Kreistag Nordfriesland : Für gleiche Bildungschancen

Einstimmiges Votum für mehr Bildungsgerechtigkeit: Die Kreistagsabgeordneten segnen die Beihilfe für Insel- und Halligschüler ab.
Einstimmiges Votum für mehr Bildungsgerechtigkeit: Die Kreistagsabgeordneten segnen die Beihilfe für Insel- und Halligschüler ab.

Kreistag Nordfriesland verabschiedet einstimmig modifizierte Beihilfen-Regelung für Insel- und Halligschüler.

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06. Juli 2018, 11:00 Uhr

Es geht um Gerechtigkeit: Alle jungen Menschen sollen die gleichen Bildungschancen haben – unabhängig von ihrer sozialen Situation oder der Frage, ob sie in Ballungszentren oder aber auf Inseln und Halligen wohnen. Mit dem Nordfriesland-Stipendium wollen das Land Schleswig-Holstein, der Kreis Nordfriesland und rund zwei Dutzend betroffene Gemeinden ihren Beitrag dafür leisten. Nachdem die Grundsatzbeschlüsse bereits im Sommer vergangenen Jahres gefasst worden waren, segnete der neue Kreistag jetzt einstimmig modifizierte Entwürfe für Verträge ab, die die finanziellen Hilfen künftig regeln.

Darin geht es zum einen um Beihilfen für Schülerinnen und Schüler der Inseln und Halligen, die aufs Festland wechseln müssen, um einen weiteren Schulabschluss zu erwerben. Zum anderen um Ausgleichszahlungen an den Dänischen Schulverein für Leistungen zugunsten von Schülern von den nordfriesischen Inseln und Halligen. Beide Verträge treten rückwirkend zum 1. August 2017 in Kraft – sobald die Gemeinden den Vertrag unterzeichnet haben.

Im Namen der Insel- und Halligkonferenz, dessen Vorsitzender er ist, bedankte sich CDU-Fraktions-Chef Manfred Uekermann ausdrücklich für das klare Votum aller 56 Abgeordneten im neuen Kreistag: „Damit wird jetzt Chancengleichheit erreicht“, sagte er.

Und Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen lobte in diesem Zusammenhang insbesondere auch den Anteil des Kieler Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Die jetzt gefundene Lösung sei pragmatisch, gut verständlich und komme ohne großen bürokratischen Aufwand aus. Mit Blick auf die neue Regelung für Angehörige der dänischen Minderheit machte er deutlich, das eine Doppelförderung vermieden werde, zumal die Mittel in diesen Fällen zu zwei Dritteln dem Dänischen Schulverein und zu einem Drittel den betroffenen Eltern zugute kommen sollen.

Im Detail sieht das Nordfriesland-Stipendium – es orientiert sich an dem vor zwei Jahren aufgelegten Helgoland-Stipendium – folgende Regelungen für die Dauer des Schulbesuchs vor: Im Regelfall reicht eine Erklärung, dass die Beherbergungs-, Verpflegungs- und Reisekosten in Folge des Schulbesuchs monatlich mindestens 600 Euro betragen. Schülern wird dann auf Antrag eine Beihilfe von 300 Euro pro Monat gewährt, soweit sie zum Erwerb eines weiteren Schulabschlusses auf dem Festland die Oberstufe einer allgemein bildenden Schule oder ein Berufliches Gymnasium besuchen und mit erstem Wohnsitz auf Amrum, Pellworm oder einer der Halligen gemeldet sind oder eine Berufsfachschule beziehungsweise ab Jahrgangsstufe 10 eine allgemein bildende Schule zum Erwerb des mittleren Schulabschlusses besuchen und mit erstem Wohnsitz auf einer der Halligen gemeldet sind. Auch volljährige Schüler können die Beihilfe-Regelung in Anspruch nehmen. Schüler mit Wohnsitz auf Amrum oder den Halligen erhalten eine Beihilfe von 400 Euro pro Monat, wenn sie die Oberstufe des Gymnasiums Eilun Feer auf der Insel Föhr besuchen.

Eine Änderung besteht darin, dass im Vertrag über die Beihilfen zwischen Land, Kreis und Wohnsitz-Gemeinden – sie übernehmen je ein Drittel der Zuschusskosten – keine Förderung von Schülern der dänischen Schulen mehr vorgesehen ist. Stattdessen wird der Dänische Schulverein bezuschusst. Dieser trägt nach Angaben der Kreisverwaltung von den Gesamtkosten für Unterbringung, Verpflegung und Schülerbeförderung rund 600.000, die Eltern nur 90.000 Euro jährlich. Der DSV hat deshalb avisiert, dass rund zwei Drittel der Ausgleichszahlungen den Verein entlasten sollen. Das letzte Drittel soll zu einer Absenkung der Elternbeiträge genutzt werden.

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