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Fress-Schäden : Gänse in Nordfriesland: Jetzt soll der Landtag die Invasion managen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Fraßschäden durch Gänse nehmen zu. Vor allem Landwirte in Nordfriesland sind die Leidtragenden. Im Landtag wird deshalb jetzt ein umfassendes Gänsemonitoring und -management auf den Weg gebracht.

Kiel | Für die einen bieten sie ein grandioses Naturschauspiel, für die anderen sind sie schlicht Boten des Unheils. Wenn an der Westküste Gänse zu Zehntausenden einfliegen und sich auf Feldern und Wiesen satt fressen, bangen Landwirte in Eiderstedt, auf Inseln und Halligen oder auch an der Küstenlinie um ihren wirtschaftlichen Erfolg. Wie viele Gänse sich auf Flächen am Rande des Wattenmeer-Nationalparks gütlich tun und diese verkoten, ist nicht exakt zu beziffern. Welche Schäden zuletzt durch Gänsefraß entstanden sind, ermittelt derzeit der Bauernverband.

Die Bauern haben es nicht leicht. Die einen kämpfen gegen sinkende Milchpreise, den anderen fressen Gänse quasi die „Haare vom Kopf“.

Eines steht für den Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Husum-Eiderstedt, Melf Melfsen, schon jetzt fest: „Die Probleme nehmen massiv zu. Auf Eiderstedt haben wir teilweise 100 Prozent Schaden.“ Melf Melfsen verweist auf einen massiven Anstieg der Nonnengans-Population, den internationale Wissenschaftler ermittelt hätten.

Schäden durch Gänsefraß übersteigen nach seinen Aussagen die gezahlten Entschädigungen häufig um ein Vielfaches. Mithin seien diese allenfalls ein „Trostpflaster“. Hinzu komme Frust bei Berufskollegen, wenn neu gesät werden müsse oder – wie auf Hooge – Ende Mai das Vieh auf der Weide zugefüttert werden muss, weil Gänse die Fläche kahl gefressen haben.

Der Chef des Kreisbauernverbandes begrüßt denn auch, dass der Umwelt- und Agrarausschuss des Landtages sich auf ein Vorgehen geeinigt hat, um der Problematik künftig ganzheitlich besser Rechnung zu tragen. Das Gremium hatte nach einem CDU-Vorstoß einstimmig einen Änderungsantrag von SPD, Grünen und SSW zum Thema Gänsemonitoring und -management an die Landesregierung verabschiedet. Die Stoßrichtung: Dieses soll in Zusammenarbeit mit Niedersachsen, den Niederlanden und Dänemark intensiviert werden. „Dies ist notwendig, um eine abgestimmte Vorgehensweise sowohl für den Schutz der bedrohten Gänsearten als auch zur angemessenen Begrenzung der Populationen häufiger Arten zu entwickeln“, heißt es darin.

So soll sich die Landesregierung um international abgestimmte Managementpläne für die Grau- und Nonnengans-Bestände bemühen sowie landesweit ein Handlungskonzept für gänsebedingte Fraßschäden in der Landwirtschaft entwickeln, um in Zusammenarbeit mit Landwirten, Jäger und Naturschützern „ausreichend große Duldungs- und Nichtduldungsgebiete für Gänse zu bilden“. Dazu sollen in Datenbanken ganzjährig Gänsearten und Fraßschäden und letztere in ausgewählten Hot Spots wie in Westerhever gezielt erfasst und monetär bewertet werden. Ferner wird die Regierung gebeten, zusätzliche neue Angebote des Vertragsnaturschutzes aufzulegen, um von Ernteausfällen betroffene Landwirte zu unterstützen.

„Unser Wunsch ist es, dass sich im Frühjahr eine Kommission die Schäden ansieht und diese dann unmittelbar ausgeglichen werden“, erhofft sich Melf Melfsen. Für ihn ist klar: „Hier ist der Staat gefordert.“

„Endlich kommt ein Gänsemanagement an der Westküste“, ist der nordfriesische CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Jensen zufrieden mit der Entwicklung auf politischer Ebene. „Die durch SPD, Grüne und SSW an dem von mir eingebrachten Antrag vorgenommenen Änderungen sind durchaus willkommene Ergänzungen. Entscheidend ist, dass endlich etwas passiert. Die Menschen werden mit den immer stärker zunehmenden Fraßschäden nicht länger allein gelassen“, betont Jensen.

Erfreut über das einstimmige Ausschuss-Votum ist auch die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Kreistagsfraktion und Vorsitzende des Kreis-Umweltausschusses, Kerstin Mock-Hofeditz: „Das lässt uns vor Ort hoffen, dass künftig Einigkeit darin besteht, dass wir unserer internationalen Verpflichtung zum Schutz wandernder Wildgänsearten wie es Nonnen- und Ringelgänse sind, nachkommen müssen und wollen.“ Gleichzeitig bedürfe es eines abgestimmten und sowohl von Landwirtschaft als auch Naturschutz akzeptierten Handlungskonzeptes, um Fraßschäden in der Landwirtschaft zu begegnen. Sinnvoll seien nur ausreichend große Duldungs- und Nichtduldungsgebieten für Gänse. „Erfreulich ist, dass dabei die besonders belastende Situation an der Westküste berücksichtigt werden soll“, so Mock-Hofeditz.

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erstellt am 01.Jun.2016 | 07:00 Uhr

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