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24 stunden Husum: 7 bis 8 Uhr : Früh raus – und die Freiheit genießen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von den Nöten und Freuden eines Krabbenfischers: Trotz aller Widrigkeiten möchte Thorsten Laß den Arbeitsplatz auf seinem Kutter „Marion“ nicht tauschen. Pünktlich zu Beginn der Herbstsaison geht den Fischern an der Nordseeküste wieder mehr Rotes Gold ins Netz.

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an die unterschiedlichsten Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 3: Auf dem Kutter eines Krabbenfischers.

 

Es ist eng in der kleinen Kajüte, doch es fehlt nichts. „Auf dem zweiflammigen Gaskocher machen wir uns schon mal Bratkartoffeln und andere leckere Dinge, uns geht es eigentlich richtig gut.“ Das sagt Thorsten Laß, 41 Jahre alt und in fünfter Generation Husumer Fischer. Mit seinem Krabbenkutter „Marion“ fährt er in der Regel von März bis Dezember raus, um Nordseegarnelen zu fangen. „Mal haben wir Glück, mal keins“, sagt er und spricht von anderthalb bis fünfeinhalb Tonnen Beute pro Woche.

Spät am Abend ist die „Marion“ von der letzten Tour in ihren Heimathafen eingelaufen. Früh am nächsten Tag werden bereits die Verkaufsschilder auf den Kai im Außenhafen gestellt. Lange bevor der Krabbenverkauf eigentlich offiziell startet, sind bereits die ersten Kunden da – denn fangfrische Nordseegarnelen, direkt vom Kutter, ohne den Umweg des Pulens, das ist schon etwas ganz Besonderes.

Doch in die Direktvermarktung kommt nur ein kleiner Teil des Fangs, der Großteil geht an die Großabnehmer auf der anderen Hafenseite. Zurzeit ist Laß zufrieden, im Moment stimmen nämlich die Preise (siehe gesonderter Bericht unten). 2010 sah die Sache noch ganz anders aus. „Es hätte nicht viel gefehlt, und wir Krabbenfischer hätten unseren Job an den Nagel hängen müssen.“ Jetzt hingegen blickt er wieder zuversichtlich in die Zukunft, denn auch sein 13-jähriger Sohn Fabian findet den Beruf des Krabbenfischers eigentlich prima. „Er soll aber selbst entscheiden, ob er den Job von mir übernehmen will“, sagt Laß und schmunzelt: „Das wäre dann nämlich die sechste Generation – das ist schon fast einen Eintrag im Guinness-Buch wert.“

Das Fischen hat sich sehr verändert, heute bestimmen Maschinen und Elektronik den Tagesablauf. Die Auslaufzeiten werden je nach Wetter und Hochwasser festgesetzt. Von Montag bis Freitag wird gefischt, dabei darf ein Törn maximal 72 Stunden dauern. Und nicht immer ist fette Beute garantiert. „Dazu gehört viel Erfahrung, aber auch Glück“, gibt Laß zu. Schwere körperliche Arbeit? „Naja, eigentlich muss man schon fit sein, aber die Technik hat uns viel abgenommen.“

Zweimal im Jahr kommen die Kutter aus dem Wasser, um neues Antifouling zu erhalten. Die 250-PS-Maschine schluckt jährlich rund 70 000 Liter Brennstoff. „1999 zahlten wir noch 30 Pfennig für den Liter, heute sind es bereits 65 Cent.“ Die hohen Betriebskosten und die eigentlich total veraltete Flotte treiben Laß die Sorgenfalten auf die Stirn. Wenn sich heute ein Fischer selbstständig machen will, erhält er nur Subventionen für den Kauf eines Kutters, wenn dieser nicht älter als 19 Jahre ist. Die „Marion“ ist Baujahr 1980. Je nach Ausstattung werden solche Fahrzeuge zwischen 100 000 und 300 000 Euro gehandelt. Damit die Garnelen frisch beim Verbraucher ankommen, gibt es zwei Kühlräume an Bord des Kutters.

Zur Aufgabe der Besatzung – neben Kapitän Laß noch ein Lehrling und ein Helfer – gehört auch die Pflege der „Marion“. Kleinere Reparaturen und Erhaltungsmaßnahmen werden selbst erledigt, sonst müssen Fachleute gerufen werden. „Der Tagesablauf sieht immer wieder anders aus, denn auch wenn es bei uns mittlerweile die Fünf-Tage-Woche gibt, das Wetter lässt sich nun mal nicht vorausplanen.“ Hinzu kommen die unterschiedlichen Hochwasserzeiten. Im Schnitt arbeitet Laß 18 Stunden am Tag – „doch natürlich haben wir auch Pausen“, sagt er und unterstreicht: „Fischer sind aber Frühaufsteher.“

Trotz aller Reglementierung, der Überwachung und der starken Preisschwankungen, tauschen möchte der Husumer Krabbenfischer nicht. „Wir genießen immer noch eine gewisse Freiheit, sehen fantastische Sonnenauf- und -untergänge und niemand schreibt mir vor, welchen Fangplatz ich aufsuche.“ Schluss mit der Seefahrt ist allerdings, wenn der Wind zu sehr auffrischt. Die „Marion“ ist für die Küstenfischerei gebaut. Daher ist bei sieben Windstärken und dann im Wattenmeer zwischen zwei und drei Metern Wellenhöhe Schluss.

Und was macht ein Fischer in seiner Freizeit an Land, hat er dann die Nase voll von der See? „Nein, wenn es das Wetter zulässt, dann fahre ich ganz gerne mit meinem Sohn mal eine Runde Motorboot.“

 

Teil 4 morgen: Zu Besuch im Tierheim.

 

 

Preise für das Rote Gold

der Nordsee fallen


Pünktlich zu Beginn der Herbstsaison fangen die Fischer an der deutschen Nordseeküste wieder mehr Krabben. Das freut vor allem Krabben-Liebhaber, die das Rote Gold wieder günstiger einkaufen können. Durch den Anstieg der Fangzahlen haben die Erzeugerpreise innerhalb der letzten Tage deutlich nachgegeben, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischer im Deutschen Fischerei-Verband weiter.

Seit etwa zwei Wochen stiegen die Fangzahlen bei den Krabbenfischern an der Nordseeküste an. Der Nachwuchs sei jetzt in die Netze „hineingewachsen“. Die Marktversorgung verbessere sich zusehends. Die Rationierungen werden beendet, die Preise sinken, heißt es weiter. „Allerdings ist die Zahl der Anlandungen nicht so stark gestiegen wie die Preise gefallen sind“, erklärt Kutterkapitän Dirk Sander von der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischerei GmbH.

Nachdem laut Verbands-Mitteilung Ende Juli Höchstpreise von bis zu 8,50 Euro für ein Kilogramm Krabben gezahlt wurden, seien es derzeit „nur“ noch bis zu sechs Euro. Die bekämen die Fischer aber ausschließlich für die größte Sortierung. Was die Verbraucherpreise angehe, so erwarte man zeitversetzt ebenfalls sinkende Tendenzen. Stellenweise sei der Preis für ein Kilogramm ungeschälter Ware bereits unter zehn Euro gefallen.

Hintergrund dieser Entwicklung: In diesem Jahr sind die Krabbenfischer aufgrund des lang anhaltenden Winters rund vier Wochen später als üblich rausgefahren. Die Lagerbestände waren vollständig aufgebraucht. Die Fänge lagen geringfügig unter dem Durchschnitt, die Nachfrage durch die Verbraucher war sehr stabil. Dies führte zu Preisanstiegen bis auf selten zuvor erreichte, historische Höchststände. Einzelne Großhändler konnten die Kundenwünsche nicht mehr vollständig bedienen und mussten die Krabben rationieren. Der Sommer mit sonnigem Wetter und vielen Touristen an der belgischen und nordfranzösischen Küste sorgte für ein stabiles Nachfrage-Hoch, denn dort ist eine Krabbenmahlzeit ein unverzichtbarer Bestandteil des Urlaubsvergnügens. Im Herbst erreicht der Krabbennachwuchs normalerweise die fangfähige Größe. Im September und Oktober kommen gewöhnlich die größten Mengen auf den Markt. Steigende Fangzahlen bringen verbraucherfreundliche Preise – wenn der Markt funktioniert.

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erstellt am 04.Sep.2013 | 17:00 Uhr

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