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Umleitungs-Chaos um Garding : Gardings Kaufleute beklagen Einbußen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wegen der missverständlichen Umleitung fahren viele Kunden gar nicht mehr in die Stadt hinein – obwohl es möglich ist.

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 12:00 Uhr

So schwarz wie der Asphalt, der derzeit auf die B 202 aufgetragen wird, ist die Stimmung in der Geschäftswelt von Garding. Schuld ist die missverständliche Ausschilderung der Umleitung rund um Garding. Es kommen seit dem 16. Oktober deutlich weniger Kunden in die Stadt. Die Folge: starke Umsatzeinbußen.

Wegen der Sanierung der Bundesstraße zwischen Garding und Tating-Heisternest wurde die Umleitung eingerichtet. An allen großen Zufahrten in die Mommsen-Stadt wurden weiträumig Durchfahrtsverbots-Schilder aufgestellt mit dem Hinweis: Anlieger frei bis zur Baustelle. Allerdings ohne den Hinweis, dass man sehr wohl noch in die Stadt hinein- und auch wieder hinausfahren kann. Denn die Baustelle beginnt erst kurz vor dem Ortsausgang Richtung St. Peter-Ording. Doch viele Autofahrer halten sich genau an die Schilder, fahren nicht mehr in die Stadt hinein. Darum sind sich alle befragten Geschäftsleute einig: Der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr (LBV) muss dringend die Beschilderung um den Hinweis erweitern: „Bis Innenstadt Garding frei“.

„Uns fehlen 30 bis 40 Prozent Umsatz“, sagt Carin Klamberg von Schuh-Friedrich in der Süderstraße. Es kämen keine Spontan-Kunden mehr. Zudem trifft es das Geschäft wie viele andere zum falschen Zeitpunkt. „Wegen der Herbstferien ist der Oktober normalerweise ein sehr umsatzstarker Monat“, sagt ihr Mann Hans-Holger Friedrich. Beide fürchten verheerende Folgen, sollte die gesamte Baumaßnahme wie angekündigt noch bis Mai andauern. Auch Dagmar Rahlff-Ohling, die mit ihrem Mann Dirk einen Landladen an der B 202 betreibt, spricht von einer echten Katastrophe. „Wir sind von dem Urlauber-Geschäft total abhängig. Wir haben nur zehn Prozent von dem Umsatz, den wir sonst in den Herbstferien haben. Es sind derzeit keine 50 Euro am Tag.“ Ab nächster Woche wollen sie das Geschäft erst donnerstags öffnen, bereits jetzt schließen sie eine Stunde früher.

„Es ist, als ob es Garding gar nicht mehr gibt“, sagt Dirk Hoffmann, Inhaber eines Elektro-Fachmarktes in der Süderstraße. „Teilweise kommt die Ware nicht an, weil die LKW-Fahrer nicht am Durchfahrtsverbot-Schild vorbeifahren.“ Auch er spricht von einer Umsatzeinbuße von 30 Prozent. Neben den Feriengästen und Zweitwohnungsbesitzern fehlen ihm auch die Einheimischen. Viele halten sich an die Sperrung. Stammkunden riefen an, ob sie überhaupt nach Garding durchkommen können. Ursprünglich habe es geheißen, dass die Baumaßnahme im Dezember abgeschlossen sein solle, jetzt sei von Mai die Rede. Er kritisiert auch den Zustand der Bürgersteige, die für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte teilweise nicht mehr nutzbar seien.

Matthias Fehlberg, Marktleiter von Schröder Bauzentrum, beklagt – wie die anderen auch – die Länge der Baumaßnahme. Auch die Bauarbeiten im Sommer hätten schon zu Einbußen geführt. „Das darf bei der nächsten Baustelle mit der Beschilderung nicht so laufen.“ Warum ist das Schild „Durchfahrt verboten“ nicht erst an der Einmündung der Welter Straße und der Poppenbüller Chaussee aufgestellt worden, fragt auch Optiker Ole Schmitz. Dann wären noch alle nach Garding reingefahren. An seinem schlimmsten Tag habe er nur zwei Kunden gehabt. Er fürchtet um seine Existenz.

Der Gardinger Gewerbeverein hat sich der Sache angenommen und sich an den LBV gewandt, mit der Bitte, für eine bessere Ausschilderung zu sorgen, so der Vorsitzende Serge Hatzenbühler. „Denn so geht es gar nicht. Auch wenn ich Verständnis habe, dass etwas gemacht werden muss.“

Und dieser Bitte will der LBV nun auch nachkommen. Spätestens mit dem Beginn des nächsten Sanierungsabschnitts zwischen Katharinenheerd und Garding soll überall der Hinweis erscheinen, dass der Weg in die Innenstadt von Garding frei ist, so der stellvertretende Leiter der Filiale Flensburg, Heiko Tessenow, auf Anfrage. Er zeigte sich erstaunt über die Folgen für die Geschäftswelt. Der jetzige Abschnitt zwischen Garding und Tating soll voraussichtlich ein paar Tage später als geplant fertig werden, also erst in der Woche nach dem 5. November. Es seien mitten auf der Strecke Wetterschäden aufgetreten. Um nicht in Zeitverzug zu geraten, würde mit dem Abschnitt zwischen Garding und Katharinenheerd möglicherweise bereits am 6. November begonnen werden. Das wäre für die Gardinger und ihre Kunden dann wirklich unbequem, weil der Verkehr nur noch über Welt und Poppenbüll in den Ort fließen könnte.

Bürgermeisterin Andrea Kummerscheidt bedauert die „grenzwertige Situation für die Geschäftswelt“, sie selbst habe ihren Fahrradverleih wegen der Baumaßnahme bereits Mitte September schweren Herzens geschlossen. „Es ist eben eine Bundesstraße, da haben wir keinen Einfluss auf die Baumaßnahme.“ Sie habe einen Mitarbeiter der Amtsverwaltung damit beauftragt, mit dem LBV zu reden. Dieser sei aber erst am Montag wieder im Haus.

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