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Tonnenleger “Hildegard“ : Frischzellenkur für eine alte Dame

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Museumsschiff in neuem Glanz: In einer Gemeinschaftsaktion möbeln drei Husumer Firmen von Rödemishallig unentgeltlich den Tonnenleger „Hildegard“ auf.

Das ist mal eine konzertierte Aktion und geht – in dieser Form – wohl wirklich nur in Husum. „Vor ein paar Monaten hat mich Karin Cohrs um Hilfe gebeten“, sagt Kapitän Michael Hinz, Leiter der Schifffahrtsabteilung bei der ATR Landhandel GmbH & Co. KG. Es ging um die „Hildegard“, einen 1978 ausgemusterten Tonnenleger, der längst zu einem Wahrzeichen für Husum und seinen Hafen geworden ist. 1907 vom Stapel gelaufen, wurde er unter dem Namen „Eider“ zunächst für die Markierung von Schifffahrtswegen in der Eidermündung eingesetzt. 1921 erfolgte die Umrüstung zum Motorschiff. Von 1958 an kam der 22 Meter lange Segler dann als Tonnenleger zwischen Hallig Gröde und der dänischen Grenze zum Einsatz. Aus der „Eider“ wurde „Hildegard“. Insgesamt sieben Jahrzehnte verbrachte die „alte Dame“ auf See. 2000 erwarb dann das Schifffahrtsmuseum den ausgemusterten Tonnenleger und verholte ihn auf die Slipanlage des einstigen Werksgeländes der Husumer Schiffswerft hinter dem heutigen Rathaus.

Doch jetzt nagt der Zahn der Zeit an ihr. Abblätternde Farbe, rieselnder Rost – all das beunruhigte die Leiterin des Schifffahrtsmuseums so sehr, dass sich Karin Cohrs an Michael Hinz wandte. Und da der im Außenhafen bestens vernetzt ist, war die Rettungsmannschaft schnell zusammengestellt. Neben der ATR Landhandel GmbH & Co. KG kamen die Bagger & Rullmann Corrosion Monitoring GmbH und die Husumer Dock und Reparatur GmbH & Co. KG (HDR) mit an Bord und machten die alte Dame wieder flott. Unter der Aufsicht von Patrick Weidemann, der das Unterfangen als Mitarbeiter von Bagger & Rullmann leitete, spachtelten Maschinenbauer von der HDR zunächst 40 Löcher zu, die der Zahn der Zeit in den Schiffsrumpf der „Hildegard“ gerissen hatte. Danach wurden 40 Liter weiße, schwarze und rote Schiffsfarbe gekauft und – je nach Witterungslage – aufgetragen. Die Mitarbeiter der Betriebsnachbarn ATR und HDR opferten einen Teil ihrer Freizeit, um sie aufzubringen. Insgesamt brauchten sie sechs Wochen dafür.

„Die Renovierungs- und Sanierungsarbeiten sind damit aber noch lange nicht abgeschlossen“, sagten Hinz und Weidemann beim gestrigen Lokaltermin auf der Slipanlage. Auch im Innern des Schiffes ist noch einiges zu tun. Obwohl sie schon auf dem Trockenen liegt, muss die alte Dame „trockengelegt“ werden. „Zu diesem Zweck werden wir bis Jahresende Türdichtungen austauschen und weitere undichte Stellen mit Silikon zustopfen“, so Hinz. So werden wohl zwischen 80 bis 100 Arbeitsstunden zusammenkommen. Die „Hildegard“ muss zwar nicht zurück ins Wasser, aber was es bringt, wenn ein Schiff mal ordentlich „gewaschen“ wird, hat Michael Hinz erlebt, nachdem Weidemann und seine Leute das ATR-Küstenmotorschiff „Maike“ auf Vordermann gebracht haben. „Die fuhr danach gleich 1,5 Knoten schneller“, sagt der Kapitän. Aber das geschah seinerzeit im Dock. „Und da können wir mit Waterjetting arbeiten, einer Methode, bei der ein spezielles, hochsensibles Gerät eingesetzt wird, das Wasser mit einem Druck von 2500 Bar auf den Schiffsrumpf strahlt. „Wenn wir das mit der ,Hildegard‘ gemacht hätten, wäre ein Schweizer Käse dabei herausgekommen“, sagte Weidemann schmunzelnd.

Mit der Gemeinschaftsaktion der Hafen-Anrainer sollte natürlich das genaue Gegenteil erreicht werden. Und tatsächlich: Die „Hildegard“ strahlt wieder, als könne ihr das Alter nichts anhaben.

 

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erstellt am 06.Nov.2015 | 17:00 Uhr

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