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Warnung vor “Xaver“ und anderen Orkanen : Fußabdruck des Klimawandels: Stürme, Überschwemmungen und Trockenheit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Heftigere Stürme, größere Regenmassen und extreme Hitze – all das sagt Dr. Meeno Schrader für die Zukunft voraus. Der Diplom-Meteorologe referierte vor Landwirten im Nordsee-Congess-Centrum in Husum.

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erstellt am 05.Dez.2013 | 16:00 Uhr

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern rechnet Dr. Meeno Schrader in der Nacht von heute auf morgen. Der Diplom-Meteorologe aus Kiel hatte bereits im Oktober das Orkantief „Christian“ und dessen Geschwindigkeiten vorausgesagt – und warnt nun vor „Xaver“.

Enorme Winde, extreme Hitze, starke Regenfälle – die Auswirkungen des Klimawandels sind weltweit spürbar. Das machte der Wetterexperte bei einer Veranstaltung der Nord-Ostsee Sparkasse deutlich. Das Geldinstitut hatte Landwirte und Vertreter landwirtschaftlicher Organisatoren ins Nordsee-Congress-Zentrum eingeladen und konnte neben Dr. Karl-Heinrich Deerberg von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein auch den bekannten Meteorologen Meeno Schrader als Referenten gewinnen. Ein Glücksgriff wie sich zeigte, denn der Veranstalter hatte nicht nur mit Blick auf die bevorstehenden Änderungen der Prämienregelungen in der Landwirtschaft, sondern auch in Bezug auf das nahende Sturmtief „Xaver“ zwei aktuelle Themen ausgesucht.

Als „Fußabdruck des Klimawandels“ bezeichnete Schrader die wettertechnischen Schwankungen der vergangenen Jahre. Zwar würden die Mittelwerte nahezu unverändert sein, aber Höchst- und Tiefstwerte extrem auseinanderklaffen. Als Beispiel führte der „Wetter-Frosch“ Schrader den ersten Monat dieses Jahres an. So habe er im Januar Temperaturen zwischen plus sieben und minus 22 Grad gemessen. Um durchschnittlich 0,6 Grad sind die Temperaturen gestiegen, hat Schrader errechnet. Leider würde dies im allgemeinen Bewusstsein kaum Beachtung finden. „Doch diese Tatsache verdient erhöhte Aufmerksamkeit“, so Schrader. Fakt sei, dass sich der Frost nachweislich aus Schleswig-Holstein zurückziehen wird. Waren es vor 40 Jahren noch 69 Frosttage, sind es mittlerweile im Durchschnitt nur noch 55. Der Experte geht davon aus, dass es bis Ende des Jahrhunderts nur noch 31 Frosttage geben wird. „Wir werden aber weiterhin harte Winter bekommen“, so Schrader. Auch der Wind wird in den kommenden Jahren zunehmen. „Mehr Wärme, mehr Dynamik, mehr Wind“, lautet die Faustformel. Eine Steigerung von rund drei Prozent, hat Schrader für die nächste 30 Jahre berechnet. Damit einher geht aber auch eine Zunahme von heftigen Stürmen.

Als positive Auswirkungen der Erwärmung machte Schrader eine längere Wachstumsperiode aus. Somit können die Bauern mehr ernten und auch höhere Erträge erwirtschaften. Die witterungstechnischen Extremereignisse aber würden die Landwirte zugleich auch vor Herausforderungen stellen: Wassermangel, Überschwemmungen, Frostschäden und neue Schädlinge.

Der Klimawandel hat jedoch zwei Seiten der Medaille. Einerseits dürfen sich die Touristiker über längere und wärmere Sommer freuen, andererseits muss in Gewässern mit erhöhtem Aufkommen von Algen und Quallen gerechnet werden. Auch die Strände werden kleiner, da der Meeresspiegel an der Nordseeküste in den nächsten 100 Jahren bis zu 1,50 Meter höher sein wird. „Klimawandel ist kein akademisches, sondern ein durchaus reales Problem“, verdeutlichte Meeno Schrader abschließend.

Probleme sehen viele Landwirte in den kommenden Jahren auch in Bezug auf das von der EU geänderte Prämiensystem. Referent Dr. Karl-Heinrich Deerberg hatte sich die Anfang November von der EU verabschiedeten Beschlüsse näher angeschaut. Das kommende Jahr wertete er als Übergangsjahr. „2015 wird es richtig losgehen“. Am Beispiel eines 100 Hektar großen Betriebs rechnete der Fachbereichsleiter der Landwirtschaftskammer vor, dass dieser künftig mit rund 4000 Euro weniger Prämienauszahlungen rechnen muss. Überhaupt: Je größer der Betrieb, desto geringer die Subvention. „Heute ist alles noch relativ einfach, morgen wird alles wesentlich komplizierter“, prophezeit Deerberg.

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