,67 Millimeter dünnen Kupferdraht hat er vorsichtig per Hand in Position gebracht. Vorsicht sei ohnehin angebracht. „Ich mag keine elektrischen Schläge“, scherzt Volkers. Deshalb standen ihm auch noch nie die Haare zu Berge. „Jedenfalls nicht bei meiner Arbeit.“

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