Garding rockt den Sommer

Bis in den späten Abend wird bei der Musikantenbörse auf der Straße ausgelassen getanzt.  Foto: rah
Bis in den späten Abend wird bei der Musikantenbörse auf der Straße ausgelassen getanzt. Foto: rah

Immer dienstags findet im Juli und August die Musikantenbörse statt / Bis zu neun Bands und Solokünstler spielen pro Abend

shz.de von
20. Juli 2013, 04:59 Uhr

Garding | Die Abendsonne lacht vom wolkenlosen blauen Himmel über Garding. "Es ist Musikantenbörse. Das passt", sagt Thomas Gäthje strahlend. Er ist einer der Ehrenamtler, die rund um das Ereignis für den richtigen Ton und die Lichteffekte sorgen. Gerade hat die Glocke der St.-Christian-Kirche den Feierabend eingeläutet. Die Geschäfte schließen. Emsiges Treiben macht sich in der Enge Straße, am Hopfenmarkt und in der Fahrtstraße breit. Gut 30 Freiwillige starten in Windeseile durch, stellen Absperrungen für den üblicherweise dort fließenden Verkehr auf, weisen den fahrenden Händlern ihre Plätze zu, bauen die Bühnen und helfen den herbeieilenden Musikern beim Aufbau ihrer Anlagen und Entladen des Equipments mitsamt den Instrumenten. Nur 60 Minuten haben sie Zeit. Um 19 Uhr soll der Startschuss fallen. "Das schaffen wir locker. Wir haben Übung", sagt Gäthje gelassen, während schon die ersten Gäste die Innenstadt stürmen und es sich auf den Bänken an den Biertischen vor der Musikkneipe "Lütt Matten" oder den anderen Bühnen bequem machen.

Dann eröffnet Rainer Martens, Chef besagter Musikkneipe sowie des Vereins Musik für Garding, den mittlerweile dritten Abend des Events, das seit vielen Jahren immer im Juli und August in Garding über die Bühne geht. Fünf weitere folgen noch. In der Engen Straße spielt als erstes die Eiderstedter Skiffle-Band Jug Water mit der Nordstrander Washboard-Queen Martina Leibner. Die zieht gleich alle Register ihres Könnens auf den selbstgebauten Schlagwerken.

Die Stimmung ist jetzt schon gut. "Das wird ein toller Abend", sagt Besucherin Doris Knaack aus Heide. Sie sei seit Jahren regelmäßig dabei. "Es ist eine tolle Atmos phäre hier. Jeder findet etwas für seinen Musikgeschmack, und auch sonst ist für alles gesorgt", erklärt sie. Nicht nur an diesem Standort ist gute Laune angesagt, auch an den anderen vier - und das bis 23 Uhr. Während am Hopfenmarkt die Newcomer des Jahres, die Akteure der Gruppe Goldmouth mit harter Rockmusik ihre Fans begeistern, gibt es auf der Bühne vor Dat Kontor eine Mischung aus 1980er Synthie-Pop, Indie und Rock von der Gruppe Matten Zwei. Mit tanzbarer Rock- und Pop-Musik bringt die Flensburger Band Vico danach die Gäste in Schwung. Groß ist die Zuhörergemeinde im Alten Rathaus um die norwegische Gute-Laune-Folk-Band Feleboga, was so viel heißt wie Fiedelbögen. "Faszinierend ist das, der norwegischen Folklore zuzuhören", so Annegrete Nissen aus Tönning. Auf der Offenen Bühne beim Café La Cremá erfreuen das Nachwuchs-Duo Jolumusic mit Julia und Louisa Marie Mohr sowie die Gruppe Vörland mit plattdeutschen Songs ihre Zuhörer.

Zu "Rausschmeißern" im positiven Sinne werden die Musiker der Billbrook Bluesband am Hopfenmarkt. Sie schaffen es bis zuletzt, ihr Publikum zum Tanzen zu animieren. Der Ausnahmekünstler Stefan em Huisken lässt mit friesisch-bretonischen Klängen und Liedern den Abend vor dem Lütt Matten ruhig ausklingen.

Phänomen und Erfolgsgeschichte seit mittlerweile 16 Jahren ist die Musikantenbörse mit Live-Musik auf fünf Bühnen. An acht Dienstagabenden im Juli und August zieht sie alljährlich rund 15 000 Besucher in die Mommsen-Stadt. Dabei hat alles klein angefangen, geboren aus einer Idee des Liedermachers Rainer Martens. "Nach Absprache mit dem Bürgermeister bin ich damals mit einer Sommermeile vor meinem Lokal gestartet", erläutert er. Tische und Stühle seien davor aufgebaut worden, und Musiker hätten live gespielt. Das habe wie eine Bombe eingeschlagen. Viele Einheimische und Urlaubsgäste hätten das Angebot vom ersten Augenblick an gut angenommen. Knut Kiesewetter habe den Gedanken weiter entwickelt und die Musikantenbörse kreiert. Zunächst sei sie Forum für Nachwuchskünstler gewesen. Mittlerweile könne er sich mit seinem ehrenamtlichen Team vom Verein Musik für Garding kaum noch retten vor Anfragen auch gestandener Musiker, die gern auftreten wollen. "Wir achten darauf, dass mindestens die Hälfte der Künstler Newcomer sind", so Martens. Der Verein sei im Jahr 2000 gegründet worden, um der Veranstaltung ein festes Gerüst zu geben. Bei derzeit 300 Mitgliedern, die 12,78 Euro jährlich an Mitgliedsbeiträgen zahlen, sei auch eine gewisse finanzielle Grundlage da, obwohl es ohne Sponsoren, in der Regel Gardinger Unternehmen sowie Betriebe aus der Region, nicht ginge. Gut 30 freiwillige Helfer sind regelmäßig jeden Dienstag unentgeltlich im Einsatz. Sie kümmern sich um das stimmige Drumherum undden reibungslosen Ablauf. Es sollen nicht nur die ortsansässigen Geschäftsleute und Wirte von der Veranstaltung profitieren, sondern auch die reisenden Gewerbetreibenden und die gesamte Region inklusive der Touristen. Info: www.musik-fuer-garding.de.

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