Premiere : Fünf Pastoren wetteifern bei Predigt-Slam

Mit Unterstützung des bekannten Poetry-Slammers Björn Högsdal (hinten) bereiteten sich (von links) Friedemann Magaard, Michael Goltz, Gesche Schaar, Hilde Zeriadtke, Philipp Busch und Ingo Pohl auf den ersten nordfriesischen Predigt-Slam vor.
Mit Unterstützung des bekannten Poetry-Slammers Björn Högsdal (hinten) bereiteten sich (von links) Friedemann Magaard, Michael Goltz, Gesche Schaar, Hilde Zeriadtke, Philipp Busch und Ingo Pohl auf den ersten nordfriesischen Predigt-Slam vor.

Am 11. Februar läuft in der Husumer St.-Marien-Kirche der erste nordfriesische Predigt-Slam. Zur Vorbereitung haben die Geistlichen einen Workshop bei einem Profi besucht.

shz.de von
07. Februar 2018, 13:00 Uhr

Das wird spannend: Am Sonntag, 11. Februar, treten in der Husumer St. Marien-Kirche fünf Theologinnen und Theologen in den Wettstreit um die rechte Auslegung der Heiligen Schrift. Los geht es um 9.30 Uhr. Damit hält die zunehmend beliebte Kunstform des Poetry-Slams, bei der Autoren eigene Texte auf der Bühne vortragen, nun auch in Nordfriesland Einzug. Wer den Predigt-Slam gewinnt, entscheidet schließlich die Gemeinde, die, je nach Gefallen, für die Reden mehr oder weniger lautstark das Gotteslob anstimmen soll.

Mit ihren jeweils dreiminütigen Predigten antreten werden die Pastoren Ingo Pohl (St. Severin, Sylt), Michael Goltz (Kirchengemeinde Schwabstedt), Philipp Busch (St. Johannis, Föhr), die Prädikantin Hilde Zeriadtke (Kreis Schleswig-Flensburg) sowie die Vikarin Gesche Schaar (Friedenskirche, Husum), die die erfolgreiche Premiere im vergangenen Jahr in Heide für sich entscheiden konnte. Sprechen werden alle Kontrahenten zum Bibeltext „Der äußerliche Gottesdienst tut’s nicht“ aus dem Buch Amos (Kap. 5, 21 - 24), der in der evangelischen Kirche bundesweit im letzten Gottesdienst vor der Fastenzeit gelesen wird.

Weil ein bühnenreifer Auftritt zwar reizvoll, aber selbst für erfahrene Prediger nicht einfach ist, hatten die Organisatoren, Friedemann Magaard (Leiter des Christian-Jensen-Kollegs) und die Pastorin Inke Raabe (Evangelisches Regionalzentrum Westküste) für die Wettstreiter einen Workshop mit Björn Högsdal, einem bekannten Poetry-Slammer möglich gemacht. Högsdal vermittelte wertvolle Tipps und machte den Slam-Neulingen Mut. „Für Pastoren gehört der Auftritt vor Publikum zum Tagesgeschäft. Aber Predigten kommen ja oft sehr langatmig und salbungsvoll daher. Beim Slam zählt jedoch die persönliche Präsenz sowie eine pointierte und knackige Dramaturgie“, klärte der Profi auf.

„Die Idee, dass die Gemeinde die Entscheidung über die Predigt übernimmt, steht übrigens in guter reformatorischer Tradition“, berichtete Friedemann Magaard. So habe in Lübeck zum Beispiel 1529 eine Gemeinde, der die Predigt missfiel, diese kurzerhand durch lauten Gesang vorzeitig beendet und den Pastor vor die Tür gesetzt, erzählte er. „Soweit soll es aber nicht kommen. Ziel ist es, den traditionellen Gottesdienst mit einem fröhlichen und fairen Wettstreit zu ergänzen, der die Vielfalt des Gotteswortes in unterhaltsamer Form erlebbar macht“, hofft Magaard auf eine volle Kirche mit begeisterten Besuchern.

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