Ehrenamtlicher Wetterfrosch : Für Sonnenschein gibt es eine Null im Wettertagebuch

38 Jahre lang war Ludwig Anton Jebe  in Klanxbüll für den  Wetterdienst ehrenamtlich tätig. (Foto: Ute Weiß)
38 Jahre lang war Ludwig Anton Jebe in Klanxbüll für den Wetterdienst ehrenamtlich tätig. (Foto: Ute Weiß)

Tag für Tag hat Ludwig Anton Jebe in Klanxbüll ehrenamtlich die Wetterdaten notiert. Nun sucht der Wetterdienst für ihn einen Nachfolger.

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24. Juli 2008, 07:06 Uhr

Klanxbüll | In einem trockenen Sommer hat der ehrenamtliche Wetterfrosch einen leichten Job. Er muss nur eine Null in das "Tagebuch für die Niederschlagsstation" malen. Dieses Tagebuch hat Ludwig Anton Jebe in Klanxbüll 38 Jahre für den Deutschen Wetterdienst geführt.
Seit 1970 im Dienst
"Da muss man Lust zu haben. Reich wird man dabei nicht", schmunzelt der 79-Jährige, der sich schon immer für das Wetter interessiert hat. "Deshalb war das keine Belastung für mich." Tag für Tag hatte er seit 1970 das Wetter in Klanxbüll sorgfältig notiert. "Wenn Sie mir das Datum sagen, kann ich Ihnen genau erzählen, was für Wetter an diesem Tag war." Dafür interessiert sich nicht nur der Wetterdienst, für den Ludwig Anton Jebe monatlich die Daten auf einem Blatt zusammenfasst. Studenten, die sich mit dem Thema Wetter befassten, haben sich ebenso an den gebürtigen Klanxbüller gewandt wie die Landwirte und natürlich die Nachbarn: "Toni, wie viel hat es geregnet?"

Das kann Toni den Nachbarn ganz genau erzählen: Zur Ausrüstung des ehrenamtlichen Wetterbeobachters gehören neben den Tagebüchern und Blättern für die Monats-Tabelle ein Messgerät mit dem Behälter für die Niederschlagsmenge und ein Messstab für Schnee. Der ist allerdings schon lange nicht mehr zum Einsatz gekommen: "Es schneit nicht mehr bei uns", stellt Ludwig Anton Jebe lakonisch fest. In den 70-er Jahren, da habe es noch Winter mit viel Schnee gegeben, erzählt er und sieht in den nassen Wintern ein Indiz für den Klimawandel: "Es ist wärmer geworden, ohne Frage."
Gerade mal 20 Minuten Arbeit
Das Ausfüllen des Wettertagebuches ist einfach: Für jede Wetterlage gibt es eine Spalte mit einem eigenen Symbol: Die Ziffer 1 steht für feuchte Tage, ein Punkt für Regen, ein Sternchen für Schnee, ein Dreieck mit Punkt für Schauer, ein ausgefülltes Dreieck für Hagel, vier Querstriche für Nebel und ein Blitz, man ahnt es schon, für Gewitter. Ob kurzer Schauer oder Dauerregen, ob am Vor- oder Nachmittag, wird mit kurzen Notizen ergänzt und kostet den ehrenamtlichen Wetterfrosch gerade mal eine Viertelstunde bis 20 Minuten. Das allerdings Tag für Tag. Ludwig Anton Jebe hatte, wenn er selbst verhindert war, in seiner Frau Petra eine kompetente Vertreterin. Jebe, der nach 25 Jahren mit der Wetterdienst-Plakette geehrt wurde, hätte gerne noch weitergemacht. Die Gesundheit lässt es aber zu seinem Leidwesen nicht zu.
Nachfolger für Klanxbüll gesucht
Der Wetterdienst hofft nun, dass sich ein Nachfolger findet, der bereit ist, gegen eine Aufwandsentschädigung in Klanxbüll täglich um 6.50 Uhr während der Winter- und um 7.50 Uhr während der Sommerzeit die Regen- oder Schneemenge zu messen. Er oder Sie kann sich beim Deutschen Wetterdienst, Regionale Messnetzgruppe unter 040/6690-2730 oder Postfach 850150 in 22361 Hamburg, melden.

Klanxbüll ist eine von landesweit noch 30 Mess-Stellen."Diese Stationen werden zu einem großen Teil von nebenamtlichen Mitarbeitern in hervorragender Weise betreut", erklärt Klaus Siert von der Regionalen Messnetzgruppe. Die gesammelten Daten bilden mit den Ergebnissen aus den unbemannten Wetterstationen wichtiges Grundmaterial für Gutachten und Auskünfte. Gerichte, Versicherungen, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Kurbetriebe und Badeorte nutzen die Wetterdaten bei der Klärung von Rechtsfragen oder zu Werbezwecken.

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