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Vernetztes Denken : Füllhorn neuer Ideen für Hertie-Haus

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Experten und Vertreter der Iandus-Unternehmensgruppe, die neuer Besitzer der Hertie-Immobilie in Husum ist, haben im Rathaus Pläne für die Sanierung des Gebäudes vorgestellt und dabei gleich einen ganzheitlichen Blick auf die Innenstadt geworfen.

Husum | Um es vorweg zu nehmen: So richtig viele Fragen gab es in der abschließenden Diskussionsrunde nicht. Das erstaunte zwar Moderator Dr. Ulf v. Hielmcrone, hatte aber wohl einen von zwei einfachen Gründen: Entweder waren im vollbesetzten Ratssaal des Rathauses keine Fragen offen geblieben oder die Masse an Informationen hatte das Publikum erschlagen.

Zum Auftakt der Veranstaltung skizzierten der Architekt und Städteplaner Prof. Walter Ackers, der Verkehrsplaner Diplom-Ingenieur Jörn Janssen und die beiden Geschäftsführer der Iandus-Gruppe und „Hertie“-Hausherren, Rainer Molitor sowie Benedikt Schmidt-Waechter, die Ideen der Gruppe. Was soll mit dem Gebäude und dem Parkplatz zwischen Groß- und Schlossstraße passieren? Um diese Frage beantworten zu können, hatte sich Prof. Ackers neben der Historie Husums auch mit dem vorhandenen Baubestand, dessen Aussehen sowie dem Angebot für Handel und Dienstleistungen auseinandergesetzt.

„Hier geht es nicht nur um ein Gebäude, das aufzufüllen ist, sondern um eine Stadtzeile“, stellte er fest und machte anhand von Skizzen deutlich, welche Vor- und Nachteile Husum hat. Schon hier zeigte sich, dass Einheimische zuweilen eine andere Sicht auf ihre Stadt haben als Außenstehende.

So schwärmten die Planer von den Vorzügen der Hafenstadt, der Vielfalt des Einzelhandels, den geringen Leerständen und den mehr als 3000 Parkmöglichkeiten, dem Straßen- und Wegenetz und den angenehmen Relationen zwischen Autos, Fahrrädern und Fußgängern. „In Husum ist die Welt gut gefügt“, sagte Ackers.

Gleichwohl habe die Stadt eine ländliche Flächenprägung, was an den doch verhältnismäßig großen Grundstücken abzulesen sei, so der Architekt weiter. Hier gebe es Möglichkeiten der Vernetzung, wenn man städtischer werden wolle. Zur Veranschaulichung setzte der Referent maßstabsgetreue Bilder des Berliner Gendarmenmarktes oder des Hamburger Gängeviertels auf das Hertie-Gelände. „Wir werden für das Spielen mit Ideen bezahlt und dafür, zu denken, was man kaum zu denken wagt.“

1-A-Geschäftslagen seien die Großstraße und der Hafenbereich, hieß es weiter. Danach kämen die Untere Neustadt und der Schlossgang, so Ackers. Spätestens am Quickmarkt sei die Innenstadt dann zu Ende. Das könne durch eine neue Aufgliederung geändert werden, zöge aber eine Veränderung der Verkehrsführung nach sich.

Hauptbestandteil könnte ein Weg sein, der von der Großstraße zum Schloss führt und einen Abzweiger zur Nordbahnhofstraße oder auch zum Schlossgang beinhalte. Bei letzterem fehle allerdings noch die Idee, wo er verlaufen könne, erläuterte Schmidt-Waechter. Wo er attraktiv sei, stünden Gebäude, und wo nichts steht, sei es nicht attraktiv.

Das Hertie-Gebäude selbst müsse so saniert werden, dass künftige Mieter einen Neubau-Zustand vorfänden. Geschäftliches Interesse sei vorhanden. Viele Husumer bestellten inzwischen im Internet, weil es an bestimmten Angeboten mangele. Das müsse nicht so sein. Die Front zur Großstraße soll modernisiert werden, sich aber auch an die bestehende Bebauung anpassen. Eine überdachte Weg- und Ladenzeile in Richtung Schlossstraße ist ebenso Teil der Planungen wie ein kleiner Platz zum Verweilen und ausreichend Parkraum auf den oberen Etagen der noch zu errichtenden Gebäude. Sogar eine Einbindung des City-Parkhauses ist angedacht.

Eine klare Struktur bietet Besuchern die Möglichkeit, das gesamte Schlossquartier als Erlebnis zu sehen, was auch der Neustadt und dem Schlossgang zugute käme.

Die Befürchtung eines Bürgers, der Schlossgang würde abgehängt, teilte der Iandus-Geschäftsführer nicht. Auch die Sorge, durch eine zu hohe Bebauung könne die Sicht versperrt werden, sei unbegründet, sagte Schmidt-Waechter.

Auf der Verkehrsebene liegt für Jörn Janssen allerdings einiges im Argen. So könnte es zu einer Mehrbelastung der Nordbahnhofstraße kommen – als direkte Anbindung an die Westtangente. Gleiches gelte für den Verkehr Richtung Neustadt. Gern würde Janssen die Großstraße entlasten, um die Aufenthaltsqualität zu steigern. Dieser Straßenzug werde noch immer durch die Zufahrt zu den Parkhäusern dominiert. Und noch parkten hier – trotz verkehrsberuhigter Zone – reichlich Autos.

Auch die Bushaltestellen findet der Verkehrsplaner nicht optimal. „Es muss geklärt werden, was wirklich gebraucht wird“, erklärte Janssen abschließend.

„Zwei Jahre planen, zwei Jahre bauen.“ So blickt Schmidt-Waechter in die Zukunft. Schon 2017 könnte aus dem alten Kaufhaus ein neues Einkaufs- und Aufenthaltserlebnis werden. Der Investor sieht die Entwicklung für Husum positiv und möchte noch mehr Gäste in die Storm-Stadt ziehen.

 

Iandus kann sich die Sanierung des Hertie-Komplexes in drei Schritten vorstellen:

1. Bauabschnitt (Hertie): ca. 8200 m² für Handel und Gastronomie u. ca. 250 Parkplätze

2. Bauabschnitt (City-Parkhaus): ca. 4800 m² für Handel und Gastronomie und ca. 330 Parkplätze

3. Bauabschnitt (Rundlauf Neustadt): ca. 2300 m² für Handel und Gastronomie und ca. 150 Parkplätze

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