zur Navigation springen

Fastnachtsboßeln in Garding : Fröhlicher Zug durch die Gemeinde

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Januar sind die Einlader in Garding unterwegs: Sie werben für das große Fastnachtsboßelfest ihres Vereins. Dabei gehen sie von Haus zu Haus und bitten um Spenden.

„Een Boßeljahr is nu vergaan, de nien Inloader nu vor jüm staan. To’n Boßelball, da laad wi in, an 5. März, dor schall dat sein.“ So beginnt das selbst verfasste Gedicht, mit dem Willi Unger und Gesa Steinberg derzeit an vielen Türen in Garding klingeln und mit einem herzlichen „Lüch op“ um Einlass bitten. 120 Haushalte rund um die Dreilandenhalle stehen auf ihrer Besuchsliste. Neben den beiden sind noch weitere Paare im Stadtgebiet unterwegs. Ziel ihres Besuchs ist es, möglichst „veel Pennunze“ einzusammeln – Spenden, die sorgfältig in ein Buch eingetragen werden und dazu dienen, das jährliche Boßelfest des Gardinger Fastnachtsboßelvereins „Lüch op“ zu finanzieren – ein traditionsreicher Ball, der seit 1882 immer in der Karnevalszeit veranstaltet wird. In diesem Jahr nun schon zum 134. Mal. Die Bürger werden persönlich dazu eingeladen und spendet zu diesem Zweck in der Regel ein paar Euro. Und wenn dann am Sonnabend, 5. März, bis in die frühen Morgenstunden geschwoft wird, ist der Eintritt für sie und mitgebrachte Verwandte, Freunde und Bekannte frei. Neben „Lüch op“ gibt es noch den Verein Schambüllsenn, Gaarngeest und Leegesee. Auch dessen Einlader sind untewegs. Gefeiert wird am 6. Februar.

Traditionell gehört zum Ball eigentlich auch ein Festumzug. Ebenso das Boßelvergnügen quer durch die Stadt und eine gemütliche Kaffeetafel mit Hedewecken und Berlinern. Da diese Angebote in den vergangenen Jahren aber immer weniger genutzt wurden, hatte der Verein im vergangenen Jahr geglaubt, auf diese drei Programmpunkte verzichten zu können und – auch aus Kostengründen – nur noch das Fest zu veranstalten, das um 20 Uhr beginnt. Eine Entscheidung, die kräftigen Protest nach sich zog, so dass für dieses Jahr eine moderatere Lösung gefunden werden musste. Im Ergebnis kann nun jeder, der Lust dazu hat, vor dem Ball am Sonnabend in der Zeit von 15 bis 17 Uhr in der Halle „in die Tonne boßeln“. Dazu gibt es, wie eh und je, Kaffee und Kuchen für alle.

Offenbar braucht es manchmal eine gewisse Abstinenz, um bei den Leuten wieder die Lust auf etwas zu wecken, wofür sie sich eine Zeit lang nicht mehr so richtig interessierten. Denn Willi Unger und seiner junge Begleiterin wurden auf ihrer Tour durch die Straßen Gardings immer wieder auf diesen Punkt angesprochen. Auch die 80-jährige Elke Abraham machte den Einladern unmissverständlich deutlich, dass sie zwar keine rechte Lust mehr verspüre, alleine zum Ball zu gehen, dass ihr die Kaffeetafel am Nachmittag aber nach wie vor sehr wichtig sei. Sie lud die Beiden in ihr Wohnzimmer ein, um bei einem Gläschen Sekt und leckeren Salzkräckern all die Neuigkeiten auszutauschen, die sich seit dem vergangenen Jahr auf beiden Seiten angesammelt hatten. So will es die Tradition, denn die soziale Komponente gehört beim Fastnachtsboßeln von jeher dazu. Und so erfuhr Elke Abraham von Gesa Steinberg, dass sie tatsächlich die Enkelin von Egon Schlichting ist, der mehr als 30 Jahre lang bei „Lüch op“ den Vorsitz innehatte. Und dass die junge Altenpflegerin noch Single ist – ein Zustand, den sie zu gerne bald ändern würde. Willi Unger hingegen berichtete, dass er inzwischen in Rente ist und nicht mehr in Tetenbüll wohnt, sondern direkt in Garding. Was Elke Abraham natürlich längst wusste. In einer so kleinen Stadt sprechen sich Neuigkeiten dieser Art schnell herum.

Auch ihr Nachbar Achim Bruns bat die Einlader in sein Haus und verwöhnte sie im Wintergarten mit Kuchen und Keksen, während ausgiebig über Düt und Dat geschnackt wurde. Zwar ist Bruns ein „Zugereister“, allerdings schon seit 1974 in Garding zu Hause und somit mit den Gepflogenheiten rund um das Boßelfest seit langem bestens vertraut. Zumal er für „Lüch op“ selbst auch schon als Einlader auf Tour war. Und so legte er seine „Finanzspritze“ schmunzelnd mit dem Hinweis unter die bereitgestellte Kümmel-Flasche, dass dieser Geldschein erst dann den Besitzer wechseln könne, wenn die Flasche leer sei. „So eng sehen wir diesen Teil der Tradition aber schon lange nicht mehr“, gab Unger lachend zurück. Gemeinsam mit Gesa stieß er aber gerne auf das Wohl des Hausherrn an, bevor die Beiden ihre Runde fortsetzen.

„Wenn wir in den nächsten Tagen mehr als 100 Häuser abarbeiten wollen, müssen wir jetzt mal ein bisschen Gas geben“, sagte Unger mit Blick auf seine Uhr. Seit ihrem Start um 15 Uhr waren nämlich schon zwei Stunden vergangen, und sie hatten gerade mal zwei Häuser geschafft. Beide hoffen darauf, dass die Gardinger weiterhin Lust haben, diese von Geselligkeit geprägte Tradition zu pflegen. Und: „Es wäre schön, wenn mehr Leute bereit wären, mal das Amt des Einladers zu übernehmen. Es macht sehr viel Spaß, man kommt mal wieder ins Gespräch mit der Nachbarschaft und wird dabei auch noch mit kleinen Leckereien verwöhnt.“ Für die beiden Grund genug, auch 2017 wieder auf Tour zu gehen. „Bis zum nächsten Mal, lüch op!“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen