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Husumer Nachrichten

17. Oktober 2017 | 22:57 Uhr

Früh raus – und die Freiheit genießen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Krabbenfischer Thorsten Laß: Trotz aller Widrigkeiten möchte er den Arbeitsplatz auf seinem Kutter „Marion“ nicht tauschen

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2013 | 21:00 Uhr

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an die unterschiedlichsten Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 3: Auf dem Kutter eines Krabbenfischers.

Es ist eng in der kleinen Kajüte, doch es fehlt nichts. „Auf dem zweiflammigen Gaskocher machen wir uns schon mal Bratkartoffeln und andere leckere Dinge, uns geht es eigentlich richtig gut.“ Das sagt Thorsten Laß, 41 Jahre alt und in fünfter Generation Husumer Fischer. Mit seinem Krabbenkutter „Marion“ fährt er in der Regel von März bis Dezember raus, um Nordseegarnelen zu fangen. „Mal haben wir Glück, mal keins“, sagt er und spricht von anderthalb bis fünfeinhalb Tonnen Beute pro Woche.

Spät am Abend ist die „Marion“ von der letzten Tour in ihren Heimathafen eingelaufen. Früh am nächsten Tag werden bereits die Verkaufsschilder auf den Kai im Außenhafen gestellt. Lange bevor der Krabbenverkauf eigentlich offiziell startet, sind bereits die ersten Kunden da – denn fangfrische Nordseegarnelen, direkt vom Kutter, ohne den Umweg des Pulens, das ist schon etwas ganz Besonderes.

Doch in die Direktvermarktung kommt nur ein kleiner Teil des Fangs, der Großteil geht an die Großabnehmer auf der anderen Hafenseite. Zurzeit ist Laß zufrieden, im Moment stimmen nämlich die Preise (siehe gesonderter Bericht unten). 2010 sah die Sache noch ganz anders aus. „Es hätte nicht viel gefehlt, und wir Krabbenfischer hätten unseren Job an den Nagel hängen müssen.“ Jetzt hingegen blickt er wieder zuversichtlich in die Zukunft, denn auch sein 13-jähriger Sohn Fabian findet den Beruf des Krabbenfischers eigentlich prima. „Er soll aber selbst entscheiden, ob er den Job von mir übernehmen will“, sagt Laß und schmunzelt: „Das wäre dann nämlich die sechste Generation – das ist schon fast einen Eintrag im Guinness-Buch wert.“

Das Fischen hat sich sehr verändert, heute bestimmen Maschinen und Elektronik den Tagesablauf. Die Auslaufzeiten werden je nach Wetter und Hochwasser festgesetzt. Von Montag bis Freitag wird gefischt, dabei darf ein Törn maximal 72 Stunden dauern. Und nicht immer ist fette Beute garantiert. „Dazu gehört viel Erfahrung, aber auch Glück“, gibt Laß zu. Schwere körperliche Arbeit? „Naja, eigentlich muss man schon fit sein, aber die Technik hat uns viel abgenommen.“

Zweimal im Jahr kommen die Kutter aus dem Wasser, um neues Antifouling zu erhalten. Die 250-PS-Maschine schluckt jährlich rund 70 000 Liter Brennstoff. „1999 zahlten wir noch 30 Pfennig für den Liter, heute sind es bereits 65 Cent.“ Die hohen Betriebskosten und die eigentlich total veraltete Flotte treiben Laß die Sorgenfalten auf die Stirn. Wenn sich heute ein Fischer selbstständig machen will, erhält er nur Subventionen für den Kauf eines Kutters, wenn dieser nicht älter als 19 Jahre ist. Die „Marion“ ist Baujahr 1980. Je nach Ausstattung werden solche Fahrzeuge zwischen 100 000 und 300 000 Euro gehandelt. Damit die Garnelen frisch beim Verbraucher ankommen, gibt es zwei Kühlräume an Bord des Kutters.

Zur Aufgabe der Besatzung – neben Kapitän Laß noch ein Lehrling und ein Helfer – gehört auch die Pflege der „Marion“. Kleinere Reparaturen und Erhaltungsmaßnahmen werden selbst erledigt, sonst müssen Fachleute gerufen werden. „Der Tagesablauf sieht immer wieder anders aus, denn auch wenn es bei uns mittlerweile die Fünf-Tage-Woche gibt, das Wetter lässt sich nun mal nicht vorausplanen.“ Hinzu kommen die unterschiedlichen Hochwasserzeiten. Im Schnitt arbeitet Laß 18 Stunden am Tag – „doch natürlich haben wir auch Pausen“, sagt er und unterstreicht: „Fischer sind aber Frühaufsteher.“

Trotz aller Reglementierung, der Überwachung und der starken Preisschwankungen, tauschen möchte der Husumer Krabbenfischer nicht. „Wir genießen immer noch eine gewisse Freiheit, sehen fantastische Sonnenauf- und -untergänge und niemand schreibt mir vor, welchen Fangplatz ich aufsuche.“ Schluss mit der Seefahrt ist allerdings, wenn der Wind zu sehr auffrischt. Die „Marion“ ist für die Küstenfischerei gebaut. Daher ist bei sieben Windstärken und dann im Wattenmeer zwischen zwei und drei Metern Wellenhöhe Schluss.

Und was macht ein Fischer in seiner Freizeit an Land, hat er dann die Nase voll von der See? „Nein, wenn es das Wetter zulässt, dann fahre ich ganz gerne mit meinem Sohn mal eine Runde Motorboot.“

Teil 4 morgen: Zu Besuch im Tierheim.

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