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Verschleiert auf dem Dorf : Für Kinder ist sie die coole Ninja-Mama

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die 32-jährige Goldelunderin Sabine Klusek konvertierte zum Islam und trägt in der Öffentlichkeit den Niqab. Bislang hatte sie damit auf dem Dorf noch keinerlei Probleme.

„Ich habe mich schon immer für Religion interessiert. Doch bereits bei meiner Konfirmation war ich nicht mehr überzeugt davon, dem richtigen Glauben zu folgen“, gesteht Sabine Klusek, die als jüngste von drei Töchtern in einer ganz normalen nordfriesischen Familie aufwuchs. Schon in jungen Jahren beschäftigte sich die Goldelunderin intensiv mit der Bibel, die ihr allerdings mehr Fragen als Antworten lieferte. „Ich las viel, probierte verschiedene Religionen aus, fand aber nicht das Wahre“, erinnert sie sich.

Mit 18 Jahren lernte sie einen Ägypter kennen, einen Muslim, den sie kurz darauf heiratete. Sie setzte sich intensiv mit seinem Glauben auseinander und war im Frühjahr 2003 schließlich überzeugt davon, im Islam die Wahrheit gefunden zu haben. Sie konvertierte, nahm zusätzlich den Namen Amina (die Vertrauenswürdige) an und trug von nun an Kopftuch. Wer nun aber glaubt, dass sie diese Entwicklung ihrem Ehemann näher gebracht hätte, irrt. Genau das Gegenteil trat ein: „Ich stellte fest, dass mein Mann nicht so lebte, wie es der Islam vorschreibt. Er war zufrieden mit dem, was er hatte, während ich möglichst nah an die Lebensweise des Propheten herankommen wollte. Letztendlich führten viele Gründe zum Ende unserer Ehe“, sagt sie.

2008 heiratete sie erneut, wieder einen Muslim. „Zu dem Zeitpunkt schminkte ich mich noch, lief barfuß oder trug Sandalen zu bunten Röcken und Oberteilen“, erzählt sie. Das sollte sich zwei Jahre später ändern, als sie durch das Lesen wissenschaftlicher und islamischer Studien zu der Überzeugung kam, dass sie ihre Reize besser bedecken sollte: „Denn bereits der Anblick eines hübschen Gesichts sorgt beim Mann für eine Veränderung seines Hormon- und Adrenalinspiegels“, so ihre Erkenntnis. Da eheliche Treue eines der höchsten Gebot im Islam ist, sah sie es als ihre Aufgabe an, durch komplette Verschleierung solche Versuchungen bereits im Keim zu ersticken.

Seit 2010 trägt sie in der Öffentlichkeit den Niqab. „Es war meine alleinige Entscheidung“, betont sie und erzählt, dass viele muslimische Frauen diesbezüglich bei ihren Männern und Familien echte Überzeugungsarbeit leisten müssen, bevor diese den Niqab akzeptieren. Anfangs sah sie für sich selbst darin vor allem die Chance, aktiv und „ungestört“ am öffentlichen Leben teilzunehmen. Inzwischen hat sich dieses Gefühl konkretisiert: „Für mich ist der Niqab meine Freiheit. Eine Freiheit, die mir nichts anderes auf dieser Welt bieten kann“, sagt sie.

Bis vor einem Jahr hat die Familie noch in Kiel gelebt, doch als Sabine Klusek nach der Trennung von ihrem Mann – als verschleierte Frau mit vier Kindern – dort keine Wohnung fand, zog es sie zurück nach Nordfriesland, zu ihrem Vater in Goldelund. Er hat ihren Weg zum Glauben und ihre Weise zu leben immer tolerant begleitet. Insgesamt begegnen ihr die Nordfriesen mit viel größerer Selbstverständlichkeit als die Menschen in der Großstadt. „Wie jede andere Mutter auch, besuche ich hier die Elternabende in der Schule. Ich beteilige mich an den Aktionen im Kindergarten und begleite meine Kinder zum Sport“, sagt die 32-Jährige, die nun auch selbst mit dem Bogensport anfangen möchte. „Warum sollte das nicht auch im Niqab gehen?“, fragt sie.

Was sie nie verstehen wird, ist, wenn ihr jemand etwas Böse hinterher ruft, statt das Gespräch zu suchen. Das ist ihr in Bredstedt zum Glück erst einmal passiert und hat sie sehr erschreckt. „Ich sage immer: Unwissenheit führt zu Angst, Angst zu Hass und Hass zu Gewalt. Deshalb wünsche ich mir, dass die Leute mich ansprechen, wenn sie wissen möchten, warum ich so lebe, wie ich lebe“, sagt sie. Sie isst kein Schweinefleisch, trinkt keinen Alkohol, feiert mit ihren Kindern Ramadan und Opferfest und liest mit ihnen im Koran. Durch das Studium der islamischen Geschichte ist sie schon früh zu der Erkenntnis gelangt, dass es ihre Aufgabe ist, zu Hause zu bleiben und sich um die Familie zu kümmern. Die Kinder haben noch nicht so viele Fragen dazu, warum bei ihnen manches anders ist als bei ihren Schulkameraden, für die ihre Mutter übrigens die „coole Ninja-Mama“ ist.

Wenn ihre noch kleinen Töchter in das Alter kommen, in dem sie aus Sicht des Islams nicht mehr unverschleiert aus dem Haus gehen sollten, wird sie offen mit ihnen darüber sprechen. „Die Entscheidung aber müssen sie selbst treffen, die kommt aus dem Herzen“, sagt sie. Und so lautet der Titel des Buches, das Sabine Amina Klusek 2011 über ihre eigene Geschichte und die einiger anderen muslimischer Frauen geschrieben hat: „Die Freiheit in meinem Herzen“. Aktuell arbeitet sie an einem islamischen Kinderbuch.

Interessierte erfahren mehr von ihr per E-Mail unter: Kimmy024@yahoo.de.

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