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24 Stunden Husum: 4 bis 5 Uhr : Früh aufstehen für das Handwerk

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Was tagsüber gebraucht wird, muss morgens schon geliefert werden: Bei der Firma Georg C. starten bei Tagesanbruch die Lastwagen mit Material für Baustellen in ganz Schleswig-Holstein.

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erstellt am 28.Sep.2013 | 12:00 Uhr

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an verschiedenste Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute der 24. und letzte Teil: Bei Georg C. werden am Morgen die Lastwagen mit Baustellen-Material losgeschickt.

Das Motorengeräusch der wartenden Lastwagen bestimmt das Szenario und verheißt viel Arbeit – und das um vier Uhr morgens. Flutscheinwerfer erleuchten das Gelände und lassen die Angestellten, die über den geteerten Platz zu ihren Fahrzeugen gehen, lange Schatten auf den Boden werfen. Unter ihnen sind auch Helmut Hempel und Stephan Larssen. Wie jeden Morgen steuern die beiden als erstes das kleine, am Rand des Betriebsgeländes der Firma Georg C. gelegene Büro an. „Hier beginnt der Tag“, sagt Hempel, der sich einen Stapel Papiere nimmt und durchblättert. „Die Ware für heute wurden schon gestern vorbereitet. Wir müssen sie nur noch verladen und die Route planen“, erklärt er.

Müdigkeit sieht man den beiden Berufskraftfahrern nicht an. Und für Müdigkeit ist in ihrer Branche auch kein Platz. Handwerker, Händler und Baustellen werden täglich vom Fachhändler beliefert, unter anderem mit Stahl, Sanitäranlagen und Maschinen. Das frühe Aufstehen macht den beiden kaum Probleme. „Was bleibt uns auch anderes übrig“, sagt Larssen und lacht. Aber gewisse Einschnitte in der Lebensqualität gebe es schon: „Bei Geburtstagen ist man meist der Erste, der geht. Und es gibt auch Tage, an denen komme ich von der Arbeit nach Hause und lege mich gleich wieder hin“, so Larssen. Bevor er seinen orangefarbenen Laster belädt, hat er seine erste Tour schon hinter sich, denn Larssen wohnt auf Eiderstedt. Hempel hingegen kommt mit dem Fahrrad aus dem Umland.

Auf einem Klemmbrett sortiert er seine Aufträge immer mit dem Hintergedanken, wie die Fahrt am effektivsten organisiert werden kann. Über Uelvesbüll wird es mit einigen Zwischenstopps nach Tönning und dann nach Süderdeich gehen. Für die beiden Kraftfahrer ist das Routine. Jeder hat sein Gebiet, das er täglich befährt und in dem er sich auskennt. Larssen steigt in seinen Lastwagen und setzt ihn zurück, bis er den kleinen Strich erkennt – eine Markierung, die zeigt: Das Fahrzeug steht exakt mit der Ladefläche an einem der acht Rolltore am Lager. Auch das Einlegen der Fahrerkarte gehört zum allmorgendlichen Ablauf. „Die ist Pflicht“, erklärt Hempel. Er dürfe nicht länger als neun Stunden am Stück fahren – eine Zeit, auf die man im Nahverkehr jedoch nur selten komme. Das sah in seinem vorherigen Beruf anders aus. Bevor Hempel zu Georg C. kam, begleitete er als Busfahrer für den elterlichen Busbetrieb teilweise sieben Tage am Stück Reisegruppen ins europäische Ausland.

Das Lager erstrahlt im kalten Neon-Licht. Larssen holt einen Hubwagen und prüft die Liste. „Was genau in den Paketen ist, steht auf den Zetteln. Das lesen wir uns aber nicht durch“, sagt er. Für die Fahrer ist nur wichtig, wo die Ware steht und wohin sie gebracht werden soll. Sie transportieren von der Isolierung über Werkzeuge bis hin zum WC alles, was auf den Baustellen Schleswig-Holsteins gebraucht wird. Seit 150 Jahren ist Georg C. mit diesem Geschäftsmodell erfolgreich.

Der 50-jährige Larssen ist seit 1999 dabei. In seinen alten Beruf als Tischler möchte er nicht zurück. „Hier ist man den ganzen Tag sein eigener Herr und regelt alles selbst.“ Für Abwechslung sei ebenfalls gesorgt: „Wir sind zum Beispiel auch für die Wartung der Fahrzeuge zuständig. Das ist unser Arbeitsgerät und um das müssen wir uns kümmern“, erklärt Larssen, während er seine Liste abarbeitet. Langeweile komme als Fahrer für Georg C. nicht auf, denn auf ihrer Tour stoppen die Laster an vielen Baustellen. Für die Zeit dazwischen gibt es das Radio.

Kurz vor fünf Uhr hat Helmut Hempel das letzte Paket verladen und das Rolltor wieder heruntergezogen. Der 52-Jährige und seine Kollegen sind unterwegs, wenn sich die meisten Husumer im Bett noch einmal umdrehen dürfen. „Darauf stellt sich der Körper aber ein. Ich stehe lieber früh auf als unregelmäßig“, sagt er. Und das Handwerk im Norden wird es freuen – die Lieferung kommt pünktlich.

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