Schmuckes altes Rathaus : Für das Markttreiben gewappnet

Das Wappen bei der Anlieferung: Gleich geht es hinauf in luftige Höhen.
Das Wappen bei der Anlieferung: Gleich geht es hinauf in luftige Höhen.

Eine Kopie des Wappens von Herzogin Augusta ist an die Fassade des alten Rathauses zurückgekehrt. Bezahlt wurde das Vorhaben von Stiftung zur Erhaltung des Husumer Stadtbildes.

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01. Dezember 2014, 18:00 Uhr

Pünktlich zur Weihnachtszeit blicken jetzt vier kleine sandsteinerne, von Flügeln umgebene Engels-Köpfe von der Fassade des alten Rathauses auf das Marktgeschehen mit seinen weihnachtlich geschmückten Verkaufsständen herab. Aufmerksame Beobachter haben sie vielleicht schon entdeckt: Die „geflügelten“ Köpfe sind Teil des neuen, dritten Wappens und verleihen dem bisweilen etwas nüchtern wirkenden Gebäude eine schmuckvolle Note. Aber das Beste ist: Das Wappen mit den Engelsköpfen wird das Rathaus auch über die Weihnachtszeit hinaus zieren. Es lohnt sich also, den Blick ab und an nach oben zu richten.

Das Wappen führte Herzogin Augusta von Schleswig-Holstein-Gottorf, geboren 1580 und seit 1595 Herzogin, als sie Herzog Johann Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf heiratete. 1616 wurde sie Witwe und lebte von nun an ständig auf dem Schloss vor Husum, das sie zuvor als Tochter des dänischen Königs Friedrich II. „standesgemäß“ ausgebaut hatte. Aus dieser Zeit stammen die berühmten Kamine sowie das jetzt ebenfalls restaurierte Torhaus. Augusta starb 1639 in Husum. Zuvor hatte sie sich durch mildtätige Gaben um die Bürger der Stadt verdient gemacht. Und so wurde eine Straße nach ihr benannt.

Das Wappen selbst ist ein Abguss des Originals, das sich im Nordsee-Museum Nissenhaus befindet und schon aus konservatorischen Gründen nicht mehr der Witterung ausgesetzt werden darf. Das ursprüngliche Wappen gelangte 1899 in den Bestand des damals neu gegründeten Stadtmuseums – als Geschenk von Andreas Gottburgsen. Er besaß ein Hausgrundstück in der Nordbahnhofstraße, wo das Wappen umgedreht als Gehwegplatte benutzt wurde. Es muss sich also vorher an andere Stelle befunden haben. Dafür kommen Schloss oder Rathaus in Frage. Beide wurden im Lauf der Zeit umgebaut, und in beiden Fällen wurde „überflüssiges“ Baumaterial verkauft.

Dieses Schicksal ereilte auch ein anderes Wappen, das nachweislich vom alten Rathaus stammt und sich heute an dem Haus Norderstraße 44 befindet. Vor einigen Jahren kehrte es als Kopie ebenfalls an die Rathaus-Fassade zurück. Es befindet sich über dem neuen Wappen. Aus einer Zeichnung des Husumer Bürgermeisters Johannes Laß aus dem 18. Jahrhundert geht hervor, dass sich neben dem Husumer Stadtwappen, das noch vorhanden ist, drei Wappen an der Rathausfassade befunden haben, die auf frühere Fürsten verweisen. Dabei handelte es sich zum einen um das von Herzog Johann Adolf, der Husum 1603 das Stadt-Recht einräumte. Ferner wahrscheinlich das seiner Frau Augusta sowie – als drittes im Bunde – vermutlich das der dänischen Könige. Johann Adolf und Herzogin Augusta sind jetzt also wieder gemeinsam für das Markttreiben ge„wappnet“.

Bezahlt wurde die Anfertigung der jüngsten Kopie sowie deren Montage von der Stiftung zur Erhaltung des Husumer Stadtbildes. Der Abguss stammt von der Firma „Restaurierung am Oberbaum“ in Berlin, die bereits die großen Plastiken am Giebel des Nissenhauses neu geschaffen hat.

Das Wappen war und ist aber nicht das einzige Bauvorhaben am Rathaus in diesem Jahr: Auch die Freitreppe, vermutlich von 1702, ist instand gesetzt und von hässlichen Rostflecken an der Schauseite befreit worden. Darüber hinaus wird das Treppengeländer repariert. Es stammt von 1858 und ist ein typisches Gusseisen-Erzeugnis aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Hergestellt wurde es entweder in der Husumer Eisengießerei oder in der Carls-Hütte, Rendsburg, die heute ein Ort der Kunst ist. Vorgenommen wurden sämtliche Maßnahmen vom Gebäudemanagement der Stadt Husum, das im Sommer auch den Tine-Brunnen restaurieren ließ und die große Rathauslaterne, die vor dem Torbogen hing, in die Durchfahrt umsetzte. Letztere wurde an einer besonderen schmiedeeisernen Konstruktion aufgehängt, die dem Ort ein beinahe mittelalterliches Gepräge gibt. Besonders ansprechend wirkt die Laterne allerdings nachts, wenn sie die Durchfahrt in ein warmes gelbes Licht taucht.

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