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Absturz vor 35 Jahren : Gedenkstein in der Südermarsch

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Versteckt in der Natur bei Husum erinnert eine Stele an einen Flugzeug-Absturz vor 35 Jahren – jetzt wurde sie wiederentdeckt und auf Vordermann gebracht. Doch wer hat den Stein aufgestellt?

Wäre der Rantrumer Reinhold Günther, selbst früher Jet-Pilot im ehemals in Husum stationierten Jagdbombergeschwader 41, nicht so gern in unberührter Natur unterwegs, er hätte den Gedenkstein im moorigen Gelände der Südermarsch wohl kaum entdeckt. So aber fand er die versteckt stehende Stele, las die Inschrift – und machte sofort andere Mitglieder der Traditionsgemeinschaft des Luftwaffen-Verbandes auf den vermoosten Stein aufmerksam.

Dieser war offensichtlich aufgestellt worden, um an Oberleutnant Matthias Fischer zu erinnern, der am 28. Oktober 1980 kurz nach dem Start vom Flugplatz Schwesing zehn Kilometer südöstlich von Husum zwischen Koldenbüttel und Rantrum mit seinem Jet vom Typ Fiat G.91 abgestürzt war. Er hinterließ seine Ehefrau und zwei Kinder. Wer allerdings den Stein gesetzt hat, ist unklar.

Lange ist der Unfall her, doch nicht vergessen, und so war es für Siegfried Gründer und Hans Kössler von der Traditionsgemeinschaft eine Selbstverständlichkeit, sich um die Gedenkstätte zu kümmern. „Der Stein hatte durch die Jahre witterungsbedingt Patina angesetzt, die Inschrift war allerdings noch gut lesbar. Wir haben ihn gründlich gereinigt, das Fundament verstärkt und er bekam ein attraktives Umfeld aus Kieselsteinen“, so Gründer.

Doch was genau hatte sich damals – vor fast 35 Jahren – eigentlich ereignet? Es geschah beim Blindflug-Training: Oberleutnant Fischer übte mit dem damaligen Hauptmann Wolfgang Rilinger den Flug nach Instrumenten. Rilinger musste unmittelbar an Fischer, der die Zweierformation führte, dranbleiben. „Das heißt, ich musste mit der eigenen Maschine in einem Abstand von nur wenigen Metern hinter ihm herfliegen“, erzählt Rilinger. Für beide Piloten war es an diesem verhängnisvollen Tag schon der zweite Flug, allerdings hatte sich das Wetter stark verschlechtert: Windböen peitschten den Regen durch die Luft und die Sicht war miserabel. „Plötzlich sah ich meinen Rottenführer nicht mehr“, berichtet Rilinger von den letzten Sekunden vor Fischers Absturz. „Noch heute denke ich oft an die bangen Minuten der Ungewissheit zurück, bis ich in Erfahrung bringen konnte, was passiert war. Mehrfach versuchte ich, Funkkontakt zu bekommen, erhielt aber keine Antwort. Da war nichts mehr .  .  .“ Rilinger hatte selbst genug damit zu tun, sein Flugzeug in eine sichere Höhe zu bringen. Erst nachdem er sich bei der zuständigen Flugsicherungsstelle abgemeldet hatte, sei er über das Geschehen informiert worden. Wahrscheinlich hatte räumliche Disorientierung dafür gesorgt, dass Fischer beim Einflug in die Wolkendecke die Orientierung verlor und seinen Jet in den Boden lenkte. Ein schwarzer Tag für das Geschwader, das zu diesem Zeitpunkt seit 20 Monaten unfallfrei geflogen war.

Wer diesen Stein der Erinnerung gesetzt hat und wann das gewesen ist, ließ sich trotz intensiver Recherche nicht in Erfahrung bringen. Vielleicht weiß ja ein Leser mehr darüber.

 

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