Imker in Husum : Frost macht Milben den Garaus

Vor der Winterruhe bekommen Bienenvölker eine Spezialbehandlung.
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Vor der Winterruhe bekommen Bienenvölker eine Spezialbehandlung.

Imker Karl-Heinz Raddatz hat seine Kästen stets im Blick: Im Winter brauchen Bienen noch einmal eine Spezialbehandlung.

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18. Januar 2018, 14:00 Uhr

16 Bienenvölker nennt Imker Karl-Heinz Raddatz sein Eigen. Sieben stehen in seinem Garten in der Husumer Matthias-Claudius-Straße, eines im Schulbiotop der Klaus-Groth-Schule und der Rest auf einer Brachfläche im Industriegebiet. „Was die Bienen jetzt im Winter am meisten brauchen, ist Ruhe“, sagt er. Denn sobald das Thermometer auf unter zehn Grad sinkt, bilden die Tiere in der Beute eine Traube. In der Mitte sitzt die Königin, die von ihren Untertanen bis zum Frühjahr gewärmt und versorgt werden will. Die für das Überleben notwendige Wärme erzeugt das Volk selbst, indem es sich systematisch immer wieder von außen nach innen umschichtet. Das erzeugt ein Geräusch, das an stillen Tagen sogar außerhalb des Bienenstocks zu hören ist.

„In dieser Phase öffne ich die Kästen ein letztes Mal, um die Bienen gegen die Varroa-Milbe zu behandeln“, erklärt Karl-Heinz Raddatz. Vor wenigen Jahren hat diese Milbe in Deutschland rund 30 Prozent aller Völker dahingerafft. Damit das nicht wieder passiert, sollte die Bienentraube im Winter zu einem bestimmten Zeitpunkt mit Oxalsäure beträufelt werden. Sie regt den Putztrieb der eng aneinander gekuschelten Tiere an, so dass sich die Lösung schnell über das ganze Volk verteilen und nachhaltig wirken kann. Der Termin für diese Behandlung richtet sich nach der Brutfreiheit in den Völkern: Rechnerisch ist das einige Wochen nach der ersten Frostnacht im Herbst der Fall. „Dann ist es Zeit, aktiv zu werden“, sagt Raddatz. Bevor er loslegt, schaut er zur Sicherheit noch einmal auf das Außen-Thermometer. „Perfekt“, sagt der Imker und füllt die handwarme Lösung aus Oxalsäuredihydrat und Saccharose in eine spezielle Dosierflasche.

Mit dem schützenden Imkerhut auf dem Kopf geht er hinaus zu den mit Reif bedeckten Körben. Einige Stellen sind heller und trockener als andere. Sie verraten ihm, wo er das gut gewärmte Quartier der Bienen gleich finden wird. Vorsichtig öffnet er den Deckel und träufelt mit ruhiger Hand 30 bis 50 Milliliter der Lösung in die bienenbesetzten Wabengassen oder auch direkt auf das Volk, wenn er dicht genug an ihr Quartier herankommt.

Das sorgt für etwas Unruhe in der Beute. Vereinzelt reagieren die Tierchen nervös auf den unerwarteten Regen und lösen sich aus der Traube. Wer allerdings zu hoch und zu weit wegfliegt, hat bei diesen Temperaturen keine Chance. „Deshalb ist es wichtig, dass dieser Vorgang nicht zu lange dauert und der Deckel schnell wieder geschlossen wird“, sagt Raddatz und ist mit der Prozedur innerhalb weniger Minuten in sieben Behausungen durch.

Dann kann auch er in die Winterpause gehen und Urlaub machen – zumindest theoretisch, denn Karl-Heinz Raddatz und seine Frau Brigitte können gar nicht anders als mindestens einmal täglich hinaus zu den Bienenstöcken zu gehen und zu lauschen, ob sich drinnen etwas bewegt: „Schließlich möchten wir sicher sein, dass es unseren Mädels gutgeht.“ Die Honigernte war zuletzt übrigens trotz der schlechten Witterung viel besser als erwartet. „Das ging aber nicht allen Imkern so, manche hatten erhebliche Ausfälle zu beklagen. Da haben wir im vergangenen Sommer besonders viel Glück gehabt.“

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