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Zeit für Krimis : Gänsehaut mit regionalem Bezug

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Husum und die Nordsee stehen als Tatorte für Krimis hoch im Kurs – ganz gleich, ob mit zeitgenössischem oder historischem Hintergrund. Vor allem Harald Nygaard hat sich eine große Fangemeinde erschrieben.

Husum und Umgebung sind als Tatort für Nordsee-Krimis sehr beliebt. Zahlreiche Autoren haben sich Nordfriesland als Handlungsort für ihre Geschichten ausgesucht. Husumer Buchhändler und Experten verraten, welche Krimi-Autoren angesagt sind und was in der Region gelesen wird.

„Es ist immer wieder Hannes Nygaard“, sagt Imke Tannert, Filialleiterin der Husumer Buchhandlung Liesegang. „Vor 13 Jahren hat er seinen ersten Titel geschrieben, soeben sein 30. Buch veröffentlicht.“ Wenn man Nygaards Bücher lese, laufe der Leser mit durch Husum. „Es ist immer sehr eindeutig, wo der Kommissar sich gerade aufhält. Einmal lag eine Leiche sogar vor unserer Buchhandlung“, sagt Tannert. Dieser Aspekt sei bei keinem anderen Autor so ausgeprägt wie bei Nygaard.

Sowohl Einheimische als auch Touristen lesen seine Bücher. „Wer einmal angefangen hat, liest sie alle. Manche Leser kommen in den Laden und fragen nach dem neuesten Nygaard.“

Der Autor produziert, wie viele andere, in Serie. „Nygaard ist besonders zuverlässig. Jeweils im Frühjahr und Herbst gibt es einen neuen Krimi von ihm“, bestätigt Astrid Seemann von der Schlossbuchhandlung. Er mache es so, wie man es machen sollte. „Nygaard hat unglaublich viele Fans.“

Die Beliebtheit des Autors, der auf Nordstrand wohnt, sei auch auf seine charmante und hintersinnige Art zurückzuführen, ist sich Tannert sicher. „Er ist gerade in Husum mit Lesungen und Signierstunden sehr präsent. Und seine Verschmitztheit spiegelt sich in den Krimis wieder.“

Auch in Tilmann Spreckelsens neuem Krimi „Der Nordseeschwur“ deckt der Protagonist, Rechtsanwalt Theodor Storm, gemeinsam mit seinem Schreiber Peter Söt Fälle im historischen Husum auf. „Spreckelsen weiß, die Atmosphäre von damals bemerkenswert zu beschreiben“, sagt Astrid Seemann. Der dritte Theodor-Storm-Krimi kommt Ende Juli auf den Markt.

Die meisten anderen Nordsee-Krimis spielen jedoch in der heutigen Zeit. In manchen kommen sogar reale Personen als Figuren vor. „Der regionale Bezug spielt natürlich eine große Rolle. Gerade da es sich um eine Sehnsuchtsregion handelt“, sagt Petra Wendler vom Gmeiner Verlag. Nicht nur Einheimische, sondern auch Touristen verbinden mit der Nordseeküste eine gewisse Atmosphäre und Stimmung.

Aber auch thematisch seien die Nordsee-Krimis aktuell interessant. „Unsere Publikationen greifen regionale gesellschaftliche und politische Themen auf“, erklärt die Pressesprecherin. Die Krimis seien nicht sehr blutig, meistens eher leichterer Lesestoff.

In Nordfriesland sei Sandra Dünschede eine beliebte Krimi-Autorin. „Ihre Bücher über die Fälle von Kommissar Thamsen oder Peer Nielsen kommen sehr gut an“, bemüht Wendler die Verkaufszahlen. Die Autorin sei in Nordfriesland auch in Lesungen sehr präsent. Ihr neuster Nordsee-Krimi kam Anfang des Jahres heraus: „Friesennebel“ ist bereits der zehnte Fall von Kommissar Thamsen. „Gerade in der Küstenregion setzen viele Leser auf Serien“, erklärt Wendler.

Die Publikationen von den Sylterinnen Dora Heldt und Gisa Pauly seien ebenfalls sehr beliebt. „Pauly schreibt mit einem kleinen Augenzwinkern. Die Geschichten rund um Mamma Carlotta sind humorvoll verpackt.“

Auch hier greife die Regionalisierung. „Die Leute sind da zu fassen, wo sie zuhause sind – wo sie sich zuhause und geborgen fühlen“, sagt Seemann. Es sei ähnlich wie mit Kindheitserinnerungen. „Wenn manche Leute Hühnersuppe essen, kommen auch alte Erinnerungen hoch.“ Und gerade in Zeiten, wo die Menschen so viel unterwegs sind, werde das eigene Zuhause immer wichtiger.

„Den Wind, das Wetter und Fahrradfahren – mit allen Sinnen spüren. Für manche Leute ist das Buch wie ein Tag Urlaub“, sagt Seemann. Heute sei es üblich, sich einen Krimi aus der Region mitzunehmen, in die man fährt.

Die Nordsee-Krimis werden häufig aufgrund ihrer schlichten Handlungen als „leichte Kost“ abgetan und aus literarischer Sicht belächelt. „Literatur ist, wenn die Geschichten die Menschen erreichen“, definiert Seemann ihren eigenen Begriff. Und das schaffe Nygaard.

Seit Jahren lassen sich Krimi-Autoren von der nordfriesischen Landschaft inspirieren. „Als Autorin gehe ich mit offenen Augen durch die Welt, dabei springen mich die Ideen regelrecht an – Schauplätze, Personen, Themen aus denen sich oft ein Plot entwickeln lässt“, beschreibt Sandra Dünschede die Entstehungsgeschichte ihrer Bücher.

Wie gut der Verkauf der Nordsee-Krimis in Husum läuft, zeigt Tannert an einem Beispiel: „Bei einer weltbekannten Autorin wie Elisabeth Georg hat die Erstbestellung einer Neuveröffentlichung eine Auflage von etwa 100 Büchern. Wenn Nygaard ein neues Buch publiziert, bestellen wir gleich 500 Stück“, erläutert die Buchhändlerin. Und das, obwohl der Krimi-Autor weniger bekannt sei – aber in der Region dann eben doch.

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erstellt am 29.Mai.2017 | 16:00 Uhr

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