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Kreistag Nordfriesland : Gänsefraß: Land soll Ausgleich zahlen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ernteverluste und verkotete Flächen: Das Land soll betroffenen Landwirten die von Gänsen verursachten Schäden finanziell ausgleichen. Das fordert der nordfriesische Kreistag.

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erstellt am 24.Mär.2015 | 13:00 Uhr

Wie viele Gänse sich auf Wiesen und Äckern an der Westküste satt fressen, weiß niemand ganz genau. Aber Zigtausende sind es allemal. Und ähnlich sieht es mit den Schäden aus, die die wildlebenden Tiere auf landwirtschaftlichen Flächen anrichten. Sicher ist nur: Für einige betroffene Landwirte, etwa auf der Halbinsel Eiderstedt, geht der Gänsefraß an die Existenz. Die Dauer-Problematik beschäftigte den nordfriesischen Kreistag denn auch bereits zum wiederholten Mal. Schleswig-Holsteins Landesregierung wurde schließlich mit großer Mehrheit aufgefordert, den in der Landwirtschaft durch diese Gänse entstehenden Schaden finanziell auszugleichen. Den entsprechenden Antrag hatten die Fraktionen von CDU, Wählergemeinschaft Nordfriesland, FDP und Grünen gemeinsam eingebracht.

Manfred Uekermann (CDU) machte deutlich, dass ein Schadensausgleich seitens des Landes immer wieder abgelehnt worden sei mit der Begründung, eine derartige Subvention wäre nicht konform mit Vorschriften der Europäischen Union für staatliche Beihilfen. Gemäß einer Anfrage des Europaabgeordneten Reimer Böge bei der EU-Kommission sei das allerdings mitnichten der Fall. Vielmehr stehe es den Mitgliedsstaaten frei, Maßnahmen zum Schutz wildlebender Tiere und ihrer etwaigen Wechselwirkung mit der landwirtschaftlichen Erzeugung in ihre Programme im Zahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) einzubeziehen. Räumlich eingegrenzt – allerdings ohne die Inseln – gebe auch im Zuge des Halligprogramms Möglichkeiten, Nutzungsausfälle zu entschädigen. Der Sylter Uekermann forderte deshalb das Land auf, „nachzubessern und einen Ausgleich für Gänseschäden auch zu finanzieren.“

Demgegenüber bezweifelt Thomas Nissen, dass eine neuerliche Resolution zielführend ist. Statt einen Ausgleich Hundert-Prozent-Ausgleich aus Landesmitteln zu fordern, was schnell eine Summe im siebenstelligen Bereich bedeuten könne, sei es sinnvoller, eine Kompensationsmöglichkeit über den Vertragsnaturschutz zu finden. Dadurch würden in Nordfriesland bereits heute rund 300.000 Euro für betroffene Flächen von insgesamt 1000 Hektar gezahlt, wobei dabei „die EU maßgeblich die Kosten trägt“. Thomas Nissen und Ulrich Stellfeld-Petersen (SSW) plädierten deshalb dafür, zunächst im zuständigen Fachausschuss des Kreistages eine Strategie festzulegen, wie das Land dazu gebracht werden kann, in dieser Frage für Ruhe zu sorgen. Ansonsten werde es im nächsten Jahr wieder eine erfolglose Resolution geben.

Raschen Handlungsbedarf sehen hingegen Gabriele Edlefsen (WG-NF) und Gudrun Eufinger (FDP). Ein Schadensausgleich für die betroffenen Landwirte. müsse jetzt bei der Landesregierung angemahnt werden. Und dieser sei „eindeutig rechtens“, sagte Eufinger.

„Die Zeit läuft uns davon“, bekräftigte der Pellwormer CDU-Abgeordnete Martin Jansen. Der Bestand an Gänsen nehme kontinuierlich zu und diese Entwicklung werde sich durch den Klimawandel verschärfen. „Die Auswirkungen für die Landwirtschaft sind in den betroffenen Gebieten existenzbedrohend“, betonte Jansen. Deshalb komme man um Ausgleichszahlungen des Landes nicht herum. Der Vertragsnaturschutz könne dabei nur eine Teillösung sein, denn die Gebietskulisse sei „viel zu eng gefasst“.

Martin Jansen verwies im Übrigen darauf, dass der Landtag bereits im Dezember vergangenen Jahres die Landesregierung aufgefordert hatte, dafür Sorge zu tragen, ausreichend Landesmittel für die Entschädigung von Gänsefraßschäden auf den Inseln, Halligen und auf dem Festland bereitzustellen. Aber: „Von einer Umsetzung des Beschlusses weiterhin keine Spur!“ Probleme müssten gemeinsam gelöst werden, warb Martin Jansen. Und: „Bei der Eingliederung des Wolfs ist das Land bereit, mit mehreren 100.000 Euro zu unterstützen. Dann müsste es doch möglich sein, auch bei extremen Gänseschäden eine angemessene Entschädigung im Haushalt einzuplanen, um den betroffenen Landwirten eine Perspektive zu bieten.“ Ein großes Problem dabei, so Uekermann: Die Höhe der Schäden sei nicht zu beziffern, weil es keine amtliche Erfassung mehr gebe. Andernfalls würden die Einbußen für die Landwirte viel mehr Menschen bewusst.

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