Beliebter Freiwilligendienstler : Fußballfiebern ohne Fausto

Bernd Biermann und Melanie Manske mit der lebensgroßen Fausto-Figur, die für Deutschland und Kolumbien jubelt.
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Bernd Biermann und Melanie Manske mit der lebensgroßen Fausto-Figur, die für Deutschland und Kolumbien jubelt.

Im Husumer Jugendzentrum BISS hat der Kolumbianer Fausto Ruiz viele Freunde – und die feuern die südamerikanische Elf auch dann an, wenn er mal nicht dabei ist. Ihm gefällt es hier so gut, dass er in Deutschland bleiben möchte.

shz.de von
23. Juni 2014, 14:00 Uhr

„Vamos Colombia, vamos Colombia!“ Das gesamte BISS-Team und die Gäste des Kinder- und Jugendforums feuern bei der Fußball-Weltmeisterschaft nicht nur die deutsche Elf an, sondern auch die Mannschaft aus Kolumbien – ein Tribut an Fausto Ruiz, den 20-jährigen Kolumbianer, der seit September 2013 einen Freiwilligendienst erst im früheren Haus der Jugend und nun im BISS leistet. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit seiner ersten Gastfamilie hatte Ruiz bald eine neue Bleibe gefunden (wir berichteten). Und hier fühlt er sich nun richtig wohl. „Er ist mit seiner Gastschwester ein Herz und eine Seele“, sagt BISS-Mitarbeiterin Melanie Manske, „er kümmert sich wie ein großer Bruder um sie.“

Heimweh verspürte Ruiz während seiner ganzen Zeit in Husum noch nicht. Weil die Flüge zu teuer waren, konnte seine Mutter ihn zwar noch nicht besuchen, aber das nahm er ebenfalls in Kauf. „Er ist sehr zufrieden hier und sagt uns immer wieder, wie glücklich er doch ist“, berichtet Bernd Biermann, Sozialarbeiter und Leiter der Einrichtung.

Deutsch hat der Kolumbianer sehr schnell gelernt. Am Anfang gab er allen BISS-Mitarbeitern ungewollt Spitznamen, da er die echten Namen noch nicht richtig aussprechen konnte. Mittlerweile hat er kaum noch Probleme mit der Aussprache – aber die Spitznamen sind geblieben.

In seinem Freiwilligendienst hat er genug zu tun. So half er beispielsweise tatkräftig beim Umzug der Einrichtung in die Norderstraße 15. Außerdem betreut er zusammen mit Thomas Jarstorff, dem stellvertretenden Leiter, die Naturfindergruppe. Besonders gerne tobt der 20-Jährige aber mit den Kindern, die ihn ebenfalls ins Herz geschlossen haben. „Wenn er mal nicht da ist, fragen sie gleich: Wo ist denn Fausto ?“, sagt Manske.

Das gesamte BISS-Team ist sehr zufrieden mit dem Südamerikaner. „Keiner kann ein böses Wort über ihn sagen“, so Biermann. Er sei immer sehr zuverlässig und pünktlich. Auch Ruiz ist begeistert und möchte gar nicht wieder weg von hier. In Husum brauche man im Vergleich zu seinem Geburtsort Bogota, der kolumbianischen Hauptstadt, auch keine Angst zu haben, wenn man auf die Straßen geht. Nun sucht er nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz, um in Deutschland zu bleiben. Der Vertrag mit der Austauschorganisation sieht allerdings vor, dass er nach dem Freiwilligendienst zurück in seine Heimat geht.

Biermann und Manske sehen Fausto Ruiz als eine „große Bereicherung“ für das BISS an. „Er hält einem auch gern den Spiegel vor“, so der Leiter. Wenn man beispielsweise mal den Wasserhahn beim Abwaschen laufen lasse, erinnere er einen sofort daran, wie kostbar dieses Naturgut doch sei.

In seiner Freizeit ist der Kolumbianer gerne mit dem Fahrrad unterwegs. Bis nach Flensburg sei er geradelt, um die Stadt zu erkunden, erzählt das BISS-Team. Und beim Musical „Hair“ der Kreismusikschule habe er auch mitgewirkt. „Jeder sollte einen Fausto haben“, schwärmt Melanie Manske.

Da sich das Team vom BISS als große Familie sieht, wurde für den Kolumbianer auch beim ersten Kolumbien-Spiel ein Public Viewing organisiert. Allerdings musste das am Ende ohne ihn stattfinden: Er ist für ein paar Tage nach Paris gereist. Aber kolumbianische Anfeuerungsrufe hat er seinen Freunden vorher schnell noch beigebracht – und eine menschengroße Figur mit seinem Gesicht gebastelt, die die Arme bewegen und so mit etwas Hilfe auch mitjubeln kann. Das hat sich offenbar gelohnt – das kolumbianische Team gewann gegen die Elfenbeinküste 2:1 sowie gegen Griechenland 3:0 und kann jetzt ganz beruhigt in das Spiel gegen Japan gehen.


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