Garding : Garding im Fastnachtsboßel-Fieber

Funkenmariechen gehören zum Programm.
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Funkenmariechen gehören zum Programm.

Die Gardinger feiern Karneval auf ihre Art, nämlich mit dem Fastnachtsboßeln. Dazu gehören Boßelwettkampf, Ball und Büttenreden.

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12. Februar 2018, 08:30 Uhr

Garding | Es ist schon ein Phänomen. Alljährlich am Sonnabend vor Rosenmontag ist die Dreilandenhalle in Garding fest im Griff der Närrinnen und Narren. Wie in den Karnevalshochburgen der Republik oder in der norddeutschen Hauptstadt des bunten Treibens, Marne, wird auch in der Mommsen-Stadt die fünfte Jahreszeit eingeläutet. Statt Alaaf oder Helau schallt hier aber der Boßel-Schlachtruf Lüch op durch den Saal – und das ziemlich oft. Denn traditionell feiern die Mitglieder des Manns- und Fruunsboßelvereen Schambüllsenn Gaarngeest Leegesee ihren Fastnachtsboßelball.

Der Spaß begann bereits am Nachmittag mit einem fröhlichen Boßelumzug durch die Stadt vom Feuerwehrgerätehaus zum Wettkampfplatz. 29 Männer und Frauen maßen ihre Kräfte, wobei der Spaß im Mittelpunkt stand und nicht die Leistungen. Genügend wärmende Getränke hatten sie auch „an Bord“ ihres Bollerwagens. Und unterwegs gab mancher Hauseigentümer der munteren Truppe Wegzehrung in flüssiger oder fester Form mit. Die gute Laune stieg von Minute zu Minute. Am Ende siegten – wie im vergangenen Jahr – die Frauen.

Zurück ging es in die festlich geschmückte Halle. Viele Freiwillige hatten sie in Karnevalsglanz versetzt. Vereins-Chefin Elke Katryniak begrüßte mit ihrem Vorstandsteam viele Gäste. Kaffee und frische Heedewecken entfachten die Lebensgeister der Boßler neu. Klönschnack und ein kleines Rahmenprogramm gab es wie gewohnt. Und selbst getanzt und geschunkelt wurde schon am Nachmittag. Dafür sorgte DJ „Olli“, alias Olaf Haulsen, auch mit Gesangs- und Trompeten-Solo-Einlagen.

Gut besucht war der mittlerweile 119. Festball am Abend. Gäste aus Wirtschaft, Vereinen, Politik und viele Bürger gaben sich ein Stelldichein. Alt und Jung tobten sich auf der Tanzfläche aus. Großen Beifall erhielten Merle Schwerdt, Antonia Cornils, Mimi Scharf, Nele Andresen und Sarah Bargmann, die sich zu einer neuen Formation der Gardinger Funkenmariechen zusammengeschlossen hatten. Wie berichtet hatte sich Uta Manthey im vergangenen Jahr mit ihren Mädels verabschiedet. Nach 21 Jahren, so hatte die ehemalige Trainerin gesagt, müssten jüngere an die Front. Mit Melanie Bergmann hatte sie eine Nachfolgerin gefunden. „Wir sind klein angefangen, aber wir haben viel Spaß, und es wird weitergehen. Wer Lust hat mitzumachen, ist willkommen“, so ihr Aufruf in die Runde.

Erneut waren Sketche und die Büttenrede ein Muss. Obwohl Liedermacher und Kneipenwirt Rainer Martens mitfeierte, ließ er sich nicht breitschlagen, wieder in die Bütt zu steigen. „Annekatrin und Ellen moken dat gut“, so sein Kommentar. So gaben sich Annekatrin Marwig und Ellen Effertz zum zweiten Mal die Ehre und betrachteten das Leben und einzelne Geschehnisse in Garding aus humoristisch-satirischer Sicht. Besonders die „ewige“ und lange Zeit für Gesprächsstoff sorgende Baustelle mit Irrwegen für alle zogen sie genüsslich durch den Kakao. Die Vorsitzende bedankte sich für die Geldspenden. Nur so habe das Fest wieder auf die Beine gestellt werden können. „Wir sehen uns zum 120. Lüch op“, rief Katryniak den Gästen zu. Seit 1899 gibt es den Verein und seither das Fastnachtsboßeln.

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