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Branchen-Treff in Husum : Gegenwind gleich von zwei Seiten

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Branche in Sorge: Das Ausbau-Moratorium des Landes und die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bereiten den Windmüllern im Norden Kopfzerbrechen.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 15:00 Uhr

Obwohl allein in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr rund 350 Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 1,5 Gigawatt neu gebaut wurden, treiben Zukunftssorgen die Planer und Betreiber von Windparks im Norden um. Das zeigte sich während der achten Mitgliederversammlung des Branchenclusters „windcomm schleswig-holstein“ im Husumer Nordsee-Congress-Centrum. Ab 2017 soll die Vergütung für Strom aus Windkraft über Ausschreibungen geregelt werden, doch die genauen Bedingungen sind noch unklar: Werden kleinere Projekte mit bis zu sechs Anlagen von den Ausschreibungen ausgenommen (De-Minimis-Regelung)? Wird die Vergütung an windschwachen Standorten durch ein Rechenschema (Referenzertragsmodell) höher sein als an der Küste, sodass sich dort der Bau neuer Windkraftanlagen eher lohnt als am windreichen und damit kosteneffizienteren Küstenstandort?

„Wir fürchten nicht den Markt, sondern die Politik“, sagte Hauke Großer von der Arge Netz, einer Erzeuger- und Vermarktungsgesellschaft für erneuerbare Energie. „Hier im Norden können wir Windstrom schon jetzt zu marktfähigen Preisen produzieren. Es darf nicht sein, dass man einerseits mehr Marktaktivität verlangt, andererseits aus politischen Gründen grüne Energie aus Süddeutschland stärker fördert und den schleswig-holsteinischen Windstrom benachteiligt. Er kann hier im Vergleich zum gesamten Bundesgebiet am günstigsten produziert werden!“

Auf die Feinheiten des Paragrafen 18  a im Landesplanungsgesetz ging Dr. Jürgen Punke von der Anwalts- und Wirtschaftsprüferkanzlei Take Maracke & Partner aus Kiel ein. Die Landesregierung hatte mit diesem Paragrafen 2015, nachdem die Windenergie-Regionalpläne durch ein Verwaltungsgerichtsurteil gekippt worden waren, die Genehmigung für neue Windkraftanlagen so lange auf Ausnahmen re-duziert, bis die Landesplanung neu aufgestellt ist – laut Ziel bis 2017. „Ein Beben“ – so hatte es auch Dr. Punke empfunden – ging vor wenigen Wochen noch einmal durch die Branche, als klar wurde, dass selbst Anträge auf Repowering, also das Ersetzen alter Windenergieanlagen durch neue, dabei wie Anträge auf Neubau behandelt werden. „Dadurch sind Bestandsanlagen vom Repowering ausgeschlossen, wenn sie außerhalb der neu zu definierenden Vorranggebiete für Windkraftanlagen liegen oder nicht den aktuellen Abstandregeln entsprechen“, erklärte der Jurist. Es sei juristische Fantasie nötig, um Regelungen zu finden, die ein Repowering in Zukunft auch dort möglich machten, wo es nicht der Landesplanung entspreche. Einer Klage gegen das Ausbau-Moratorium räumt er jedoch wenig Chancen ein: „Uns läuft die Zeit davon – ein Normenkontrollverfahren dauert in den Regel erstinstanzlich anderthalb Jahre.“

Mehr als 100 Windkraft-Unternehmen aus Norddeutschland sind Mitglied im Verein „windcomm schleswig-holstein“ – von Anlagenherstellern über Zulieferer bis hin zu Planern, der Finanzierungsbranche und weiteren Dienstleistern. 60 Firmenvertreter waren nach Husum gekommen. Als Vorstand wurden Asmus Thomsen (Vorsitz) von der VR-Bank Niebüll und Volker Köhne vom Zertifizierungsbetrieb DNV GL (stellvertretender Vorsitz) wiedergewählt. Drittes Vorstandsmitglied ist Kristian Hamel von der Wirtschaftsförderungs- und Technologietransfergesellschaft Schleswig-Holstein (WTSH).

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