zur Navigation springen

Zwischen Schutz und Nutzung : Gegen zu strenge Auflagen für die Fischerei

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das nordfriesische Nationalpark-Kuratorium hat gestern seine Stellungnahme zur Regierungserklärung für die Wattenmeer-Konferenz der Niederlande, Dänemarks und Deutschlands verabschiedet.

von
erstellt am 13.Dez.2013 | 07:00 Uhr

Der Zuspruch ist hoch: Mehr als 85 Prozent der Nordfriesen und Dithmarscher stehen hinter „ihrem“ Nationalpark Wattenmeer. „Wenn wir Einheimische befragen, haben sie ihren Frieden mit dem Nationalpark gemacht“, betonte Dr. Detlef Hansen vor dem nordfriesischen Nationalpark-Kuratorium, das gestern im Kreishaus in Husum tagte.

Der Leiter der Nationalpark-Verwaltung in Tönning hatte sich durch den Vertreter des Gemeindetages im Kuratorium, Peter Ewaldsen, zu dieser Aussage motiviert gefühlt. Als es um eine Stellungnahme zum Entwurf der Minister-Erklärung für die geplante niederländisch-dänisch-deutsche Wattenmeer-Konferenz am 5. Februar 2014 in Tønder ging, war nämlich von Ewaldsen der Antrag gestellt worden, dieses Papier „komplett“ abzulehnen. Sein Hauptargument: „Die Erklärung ist zustandegekommen, ohne die Leute zu befragen, die hier leben und arbeiten.“

Nach einer kurzen Debatte nahm Peter Ewaldsen dann diesen Teil seines Antrags zurück – und hatte dennoch sein Ziel erreicht. Südtonderns Amtsvorsteher ist bekannt dafür, dass er gern provoziert, um ein Thema auf den Tisch zu bringen. Ewaldsen befürchtet grundsätzlich, dass weitere Nutzungseinschränkungen auf die Region zukommen. Dabei dachte er auch an den vorliegenden Nationalpark-Evaluierungsbericht – verfasst von einem bundesdeutschen Komitee –, mit dem sich eine Arbeitsgruppe des Kuratoriums im nächsten Jahr befassen wird (wir berichteten).

Seine Einschätzung teilte Landrat Dieter Harrsen, Vorsitzender des Gremiums: „Wir müssen Wert darauf legen, dass die Geschäftsgrundlage des Nationalparkgesetzes gewahrt bleibt – und nicht durch internationale Abkommen weitere Hürden auferlegt werden.“ Zuvor hatte Detlef Hansen bekräftigt, dass das Nationalparkgesetz als „Meisterstück des Interessenausgleichs“ gelobt wird.

Von der Mehrheit akzeptiert wurde der Vorschlag Ewaldsens, in die Präambel folgende Sätze aufzunehmen: „Die Minister begrüßen die Erfolge der vielfältigen Schutzmaßnahmen, die mit der Aufnahme des Wattenmeeres in die Welterbe-Liste der Unesco eine weltweite Anerkennung erfahren haben. Die biologischen Erfolge stehen im Einklang mit der nachhaltigen Wirtschaftsweise der einheimischen Bevölkerung. Die zukünftigen Aufgaben bestehen darin, das Erreichte zu bewahren.“

Da Nordfriesen und Dithmarscher am Ende eine gemeinsame Stellungnahme abgeben sollen, passte es, dass dem bereits gefassten Beschluss des Dithmarscher Nationalpark-Kuratoriums weitgehend entsprochen wurde. Einstimmig hat das Gremium am Ende seine Anmerkungen besiegelt. Neue Akzentuierungen der Nordfriesen betreffen neben der von Ewaldsen eingebrachten Änderung einen gestern gewünschten zusätzlichen Satz gleich am Anfang des Minister-Papiers. Danach soll die „Bekräftigung“, dass das Wattenmeer ein „so weit wie möglich natürliches und sich selbst erhaltendes Ökosystem“ sein soll mit dem Zusatz versehen werden, dass es sich „auch um einen Lebens- und Wirtschaftsraum des Menschen“ handelt. Eine weitere Ergänzung kam von Hans von Wecheln, Vertreter des Kreisverbandes Nordfriesland des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Er brach eine Lanze für den flächenhaften Küstenschutz und fand im Gremium eine Mehrheit dafür, unter Punkt 40 des Absatzes „Anpassung an den Klimawandel“ noch zu formulieren: „Die Maßnahmen des flächenhaften Küstenschutzes zum Erhalt der Insel-, Hallig- und der Wattenmeersockel sind dabei mit den Belangen des Naturschutzes abzustimmen.“

Eine Stiftung der drei Staaten für das Weltnaturerbe Wattenmeer wird grundsätzlich von den Westküstenbewohnern begrüßt; was fehlt, sind Inhalte und Ziele, haben Nordfriesen und Dithmarscher festgestellt.

Für Diskussionsstoff sorgte die Strategie zu gebietsfremden Arten. Konkret ging es um die Sportschiffer und eine für diese Gruppe angeführte Maßnahme, die nicht nur aus Sicht Hans von Wechelns unrealistisch wäre. Danach müssten bei Entdeckung einer „invasiven Art“ im Wattenmeer alle Boote aus dem Wasser genommen werden. Hans von Wecheln: „Mit welcher rechtlichen Grundlage? Und wer übernimmt die Kosten?“ Der Anhang zu diesem Thema sollte deshalb gestrichen werden, befand das nordfriesische Kuratorium.

Entscheidend ist für Dithmarscher und Nordfriesen, die Ratifizierung des Internationalen Übereinkommens zur Kontrolle und Behandlung von „Ballast-Wasser“ und Sedimenten von Schiffen durch alle drei Staaten zu begrüßen – und dass im Zusammenhang mit der Verklappung von Hafenschlick das Risiko der Einschleppung fremder Arten berücksichtigt wird.

Knackpunkte waren die Vorschläge für nachhaltige Fischerei in dem Entwurf. So kritisierte Hans von Wecheln den in einem Anhang verwendeten Begriff „Starke Nachhaltigkeit“ – dieser warf bei ihm die Frage auf, wer denn das „stark“ definiere. Auch Nullnutzungsgebiete, regelmäßige Verträglichkeitsprüfungen und Black Boxes auf jedem Schiff fanden keine Zustimmung. Hans von Wecheln: „Es gibt kaum einen überwachteren Arbeitsplatz als den des Fischers. Wir sollten nachhaltige Fischerei über EU-Regelungen gestalten.“

Nordfriesen und Dithmarscher fordern deshalb, den Anhang 5 zu streichen ebenso wie die Punkte 19 bis 24. Über den Bundesfischereiverband eingebrachte neue Ansätze wurden mit einem Abstimmungsergebnis von 9:10 vom Kuratorium abgelehnt. Dafür sitzen die Nordfriesen nun mit den Dithmarschern in einem Boot und fordern allgemein einen „besseren Schutz des Ökosystems und Chancengleichheit für den Fischereisektor“ im Wattenmeer – und das mit Verweis auf Paragraf 2 des Nationalparkgesetzes, nach dem „unzumutbare Beeinträchtigungen der Interessen und herkömmlichen Nutzungen der einheimischen Bevölkerung zu vermeiden“ sind.

Deutliche Worte gegen die Einlagerung von Kohlendioxid sowie die Förderung von Gas und Öl mit der „Fracking“-Methode sollen ebenfalls Eingang finden in die Minister-Erklärung – wenn es denn nach dem Willen der Westküste geht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen