Tating : Geheimnisvolles Wandbild

Im Detail ist eine Hand und der Umriss eines Menschen zu erkennen.
Im Detail ist eine Hand und der Umriss eines Menschen zu erkennen.

In der Tatinger St.-Magnus-Kirche ist nach Jahrhunderten eine Wandmalerei wieder entdeckt worden. Was sie darstellt, ist noch nicht geklärt

shz.de von
06. August 2018, 16:00 Uhr

Tating | Eine Sensation ist jetzt in der Tatinger Kirche ans Tageslicht gekommen. Beim Abnehmen des großen Epitaphs von der Südwand im Kirchenschiff war von Restaurator Marek Filipiak sowie Gudrun Fuchs und Bodo Scheffels vom Kirchengemeinderat eine Wandmalerei entdeckt worden. Auffallend ist eine große Hand zwischen vermutlich zwei Gestalten. Das Gewand der einen ist erkennbar. Die Hand scheint aus ihm hervorzukommen.

„Bemerkenswert, das wird spannend“, ist der erste Kommentar von Pieter Dubbeldam beim Ortstermin. Er ist Leiter der Bauabteilung des Kirchenkreises Nordfriesland. Genauso erstaunt ist sein Mitarbeiter Jan Kobarg, ebenfalls Architekt und Baupfleger beim Kirchenkreis.

Das Epitaph ist einer der Schätze in der Tatinger Kirche und Sibbe Nummel Boiens gewidmet. Es ist mehrere Quadratmeter groß. Gehängt worden ist es „Gott zu Ehren, der Kirchen zum Zierath und ihr zum Andenken“ am 2. Juli 1664. Vermutlich wurde die Wandmalerei vor dem 17. Jahrhundert angefertigt. „Kirchenausmalungen waren zu Zeiten der Romanik und Gotik in unserem Bereich durchaus üblich und oftmals ein Zeichen von Reichtum. Dabei wurden die Künstler zum Teil von weit her eingeladen und hatten überregionale Bekanntheit“, sagt Dubbeldam.

Nach der Reformation sollten Kirchen dann schlicht sein. Gottes Wort stand im Mittelpunkt. „Da störten Malereien“, erklärt er. „Sie wurden aber meist nur mit Kalkfarbe übertüncht. So ist es uns heute oft möglich, zumindest Teilbereiche freizulegen und wieder erlebbar zu machen“, führt Dubbeldam weiter aus. Gudrun Fuchs kann sich aus ihrer Kinderzeit noch an Ausmalungen des Chorgewölbes zum „Jüngsten Gericht“ erinnern.

Eigentlich sollte das Epitaph nur hinsichtlich der Sicherheit der Hängung untersucht und dann wieder an der Wand angebracht werden. Jetzt bleibt es vorerst abgehängt. Aus restauratorischen Gründen hat Marek Filipiak gleich Sicherungen schadhafter Stellen vorgenommen. Aufgebockt liegt es im Turmraum. Für eine Restaurierung des Epitaphs fehlt einfach Geld. Es muss gesäubert und die Farbe gesichert werden. Dazu liegen der Kirchengemeinde drei Angebote vor, die von rund 10.000 bis zu knapp über 40.000 Euro reichen. Diese Summen sind aus den Mitteln der Gemeinde nicht aufzubringen. Zumal es sich bei dem Epitaph zwar mit Sicherheit um ein wichtiges Stück der Tatinger Kirchendekoration handelt, aber sicherlich nicht die Bedeutung hat wie der dreiflüglige Altar, der ebenfalls einer Restaurierung bedarf.

Der Kirchengemeinderat hat angesichts der Finanzlage der Gemeinde beschlossen, maximal 7000 Euro aufzuwenden, um das Epitaph abnehmen, sichern und so weit als möglich säubern und restaurieren zu lassen. Er hofft nun, dass sich möglichst viele Spender finden, die zum Erhalt beitragen möchten.

Geld braucht man nun aber auch noch für die entdeckte Wandmalerei. Sie erscheint aufgrund ihrer Qualität der Ausführung mit Schattierung und Tiefenwirkung sowie der detailgetreuen Darstellung von Hand und Fingern sehr wertvoll. Duppeldam will sich nach einem für diesen besonderen Fall geeigneten Restaurator umschauen. Das werde nicht so schnell gelingen, meint er. „Wir warten die genauen Untersuchungen der Experten ab“, sagt Gudrun Fuchs. „Stellt sich heraus, dass die Malereien, wie derzeit angenommen, von hohem künstlerischen Rang sind, wollen wir sie natürlich restaurieren lassen und der Öffentlichkeit zugänglich machen.“ Für weitere Auskünfte wenden sich Interessierte an den Kirchengemeinderat oder an das Kirchenbüro, Telefon 04863/2260. Spenden werden über das Konto DE38 5206 0410 7606 4028 28, Verwendungszweck „Epitaph Sibbe Boiens, Tating“ angenommen. Es werden Spendenbescheinigungen ausgestellt.

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