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Wichtige Wirtschaftszweige in Gefahr : Gegen weitere Nullnutzungszonen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste moniert, dass bei der bevorstehenden 12. Wattenmeerkonferenz im dänischen Tondern Einschränkungen für die Fischerei in die Ministererklärung eingearbeitet werden sollen.

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) kritisiert die Ziele zum Schutz des Wattenmeeres, die das Bundes-Umweltministerium in einer internationalen Regierungskonferenz der Niederlande, Deutschlands und Dänemarks am Donnerstag in Tondern beschließen lassen will. „Mehrere Eckpunkte darin gefährden wichtige Wirtschaftszweige der Küstenregion, ohne der Natur zu nützen“, warnt der stellvertretende Vorsitzende der SDN, Gerd-Christian Wagner. Entscheidend ist für ihn, das Wattenmeer nicht allein als wertvollen Natur-, sondern auch als Lebens- und Wirtschaftsraum des Menschen zu erkennen. Wagner: „Dieser Gedanke muss unbedingt in die Ministererklärung eingearbeitet werden.“

Deshalb sprechen sich die Meeresschützer gegen die vom Land Schleswig-Holstein geforderte Erweiterung von nutzungsfreien Zonen aus. Jede Erhöhung des Anteils nutzungsfreier Flächen führe zu einem höheren Fischereidruck auf den verbleibenden Nutzflächen oder ruiniere einzelne Betriebe. „Es handelt sich um eine bloße Vermutung, dass sich die Nullnutzungszonen in einem ökologisch wesentlich besseren Zustand befinden als die Zonen, in denen gefischt wird. Obwohl das nicht wissenschaftlich belegt ist, soll es nun als Begründung dafür dienen, die Fischerei noch weiter zurückzudrängen. Das darf nicht passieren“, betont Wagner.

Positiv bewertet er, dass sich Deutschland in der Konferenz gegen die künstliche Einwanderung gebietsfremder Arten stark machen will. Doch sogar völlig auf die Einfuhr von Saatmuscheln zu verzichten, wäre das Ende etwa für die „Sylter Royal“-Austernkultur. „Damit würde man weit über das Ziel hinausschießen.“ Alle natürlicherweise im Wattenmeer vorkommenden Arten müssten innerhalb des Gebietes ausgetauscht werden dürfen: wie Muschelsaat zwischen Deutschland und den Niederlanden.

Kritisch bewertet die Schutzgemeinschaft zudem, dass das Umweltministerium neue Einschränkungen mit dem Prädikat Weltnaturerbe begründet. Der SDN-Vize: „Der Status des Wattenmeeres als Weltnaturererbe ist kein eigenes Rechtsinstrument, sondern eine Auszeichnung der Unesco, die erst durch Schutzanstrengungen vor Ort ermöglicht wurde. Mit der Vorlage einer eigenen internationalen Strategie für das Welterbegebiet muss sich die Bevölkerung zwangsläufig getäuscht fühlen.“

Bemängelt wird die späte Vorlage der Ministererklärung, die den Betroffenen erst „nach langen vier Jahren der Erarbeitung“ zugestellt wurde und für eine gründliche Beurteilung nur wenige Monate Zeit lasse. Wichtige Anlagen würden zu langsam nachgereicht. Dieses Vorgehen nähre Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Beteiligungsverfahrens. Das Fazit der Schutzgemeinschaft: „Da die Anhänge, die überwiegend nicht bekannt sind, erst deutlich machen, was in den kommenden Jahren zu erwarten ist, kann dem Papier nicht zugestimmt werden.“

Die Einwände der Meeresschützer liegen im Ministerium in einer detaillierten Stellungnahme vor und sind im Internet (www.sdn-web.de) nachzulesen.

 

Zur Information: Trilaterale Regierungskonferenzen zum Schutz des Wattenmeeres sind eine Einrichtung der drei Wattenmeer-Anrainerstaaten Niederlande, Deutschland und Dänemark und finden seit 1978 regelmäßig statt, derzeit im drei- bis vierjährigen Turnus. Die 12. Konferenz ist für den 5. Februar im dänischen Tondern  anberaumt.

Die SDN ist ein Zusammenschluss von Kreisen, Kommunen, Vereinen, Wirtschaftsverbänden und Privatleuten an der deutschen Nordseeküste. Seit mehr als 40 Jahren engagiert sich der Umweltschutzverband für die Erhaltung des Meeres als Lebens-, Wirtschafts- und Naturraum.

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erstellt am 04.Feb.2014 | 17:00 Uhr

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